Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1886)
- Date
- 1886-06-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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imb spricht: Hüte dich vor dem Auge des Uebelwollcns und halte dich stets rern davon: das ist der schlimme Weg, der in den Abgrurr'^ infml In ähnlicher Weise münen wir die Wone Rabbi Iosnas erklären. Derjenige, wclärer nicht immer ein guter Genonc ifr, besinder sich noch nichr ans dem schlimmen Wege: rvob! aber derjenige, welcher stets ein böser Genosse ist, sich eine Freude daraus macht, ferne Mitmenschen zum Bösen zu verführen. iS'hcnh verbalr cs sich mir dem Aussprüche Rabbi Iosc's. Wer nicht ein guter Nachbar ist, sondern sich zurückhaltend und kalt gegen die Menschen in seiner Nähe benimmt, ist deshalb noch nicht ans schlimmem Wege; wohl aber derjenige, welcher seinen Nachbar quält und reizt und ihm bei jeder Gelegenheit Böses znsügt. Rabbi Schrmeon den Reste.nel ist der einzige unter seinen Genossen, der etwas ganz Anders als das Gegemheil dessen, was er vorher gesagt hatte, als den bösen Weg bezeichnet, von dem der Mensch sich fern halten soll. Gr hatte das Grwägcn der Folgen als den geraden Weg empfohlen, dem der Mensch anhaften soll. Der vermeintliche Gegensatz dazu ist das Richterwägen der Folgen. Die meisten (vrfliircr i siehe Barünora) meinen, auch der in Rede stehende Äussvrnch bedeute ein Mchterwägen der Folgen. Wenn Jemand borgt und nicht bezahlt, so verliert er seinen (5rcdit. Gr kömmt bald in den Ru! eines bösen Schuldners. Niemand wird ihm mehr borgen, so das; er dem Ruin entgcgengehcn must. Das ist ein Grfahrnugssav, der nicht zu btstreilen ist, und cs erscheint sonderbar, das; sich Rabbi Schimeorr für diese nnnmstosttiche Wahrheit erst einen Beweis ö;;: der heiligen Schrift beizubringcn veranlaßt sicht. Wir wollen daher versuchen,' diesen Ausspruch in anderer Weise zn erklären. Wir haben oben gesagt, das; das Nichterwägeu der Folgen nur ein vermeintlicher Gegensatz zum Grwägcn derselben sei. Der wirkliche Gcgcnsav ist der, das; Jemand die Folgen seines üblen Thuns vor Augen siebt und dennoch von diesem nicht läßt. So Jemand die Folgen nicht sieht, befindet er sich nicht auf dem geraden Wege, aber auch nicht ans dem schlimmen; erst, wenn er sieht, das; sein thörichtes Handeln üble Folgen haben must, und dennoch schlecht und thöricht handelt, der eilt unaushalrsam dem Abgründe entgegen. „Wer da borgt und nicht bezahlt." Gs gibt viele teilte, die in der Rothlage sich befinden, ein Darlehen in Anspruch zu nehmen.. Sic haben die beste Absicht, zur Venallzeit znrüctznzahlcn. Der Dermin kömmt, und cs ist ihnen unmöglich, ihre Schuld abzntrageu. Bo» diesen Renten redet Rabbi Schimeon nicht. Gs gibt aber Andere, die schon gleich beim Gonrradrren der Schuld die Absicht haben, nickt zu bezahlen. Sie scheu reckt gut ein. daß ihre Freunde und Bekannte sich uickr lange werden täuschen lassen, daß sic bald jedes Benranen verlieren werde» und sich dadurch in die mißlichste Lage bringen. Bo» diesen teuren spricht der Weife und belegt die Warnung vor solchem Verfahren durch emerr Psalmvcrs: dorr heißt es nicht 2^2-2 s77 rrb, sondern err' nH : der ist ein Bösewicht, welcher beim Borgen gleich die Absicht bat, nicht zu bezahlen >--.r. der Allgercchle aber ist mildthärig und schenkt dem Herlciher das wieder, um was ihn der Bösewicht betrügt. Daher leiht gleichsam der böswillige Schuldner von Gott, da ja der Allgerechrc dem betrogenen Gläubiger Ersatz leistet. — So Jemand borgt in der Absicht, nicht zu bezahlen, so wird die nächste Folge sein, das; wenn der Gläubiger die Schuld zurücksorderr, der Schuldner diese leugnet. Wenn der Gläubiger ihn dann vor Gericht fordert, so wird er die Richter belügen: diese werden ihm einen Gid anflcgen, und er wird falsch schwören. Diese Folgen sind auch in der heiligen Schrift angcdcutcr, wie cs heißt: (:r. B. (5. N». B. 11 u. 12): „Ihr sollt nicht stehlen und nicht verheimlichen, und nicht lugen Girier gegen den Ander», du sollst nicht schwüren bei Meinem Namen zur Lüge." So Jemand in der Absicht nicht zu bezahlen borgt, so begehr er gleichsam einen Diebstahl: die nächste Folge ist, daß er leugnet, eine aridere Folge, das; er die Richter belügt und endlich gelangt er zn dem schrecklichen Verbrechen des Meineids. Jeder Mensch muß diese schlimmen Folgen vor Augen sehen und wer sie dennoch herbeiführt, das ist ein Böscwicht. „Das ist der Fluch der bösen That. raß sie sorrzcugend Böses muß gebären."' Gs soll daher der Mensch von diesem bösen Wege sich stets zu entfernen suchen, er soll nicht allein die Folgen seiner Dhatcn erwägen, sonder» auch nach seinen Erwägungen handeln und sich von Allem fern halten, was er als unrichtig erkannt hat. (Fortctzung folgt.) Amerikanische Kriefe. □ Rew-Aork, 4. Juni. „Denn mir des «^cschiUes Mächlcn, Fsl kein ewiger Bund;u siechre»." Air diesen Sau must jetzt auch allmählich der Rew Borler Heros der Pittsbnrger Reform glaube» und wenn auch diesmal, wie in St. Lonis i siehe