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Der Israelit · 1886-08-19 · Heft 66 (19.8.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 66 (19.8.1886)
Date
1886-08-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1117; I i'irtiiffni, wußte er doch feine TJiiüncn nmiiiifjafi p, bek.uupsen, seine schönen Gedunsen in so gediege- »er Rede zu ordnen, das; kein Alige thväneuleer blieb und die Versammelten, als er geendet, in ein Minuten währendes Schluchzen ansbrachen. Man wollte mm den einfachen, offenen Brettevsarg j„ die Grube senken, als zur allgemeinen tteberraschuug, der siebenjährige Michael Klein, angeni'Heinlich einer spontanen Eingebung folgend, an das offene Grab trat und hocherregt seinen Pflegevater um die Erlaubnis; bat, ebenfalls einige Worte an der Bahre der edlen Frau zu sprechen. Eine so pietätvolle Bitte konnte nicht verweigert werden, und zu dem namenlosen Erstaunen aller Anwesenden sprach der kleine Knabe, wen:: möglich noch ergreifender als der gelehrte, wortgewandte, redegeübte Brack. — Mit seiner zarten Kinderstimme sprach er es ans, daß er in weniger als zwei Jahren dreimal das härteste, das einem Menschen und besonders einem Kinde widerfahren könne, erlitten, daß er Vater, Mutter und jetzt seine zweite Mutter verloren. Der kleine Knabe, der schon durch seine einfache, schmucklose Ausdrucksweise die Herzen machtvoller als der glänzendste Redner ergrin, schien, während er jetzt sprach, die furchtbarsten Momente seines Kinderlebens nochmals durchzufühlcn. Erschütternd war cs, als der kleine Redner, auch dem Schmerze Ausdruck verlieh, daß er an dem Grabe seines lieben Vaters, seiner lieben Ämter, ihnen nicht für all' die Liebe, die sie ihm erwiesen, danken konnte, weil er damals noch gar so klein und dumm gewesen. Einfach und kunstlos, aber das Herz seiner zumeist auch einfachen, schlichten Zuhörer bis in den Urgrund erschütternd, schilderte cr seine Ankunft in Brack's Hanse, seine Verzweiflung bei dem Tode seiner Mutter, seine entsetzliche Hilflosigkeit, seine Verlassenheit und wie sich Brack und seine Frau seiner erbarmt und ihn gehalten, als wäre cr ihr eigen Kind gewesen, und wie er ihm wieder seine zweite unvergeßliche Mutter verloren. Ter ungewöhnlich kluge, seinen Jahren weit vorangeschrittene Knabe brachte, der Form nach allerdings in Kinderart, dem Wesen nach aber mit scharfem Blicke das Nichtige erkennend, den für 'cut jugendlich Atter merkwürdigen Gedanken zum Umdruck: daß cr seiner zweiten Mutter, die nicht seine mbliche gewesen, um so dankbares fein müsse, als ne nur freiwillig die MutterpfliÄren gegen ihn übernommen und sic in schönster Weise erfüllt habe. Er ichloß unter Schluchzen aller Anwesenden mit E dorren, daß er seine Dankbarkeit und Liebe Legen die Tobte in keiner andern Weise zum Ausdrucke zu bringen wisse, als daß er seinem Pflegt' vater in liebevollem Gehorsam anhangen, ihm, so weit seine schwache Kmdskrast reiche, Freude machen wolle, und hoffe, daß Gott seinen Pflegevater tröffen und die Stärke verleihen werde, auch diese Gottesfngnng mit Ergebung, zu ertragen, mib ihn an seinem Töchtcrchen (Wut und Freude erleben lasse» werde. Es braucht wohl nicht nochmals wiederholend hcrvorgehoben zu werden, daß der kleine, vor Aufregung zitternde Knabe seine Grabrede nicht in Form vollendeter Abrundung zu Gehör brachte, aber die Wirkung blieb trotzdem eine tief erschütternde. Als er geendet, drängten sich trotz der Ehrfurcht, welche die unmittelbare Rühe des Grabes und der allgemein beliebten Verblichenen einflößte, doch Alle an ihn, man hob ihn in die Höhe, küßte ihn, überhäufte ihn mit Liebkosungen. Nachdem die Todte in die Gruft gesenkt worden war, gingen die Anwesenden in das zu diesem Zwecke ans dem Friedhofe erbaute kleine Hänschennm dort das Gebet zu verrichten, und Michael betrachtete es, ohne hierzu von Jemanden aufgcfordert worden zu sein, als etwas Selbstverständliches, daß er, wie nach dem Tode seiner leiblichen Mutter, das Kaddischgebet verrichte. — Brack schritt nun, wie dies üblich ist, durch die Anwesenden, welche zwei Reihen bildeten und ihm die vorgeschriebenen Trostworte in hebräischer Sprache zuriefe», dann setzte er sich ans einen niederen Schemel, streifte die lederne Fußbekleidung ab, nach einer kurzen Weile erhob er sich, zog die Stiesel wieder an, ergriff die Hand seines Pflegesohns und kehrte in die Stadt in sein Haus zurück. Die Vornehmsten der Gemeinde begleiteten ihn in seine Wohnung, aber sie verließen ihn schon nach kurzer Zeit, da sie erkannten, daß er das Bedürfniß habe mit seinem Schmerze allein zu sein. Run trat Brack an die Wiege seines mutterlosen Kindes, welches, das schwere Unglück, das es schon in seiner ersten Jugend getroffen, nicht ahnend, mit einem glücklichen Lächeln in seiner Wiege lag. Der tief erschütterte Mann küßte es heftig, dann legre er segnend seine Hände auf sein Haupt und sprach lautlos ein heißes Gebet. — Dara rf wischte er sich die Thränen aus seinen Augen und sprach zu Michael, als wenn dieser ein erwachsener Mensch gewesen wäre: „Ich muß Dir danken für die schönen Worte, die Du am Grabe meiner edlen Gattin, Deiner würdigen Pflegemutter, gesprochen. Tu Haft eine 1*:

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