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Der Israelit · 1886-06-21 · Heft 49 (21.6.1886) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 49 (21.6.1886)
Date
1886-06-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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LXVN. ZichrAMg. AS 40, Ei» Kentrak - Hrgan für das ortsiodoXe ZudenLHmn. Herausgcgebcu vsu Sr. Lehmann in Maiuz. - Montag, Leu 21. Juni 5646 (1886). Ta mit dem 1. Juli 1886 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten _ -±j Abonnenten darauf ansrnertsam zu wachen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung leine Unterbrechung erleide. Leitende Artikel. Me Sprüche der Wüter. II. Buch, zweite Abtheilnug. XIV. Mainz, 17. Juni. „Darauf sagte er (Rabbon Iochanan den Lackai) zu ihnen (zu feinen Schülern): Gehet hin und scher, welches der böse Weg ist, von welchem sich der Mensch entfernen soll. Rabbi Elieser sagte: ein böses Auge. Rabbi Iosna sagte: ein böser Genogc. Rabbi Jose sagte: ein böser Nachbar. Rabbi Lchimeou sagte: wer da borgt und nicht bezahlt, einerlei ob er von Menschen borgt, wie wenn er von dem Allgegenwärtigen, gelobt sei Er, borgt; denn so heißt es: (Psalm 37. B. 21): Es borgt der Bösewicht nud wird nicht bezahlen; der Gerechte aber ist mildthütig und schenkt. Rabbi Elasar sagte: ein böses Herz. Ta sagte er zu ihnen: Ich ziehe vor die Worte des Elasar Len Ärach, denn in seinen Worten sind eure Worte inbegriffen. —" Man hat die Frage aufgeworfen, warum Rabbon Iochanan ben Lackai die Untersuchung in Bezug auf das Gegemhcil wiederholt habe; es kann doch jeder selbst die Schlußfolgerung ziehen, daß, wenn das Eine den geraden Weg bezeichnet, das Entgegengesetzte als der böse Weg betrachtet werden muß.' Das ist jedoch nicht immer der Fall, wie wir es in der That ans der Antwort des Rabbi Schimcon ben Neßancl entnehmen. Gewöhnlich meint man, cs gebe nur zwei Gegensätze; bau ist jedoch nicht so. Zwischen zwei Extremen liegt immer noch ein Trittes in der Mitte. Rabbi Elieser hatte das Auge des Wohlwollens als den geraden Weg bezeichnet, dem der Mensch anhaften soll. Das Auge, welches, wie wir öden gezeigt haben, Gott und Seine heilige Lehre und das Thnu und Treiben der Mitmenschen stets mit Wohlwollen betrachtet. Alles, was von Gott kömmt, als wohlgctha» ansieht, von den Lehren der Thora, selbst, rvcnn wir sie nicht immer verstehen, als von der höchsten Weisheit erfüllt, überzeugt ist, die Meinungen und Handlungen der Menschen mit Wohlwollen bcurtheill — dieses Auge des Wohlwollens ist der gerade Weg, dem der Mensch anhaftcn soll: dagegen ist das Alnveicheu von diesem geraden Wege noch nicht der schlimme Weg. Die meisten Menschen sind in ihren Urtheilen bald wohlwollend, bald sind sie es nicht. So lange es ihnen gut geht, schauen sie dankbar zu Gott empor; murren aber gegen die göttliche Vorsehung, wenn ihnen nicht alles gelingt. Sie erkennen die Gesetze und Vorschriften der Gotteslchre an, die ihrem Verstände einlenchten; stellen aber vielfach ihre beschränkte Einsicht höher als die göttliche Weisheit; sic sind milde in ihrem Nrthcilc ihren Freunden gegenüber: Verlagen aber den Standpunkt der Billigkeit, wenn cs sich um. die Gegner handelt. Das ist mm nicht der gerade Weg, dem der Mensch anhasten soll. Tex böse Weg aber ist der, so Jemand Alles mit dem Auge des llebelwollens betrachtet. Nichts ist ihm recht; er meistert Gott und dessen Wcllei'lenkuiig, er Übertritt Gottes heilige Gebote mir hocherhobencr Hand, wie jener jüdische Zlönig, der seine eigene Mutter mißhandelte und als man ihm darüber Vorstellungen machte, sprach, er thne es ja nur um zu erzürnen. Daß ein solcher Mensch seinen Mitmenschen nur Böses erweist, braucht nicht erst erwähnt zu werden. Daher warnt Rabbi Elieser

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