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Der Israelit · 1886-08-19 · Heft 66 (19.8.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 66 (19.8.1886)
Date
1886-08-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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um II ftiicfleviu und wehe dem, der ihr ei« Schaf oder gar ihre Ehre rauben will; sie wird sieh daun wütheud aus den Angreifer stürzen, um Um ,}ii vernichteu oder zu erliegen. Hatte aber eine jüdische Lachter Gar-Dajas einmal den Schleier genommen, d. h. war sie in'den Stand der (ü-ljc nclvcteu- — in der Sahara leflt nämlich die jüdische Braut erst an ihrem Ehrennnd Vermählnngstage den Schleier an — da durfte sie auch nicht mehr in» Feld ziehen nnd mußte es von nun an von ihr heißen: nB\j& ra nrnsD bi : (alle Ehrenbezeugungen der Königstochter dürfen nur im Innern des Hauses dargcbracht werden). Aber so kühn und so kriegerisch die Jüdin Gar- Dojas vor ihrer Vermählung war, ebenso züchtig nnd sittsam war sie nach ihrem Eintritt in den heiligen Ehestand und sehr oft fand man dort ein altes ehrwürdiges Mütterchen, das in seinen! Schlafgemache einen blutigen Speer oder einen verrosteten Karabiner, mit dem sie in ihrer zarten Jugend für ihre und ihres Volkes Freiheit gekämpft hatte und die sie nun als Trophäen einer ruhmreichen Zeit hoch in Ehren hielt. Die Ehachainim oderRabbinen Gar-Dajas, die getvöhnlich aus Marokko stammten oder dort ihre talmudischen Studien gemacht hatten, waren zwar nie so zu sagen^ .-.V127; niNQ (Lichter der Verbannten), da ihr Wißen stets ein sehr bescheidenes war und sie auch nicht die Mittel besaßen, sich eine, wenn auch nur kleine jüdische Bibliothek anznschaffcn, zumal es in der Sahara noch immer keine jüdische Buchhandlung gibt und die Bücher erst aus weiter Ferne herbekgeschafft werden müssen; dagegen aber strengreligiöse fromme Männer nrion D’m* (eifrig in der Erfüllung der religiösen Gebote) und die auch ihre Gemcindemitglieder strenge zu einem religiösen Lebenswandel anhielten. Selbst in den Kricgszeiten, wenn vor den Mauern der Stadt die Schlacht tobte, da durste kein Krieger das Schwert umgnrten, bevor er nicht das j^srnnb die übrigen Hauptgebete recitirt hatte. In Gar-Taja gibt es noch heute vier Synagogen, von denen indeß nur in dreien gebetet wurde, da die vierte bis vor Kurzen: als ein Ters-Hane (Arsenal) diente. Ter Gehalt der Ehachamim bestand in mtturalidus (freien: Quartier, Getreide, Datteln, Fleisch u. s. w.), da das Geld in der Sahara noch heute sehr spärlich vorhanden und daher auch sehr rhener ist. Die einzige gangbare Münze war daselbst bis vor Kurzen: der oesterreichische Maria-Theresienthalcr, den die Araber: Talaris Nimzie (deutschen Thaler).oder auch Abu-Schuwarib .(der beschnurbarrete Vater), die Juden dagegen (die Silbermünzc) nannten. Für zehn solche Thaler. (am: man in der Sahara schon ein kleines Hans mit einem (Karten dazu oder | drei Paar Ochsen oder einundzwanzig Paar Sch.ffe | kaufen. In der Sahara wird daher der Beswcr! von f>ooo blanken (die Araber lieben so wie die! Kinder ungemein das Blanke nnd Glitzernde) Tha- '•[ lern als ein Krösus betrachtet und mit io bw 12000 Maria-Oheresienthalern ließe sich schon in der großen Negerstadt Simbnktn eine Bank erosfneu. Als die englische Regierung vor einigen Jahre» einem Schcikh in Timbuktn, der 1854 dem deutschen j Afrikareisendeu Dr. Barth seine Gastfreuudschasr gemärt harte, einen Sack mit 2000 blanken Thalem f überschickte, da geriet!) der Arme in eine solche;i Freude darüber, das; er bald sein bischen Verstand i verloren hätte nnd der österreichische Asrikareisende j Dr. Lenz, der 1881 diese große Negerstadt besuchte, \ erlebte daselbst das Vergnügen, als er bei f einen: jüdischen .Kaufmanne dorr ein Fünffrancsstück j wechseln ließ, daß dieser ihm 4500 Stück Kaurimuscheln (das Kleingeld Timbnktus, von denen 1<»w ' auf einen Franc gehen) auf die Hand zählte. Eine wahre Geduldprobe! Der jüdische Kaufmann Ham j sich nach Landcsbranch von dieser. Surume öoo Muscheln als seinen Profit abgezogen. j Feuilleton. j Wichaek. Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. ° (Fortsetzung.) j Achtes 5k apitel. Der furchtbare Schlag, der mit ungeahnter | Plötzlichkeit über Aron Brack hcreingebrochen, Ham | ihn tief gebeugt, aber seine Gläubigkeit, sein Gott- Z vertrauen, verlieh seinen: Geiste und Gemüthe einen? hohen Grad von Elasticität. In kurzer Zeit Ham ] er das einen Moment gestörte Gleichgewicht m; seinem Seelenleben wieder hergestellt, so daß die i tiefe Trauer über den stühen Heimgang seiner edlen J Lebensgefährtin ihn nicht verhinderte, alle scwe Pstichten mit peinlichster Pünktlichkeit zu erfüllen. | Der Gemeinde-Rabbiner hatte sich erboten, ton | dies üblich, an dem Grabe der frommen und wobtj thätigcn Frau einen Hespedl) abzuhalten. Aber | Brack bar ihn, cs zu gestatten, daß er selbst seiner Lebensgefährtin den Nachruf halte; und alle An- Z wesenden waren von der Art und Weise, in welcher f er sich dieser Aufgabe entledigte, in hoben: Grade | nberräsckn. Obwohl offenbar von tiefster Rübruns 1 __ ■ l 1) Eine Trauerrede. Leichenrede. f VW?* U' > V'»> ri«; kiy-'-'

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