Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1886)
- Date
- 1886-06-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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S40 schein fcmnclit, in ilirc^ Cbcrbcrrii würdig. 5»achdcm ne ihm den 3:u’üI vor die Thür gesetzt. laden ne tlin wieder ein ciinutmcn; er lagt verschiedene Höflichkeiten und melde: sich wieder zum Amt. Leine Ausnahme soll angeblich gesichert sein. Doch wir glauben cs er», wenn die Tbaisache vollzogen, da c* uns fast unmöglich dünkt, das; eine so bedeutende Gemeinde Prinzipien und Charakter wie einen Spiclball behandelt. Mir Majorirät scer man den Rabbi vor die Thür, bei welcher Gelegenheit die schärfsten Reden gehalten werden, und nun läßt man ihn wieder ein. Har vielleicht die von ihm inzwischen vollzogene Trauung zwischen And und Christ in der Scdcrnacht dazu beige tragend Begierig iü man, wie sich die.Herren vom „Reformer", dicS. wegen der Trauung angriffcn, am 28. Juni beim Kongreß zu Gincinati mit ihm anscinandersetzen. Das Blatt der Pinsbnrger Reform: „der jüdische Reformer" soll bald den Besitzer wechseln, da man einen Verkauf beabsichtigt. Es scheint, das; sich das Blatt nicht zahlt. Herr Dr. Wisc beschäftigt sich in seiner „Dcborah" mit den Leitartikeln des ,;Israc!il": möchte der Herausgeber der Dcborah lieber Artikel, die in seinem Blatte erscheinen, corrigircn, damit cs ihm nicht passirt, das; an der Spitze eines Gedichtes in Tiy. 48 der „Dcborah" ein Satz steht, der wie folgt, lautet: „Die (!!) Muse naht' ich bittend wieder" u. s. w. Möchte sich die Dichterin in Zukunft nicht ans dcn Rothstist des Herausgebers verlassen: er hat Besseres zu tljitii. Er betitelt sich und feine Freunde als „Gapacilätcu", das lieft sich sehr schön und da kömmt cs mehr^ darauf an als ans die richtige Handhabung der Sprache. Wenngleich die Einwanderung im Allgemeinen gegen das Borjahr zurüctblcibt, sö ist dies doch in Bezug aus die jüdischen Ginwanderer nicht der Fall. Sic kommen schaarenwcisc in^die neue Löclt, obwohl die Zeiten nicht so einladend hier sind. Mein nächster Brief sei wieder dem Feuilleton gewidmet, das über das Leben und Treiben der Eimvandcrcr sprechen soll. Zeitungsnachrichten nnd Correspondcnzeu. Deutschland. W. Berlin. Der Verein „I c d i d e I l m i m" (Freunde der Taubstummen), welcher sich vor Jahresfrist constitnirtc um . allen in Deutschland vorhandenen armen jüdischen tanbnnmmcn Bindern, die im schulpflichtigen Alter stehen. Unterricht nnd Erziehung nncmgeltlich zu gewähren, dielt am Sonntag im Hötel de Sansouci im Fürstenwalde seine Gcncralvcrsammlnng ab. (5s waren 15 Herren, darumcr auch 3 Taubstumme ans Berlin, die Herren Srcinthal, Berliner und August Scheut erschienen.' Gonstarirt wurde, daß ans allen Gegenden Deutschlands für die Humanitären Bestrebungen des Vereins Beiträge einlaufcn und mau nicht vergeblich an die Mildhcrzigkeit der Mitmenschen, besonders der Glaubcnsgcnoycn apvellirt habe. Rach Schluß der Sitzung tvnrde das jüdische Tanbstnmmcninstirnt zu Fürsten walde, welches am 15. Juli 1873 eröffnet wurde, besucht und die Zöglinge vom Letter der Anstalt, Herrn M. R c ich. geprüft. Das Resultat der Prüfung war cm sehr befriedigendes. Die Anstalt zählt jetzt 12 Zöglinge nnd zwar 7 männliche nnd 5 weibliche und erhalten die siinber Unterricht im Lesen. Schreiben, Rechnen. Lautsprcchcn nnd Zeichnen. Die'Freistunde» werden durch Spaziergänge, gymnastische Hebungen (Turnen) und einige Handarbeiten, als Holz- und Laubsägearbeiten ausgesüllt. Die Mädchen erhalten in weiblichen Handarbeiten Unterricht. (5s werde» jedoch nur normal begabte Individuen ansgcnommcn. England. London. „Brich dem Hungrigen dein Brod, und die so im Elend sind, führe in das Haus." (Icfaia 58. YJI.) Mit diesen erhabenen, von Nächstenliebe nbcrflitthendcn Worten des göttlichen Propheten will ich meinen kleinen Aufsatz beginnen, welcher den Bericht über die Wohlthätigkcit der jüdischen Gemeinde zu London zum Zwecke hat. Es mag wohl eine traurige Zeit für das Volk Iehnda gewesen sein, als ihm der Prophet das Mitleiden und die Wohlthätigkcit in obenerwähnten Worten predigte: Die Aecker und Gärten waren durch die, mit Morden und Brennen begleiteten, Einfälle der Syrer, Philister, Jdumiten und Israeliten verwüstet; Tausende nnd aber Tausende von Familien waren der schrecklichsten Roth preisgegeben, während ihre Ernährer als Leichen die Schlachtfelder bedeckten. Auch der König konnte wenig dem allgemeinen Elende seiner Unterthanen Helsen, da er seinen Schatz in den unersättlichen Beutel der habgierigen, assyrischen Könige leeren mußte. Zn solcher Zeit mußte cs ein Iesaia sein, der mit feurigen, Aller Herzen nach sich ziehenden Worten das Volk zur aufopfernden Wohlthätigkcit begeisterte, damit sich nicht das Hungertuch über den Staat als Leichentuch ausbreitrte nnd ihn unrettbar umhüllte. * i