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Der Israelit · 1886-08-19 · Heft 66 (19.8.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 66 (19.8.1886)
Date
1886-08-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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litt mit deutschen Zuständen vergleiibt. Dir Schlußfolgerung, die sie daraus für Deutschland zieht, heißt: Beseiriguiig der Gmaiieipatiou. Das ist weniilflciiO offen, und Offenheit verdient immer Auetteuuuug. Unseres Kiffens wird zum ersten Male in einem ernsthasten konservativen Blatt die direkte Forderung einer Giuschtäillnug der staatsbürgerlichen Rechte der Inden erhoben. Die konservative Partei hat auch während der Hochfluth der Indcnheve sich diese Forderung nicht zu eigen gemacht. Selbst Herr Stöcker hat, wenn er im Landtag oder Reichstag darauf provozirt wurde, cs immer vermieden, sich klar für eine gesetzliche Beschränkung der staatsbürgerlichen Rechte der Juden auszuspreche». Der Versuch, seine Unterschrift unter der bekannten antisemitischen Petition abznlengneu, entsprang gerade dem Wunsche, sich zu dieser Forderung nicht offen zu bekennen. Herr v. Böller hat, als er bei den letzten Reichstagswahleu in: hiesigen vierten Wahlkreise kandidiere, sich sogar gegen eine gesetzliche Beschränkung der Staatsbürgerrechte der Juden ausgesprochen. Um so anerkemmrswerthcr ist jetzt die Offenheit der „Krcuz-Ztg.". Sie kommt noch zeitig genug, um gewissen Leuten, die lediglich im Antisemitismus ein Fordernis; erblickten, ihre konservativen Neigungen auch bei den Wahlen zum Ausdruck zu bringen, die Augen zu öffnen. Sie wird^mich auf die mittelpartcilichen Bestrebungen nicht ganz ohne Einfluß bleiben. Genüge, sehr bekandidaren, Hrn. Adolf Wagner, ihre Stimmen gegeben , wenn dieser nicht in der antisemitischen Bewegung eine zu hervorragende Rolle gespielt hätte. In konservativen Kreisen ist das bekannt, und man sprach davon, bei den nächsten Wahlen das Glück mit einem konservativen Eandidatcn zu versuchen, der nicht als antisemitischer Agitator komvromit'tirt ist. Die Offenheit der „Kreuz. - Ztg." wird jenen Leuten nun wohl darüber die Augen öffnen, das; der Antisemitismus der sogenannten anständigen Konservativen sich von dem der Herren Stöcker, Eremer und Wagner höchstens in der Form, in seinen praktischen Forderungen aber gar nicht unterscheidet. Berlin, 12. Aug. Tie „Kreuz - Ztg." sormulirt am Schluffe ihrer Skizze des Drnmmond'schen Antiscmitenwerkcs ihre gestern kurz gestellte Forderung um Aufhebung der Emancipanon der Inden mit folgenden Sätzen: . „Haben wir aber die französischen Zustände so .',u schildern versucht, wie sie sind, mib dürfen wir uns freuen, das; es bei'uns in Deutschland noch nicht ganz so schlimm ist und bas;, von einigen leider vorhandenen Nieserve - Offizieren abgesehen, ('Dl),;, Hirsch und Adler doch bei uns noch nicht Generale werden, so liegt andererseils zum Pharisäismus nicht der geringste Grund vor. Die Alleinherrschaft des Judenthums ans wirtschaftlichem Gebiet ist in Deutschland fast ebenso unbestritten, und Justiz wie Schule, Richtelsland und Lchrerstand sind auch bei uns schon stark insizirt, obschon es dem Inden nach Rcligkoussatznug und Eharakrer in vielen Füllen schwer möglich ist, unparteiisch Recht zu sprechen, und noch weniger möglich, Ehristenlinder zu erziehen. Darum gibt cs aber auch kein treffenderes Wort, als das bekannte des Herrn v. Bismarck-Schönhausen, daß dies ein demnthigender Zustand und daß die wahren „Grundrechte" des deutschen Volkes christliche Schule und christliche Rechtspflege sind. In der That liegt hier das große Entweder — Oder, das über die Zukunft des deutsche» Volkes entscheiden wird. Entweder, wir finden endlich die sittliche Kraft wieder, um auch gesetzlich die Grenzen zu ziehen, welche eine übereilte und thörichrc Form der Emancipation gefahrdrohend verwischt hat, die Kraft, aus Verwaltung und Heer, ans Rechtspflege und schule thatsächlich und grundsätzlich das Judentum ausznschließen, — dann wird auch auf wirtschaftlichem und socialpolitischem Gebiete die jüdische Zwingherrschast leichter gebrochen werden —; oder aber wir mögen uns gefaßt machen, an uns und unseren Nachkomme» sich vollziehen zu sehen, was schon vor Jahren Franz Dingelstedt am Schluffe seiner bekannten Warnung in Aussicht gestellt hat." Da der Franzose Drummond auch die getauften Inden für eine nationale Gefahr erklärt, so darf man von dem Organ der Fraktion des getauften Inden Stahl wohl auch ein Wörtchen darüber erwarten, wie es die Getauften behandelt wissen will. Tie Frage ist um so aktueller, als sie der „Krcnz-Ztg." Gelegenheit zu Studien geben wird, die bis in die höchsten Beamtenkreise reichen, Studien, welche die Verleugnung aller Menschenfurcht verlangen. (Fr. Ztg.> W. Die in (slzarlvtteirbnrg bei Berlin wohnenden Juden befinden sich, so weit ihre eigene Religionsgenoffenschüfr in Frage kömmt, in einer höchst cigeuthümlichen Lage und sind augenblicklich ernstlich bemüht, derselben energisch ein Ende zu bereiten. Alle Juden in zweimeiligem Umkreis einer jüdischen Hauptgemeinde eines Kreises, oder grfe ,M! 'L'ijjgufei

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