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Der Israelit · 1886-08-19 · Heft 66 (19.8.1886) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 66 (19.8.1886)
Date
1886-08-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Heitrrttttörrachrichteli ititt» Correspondenzel». Deuts ch l a n d. Borkt'ttht'im, bei Frankfurt a. M. 2Ucmr in diesen geschälten Blättern schon Ijänfin von Anstalten für israelitische Aervenleidende die Bede war, so suhlt mau sich gedrungen auch des Sanatoriums für Israel. Nervcnteidende in Bockenheim bei Frankfurt a. M. Erwähnung zu thun. Diese Anstalt verbunden mit Wasserheilanstalt, Elcetrotherapie, geleitet von dem rühmlichst bekannten Arzte Herrn Tr. Rosen bäum in Frankfurt a. M. kann in jeder Beziehung für die leidende Menschheit empfohlen werden. Gesunde Lage am Fuge des Taunus und in der Nähe eines hübschen Waldes comfortabcl eingerichtet, Arzt im Hause. Hauptsache aber ist noch, daß die Kost echt -iso ist. Tie Kranken, für welche auch in religiöser Beziehung Beruhigung gesucht wird, können mit gutem Gewissen der genannten Anstalt anverträut werden. Posen, im August. Die Kalender für das kommende Jahr sind bereits versandt und bieten selbst dem verwöhntesten Geschmack in reichlicher Auswahl Gutes und Schönes. Freilich mit Unterschied. Da ist zunächst ein alter Bekannter, der „Liebermann'sche Kalender".' Auf diesen paßt vollkommen das Dichterwort: „Wer Vieles bringt, wird manchem etwas bringen." Er bringt nun ziemlich Vieles, leider auch etwas für Religionsspörter, denn die Geschichte von Mordche und Esther ist offenbar nichts Anderes, als eine Verhöhnung der alten Rabbiner und alrjüdischcr Ausdrucksweise und läuft auf die Pointe hinaus, den talmudischcn Ausspruch-P2 ptst dtp er c’ja-iN — lächerlich zu machen. Gehört wohl eine Erzählung mit solcher Tendenz, die allerdings einem Antisemiten eine höchst willkommene Lektüre wäre, in einen Kalender für Israeliten Y Tie Grenzen der Selbst-Persiflage sind in unverantwortlicher Weise überschritten. Abgesehen davon ist auch die Fabel höchst abgeschmackt und unwahrscheinlich, da sie den meisten Personen eine solche Geistesbeschränktheit,;a Dummheit imputirt, wie sie auch in dem vergepenstcn Winkel Rußlands, dem Schauplatz . der Erzählung, in neuerer Zeit, in der doch die Geschichte spielt, nicht zu finden ist. Tie Darstellung soll wahrscheinlich an das bekannte „Vögeleder Äaggid" erinnern: „fehlt leider nur das geistige Band", der poetische Hauch, der sittliche Ernst, der rrov allen Humors jener Erzählung innewohnt. Uebrigens ist die Geschichte nicht Original, sondern ans dem Russischen nbersevt. — Welch andere traben bieten der FamilienKalender von Mauer (Halberstad'l) und der Vollskalender des Israelit. Die Erzählung „Tante Gute" in denn elftere» ist fesselnd und ergreifend durch die Eharallerschildernng einer edlen Person und deren - tragisches Geschick. Auch der Kalender des Israelit bringt durchweg pikante Ausfäi5c und eine humorvolle Erzählung ans dem vorigen Jahrhundert, die aber frei ist üon Verspottung jüdischer Gebräuche und Anschauungen, wie sie in der oben besprochenen Erzählung geboten wird. Da übrigens Einsender sich nicht anmaßt, Kritik. zu üben, sondern lediglich die Entrüstung über solche antijüdische Aufsaye in jüdischen Schriften zum Ausdruck bringen will, so muß die Besprechung des anderweiten Inhalts der Kalender berufeneren Federn überlassen bleiben. Mesopotamien. Hillch (Babel) am Euphrat. Die übliche Wallfahrt zu dem Grabe des Propheten Jecheskel (dnn P’ <n*2?) in dem unweit von hier gelegenen Dorfe Tschiflis hat auch Heuer in der dafür festgesetzten Zeit, zwischen dem Peßach- und Schabuothfesie, siattgefunden und haben sich an derselben circa 15 bis 20,000 Personen, Männer und Frauen, betheiligt. Eine Zählung der Pilger darf selbstverständlich nicht stattfinden;' man rechnet jedoch gewöhnlich auf jedes res» 1: (Seelenlicht), das in der Grabeskapclle angezündct wird, zwei Wallfahrer, Mann und Frau, und solche Seelenlichtcr wurden während der heurigen Wallfahrt circa 9200 angezündct. Montag, 28. Jjar, nahm die Wallfahrt ihren osficiellen Anfang, da an diesem Tage die ersten Pilgerschaaren in dem genannten Dorfe eintrasen. Dieselben kamen, wie noch immer, ans unserer Stadt, welche sie Tags vorher verlassen hatten, um mit Anbruch des nächsten Tages am Grabe des großen Propheten, dir mir seinen beiden Eollcgen Jeschajahu und Jirmejahu, das hellleuchtende Treigestirn an unserem Prophetenhimmel bildet und der von sich behaupten durfte „göttliche Erscheinungen (d~V?s nsns)" gesehen zu haben, ihre Morgenandacht, das Schachrithgebet, verrichten zu können. Unter diesen ersten Wallfahrern, etwa achtzig an Zahl, befanden sich auch zwei Mädchen im Alter von zehn Jahren, Zwillingsschwestern, die vor acht Monaten ihren Barer und vor zwölf Tagen auch ihre Mutter ins Grab gesenkt hatten. Eine Schwester ihrer verstorbenen Mutter hatte sich dieser beiden unmündigen hilflosen Waisen erbarmt und sie zu sich ins Haus genommen, um sie unter

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