Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 66 (19.8.1886)
- Date
- 1886-08-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Ilji'cu Augen zil ergehen. Hellte nnircii mm die beiden Wnistiischivestern mit den ulnffleu im Vaufc des ucrflauflcticii - seit Schills; der Innen Wallfahrt - verwaisten mindern der Gemeinde Bildet, liieher nach Dem Wallfahrtsorte flefommcii, um daselbst auf dem Grabe Iecheskel's sür die Seelenrnlie des heinlgegangenen Vaters, oder der Heimgegangenen Mntrer, oder Beider zugleich, zu beten nnd badisch zn sagen. Es ist dies ünn ein schon alter pictätsvoller Gebrauch hier, das; man diese verwaisten zarten Geschöpfe zu allererst die Grabeskapelle betreten läßt. und zünden sie daher auch die allerersten Seelenlichter daselbst an. Metn Auge blieb trocken, als diese Waisenkinder paarweise, zuerst die Knaben, dann die Mädchen, mit den brennenden Seclcnlichtcrn in der Hand, die Grabcskapelle betraten, diese Lichter auf einer zur Kopfseite des Grabes stehenden hölzernen Bank in einer langen Reihe anfstelltcn und dann unter der Anleitung eines Ehachams, der ihnen die Worte, eines nach dem andern, laut vorsagte, zu beten anfingen: „c'cm abn bx, o Herr voller Barmherzigkeit, der Du in den höchsten Höhen thronst, verleihe eine würdige Ruhe im ewigen Leben unter den Flügeln Deiner Majestät der Seele meines theuerer: Vaters.meiner thencrcn Mutter.... meiner theueren Eltern.., die mm eingegangcn find in ein anderes Leben, als ihr dazu bestimmter Tag gekounneu war. Nimm Du sie, o Vater der Barmherzigkeit, unter Deine Flügel, schließe ihre Seelen ein in den Bund des Lebens und gewähre ihnen die ewige Ruhe, ihnen und allen Verstorbenen ans dem Hause Israel. Amen." Die Kinder stellten sich dann zu beiden Seiten des Grabes auf und sagten hier im Angesichte des großen Todten Kadisch. Hierauf warfen sie sich auf das Grab selbst nieder, bedeckten es mit ihren Küssen und Thräneu und legten darauf einige Stückchen wohlriechendes Gras, das sie zn diesem Zweck in ihren Taschen mitgebracht barten. Nun begann die allgemeine Wallfahrt. Den ganzen Tag über wollte die Thüre zur Grabeskapclle der Menge der ein- und .anstretcnden Pilger halber, nicht stille stehen Und in den letzten sieben Tagen der Wallfahrt, vom 25. Ijar an bis zmn 2. Sivan, war der Andrang so stark, daß die Thüren ansgchobcn werden mußten. Auch brannten an manchem Tage an 600 Seelcnlichrer zu den vier Seiten des Grabes, das nun von einem Lichtmeere umflossen zu sein schien. Leider batten wir auch einige ttnglücksfälle während der Wallfahnszeit zu verzeichnen, die zmueist Frauen und Mädchen betrafen. Zwei derselben stürzten und trugen Armbrüche davon, eine wurde durch eine Stange am rechten Ange schwer beschädigt tu dgl. m. Zu Folge der gronen Hitze, die in der letzten Wallsahnswoche in der Grabeskapelle, die von Menschen mtb^eelcm lichtern überfüllt war, herrschte, brach ein ltochbelagter lKmcham vor dem Grabe zusammen nnd verschied ans der Stelle, bevor ihm noch Hilfe gebracht werden konnte. Ihm lvard so das hohe Glück beschieden, am Grabe jenes Propheten, der das Vorspiel zn crn*:n n”nn (Auferstehung der Todten) mir eigenen Augen geschaut, seilten Geist (Siehe Jechcskel (5.37) seinem Schöpfer zur Aufbewahrung übergeben zn können bis einst die Stunde schlägt, von der es heißt: vrp* i?y ns™ ’jzra 0*211: (Und Viele, die im Staude schlummern, werden dann erwachen). Auch Heuer wurde dre Setdeudecke, ke das Grab des Propheten umhüllte, durch eine neue, gespendet von einer reichen Wittwe zu Mossnl am Tigris, ersetzt, worauf die alte Decke in Hunderte von Stückchen zerschnittet! wurde, welche die anwesenden Frauen und Mädchen als kostbares Andenken an ihre Pilgerfahrt mit sich nahmen. Von den Ehachamut!, die an km Grabe ununterbrochen Wache halten und daselbst auch Mischnajot lernen und Kadisch sagen, sind seit Kurzem zwei in ein besseres Leben' hinüber gegangen und zwar Ehacham Jehuda Halewi: myrat rwrc ]pn (ein hochbetagter Greis, der den ganzen Tag dem Thoraftudium und der Kasteiung weihete) und Ehacham Jossef, b'po: nsi'21 nun 1022 10212 ronrn r\bzbzr ,21'j der iLproß einer Familie, die schon seit Jahr- Inuibcrfcn hier in Babel wohnhaft ist und der schon zahlreiche Rabbiner nnd Ehachamim entsproffeu sind, beit die Krone der Gelehrsamkeit und der Gottesfurcht zierte und der auch eine vortrefftiche Stimme besaß, die er aber itnmer nur zum Lobe Gottes tmb zur (5'rbaunng seiner Glaubeusbrüder, zumal an den hohen Festtagen ertönen ließ. Beide Heimgegangene wurden ihrem- Wunsche gemäß in der Nähe des Grabes des Propheten Jecheskel zur ewigen Ruhe gebettet 77"2"u"i"n. Auflösung des Nätßsels m der „Belletristischen Beklage" zu Nr. 64: r£ Ziege — ry Sieg. Auflösung des Keitenräthfels: ,p ,z' ,"2 .,zy ,zr.