Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 66 (19.8.1886)
- Date
- 1886-08-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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u 12 DcvlorcH, Wemi tu auch ein flvofjcv Sünder bist, )'ü bcbciifc, bau der Alkbarulherzige auch die flvölV ten Sünden Demjenigen verzeiht, der aiisrichligen Herzens zn Ihm zurücklehrt. So lehren auch unsere Weisen. Cnm n dt N*:n ls. 22); Auch wenn Jemand hundert Sünden begangen, non denen die eine stets größer als die andere, und er thnt Büste, so werde Ich mich sein erbarmen; ja, sollte Jemand sonor den Namen Gottes im frechen Uebcrmuth gelästert haben, und er bereut und thnt Lüste, so nimmt ihn Gott gnädig auf und verzeiht ihm alle seine Missethatcu. Daher soll der Mensch niemals an sich verzweifeln und an der Gnade des allbarmherzigen (Lottes; er soll sich nie für einen vollendeten Bösewicht halten, für den cs unmöglich wäre, zu Gott znrnckznkcyrcn. Diese Erklärung hat den Borzug, das; sie mit dem Vorhergehenden leicht in Zusammenhang zu bringen ist. „Las; dein Gebet sein ein Flehen um Erbarmen und Gnade vor dem Allgegenwärtigen, wie es heißt; Denn gnädig und barmherzig ist Er, langmüthig und groß au Liebe, der auch das schon beschlossene Schlimme zurücknimmt." Ate ine daher nicht, dast du, wenn auch ein großer Sünder, unwürdig seiest, erhört zu werden; ysa ytn v.n -jcsy, halte dich dcßhalb nicht für einen solchen Sünder, welcher von Gott keine Gnade erlangen könnte. Auch diese Erklärung läßt zu wünschen übrig. Schon Rabbi Schlineon bcu Zemach Dnran macht daraus aufmerksam, daß es nach dieser Deutung beißen sollte: t:\p yn %rn tx. „Sei nicht ein Bösewicht in betneu eigenen Angert." Er gibt daher der Deutung Raschi's den Vorzug. Er selbst gibt uns eine andere Erklärung: Sei nicht dadurch ein Bösewicht, daß du dich ungesellig und menschenfeindlich benimmst. Wir hätten demnach zu übersetzen: Sei nicht ein Bösewicht, indenr du. für dich allein bleibst. Der Mensch ist zur Geselligkeit erschaffen; Gott hat die Mcnschennatnr w eingerichtet, daß wir uns aneinander anschlicstett sollen, daß wir Einer für den Andern leben, Einer für den Andern arbeiten. Wer sich von seinen Mitmenschen absckflicßt, vetfehlt den Zweck der Schöpfung und ist in dieser Beziehung ein Bösewichr. Auch unsre Gebclordnnng tritt der Sichabschließung des Einzelnen entgegen; die heiligsten Gebete können nur innerhalb der Gemeinde verrichtet werden; die Gebete selbst lauten stets in der Mehrzahl, so daß der Einzelne nicht nur für sich, sondern auch für die Gesammiheit betet. Rabbi Sbadiahn de Bartinorä, der die Erklärungen von Rasch! und Maimonides ansützrt. fügt noch eine dritte herzu: Sei nicht dadurch ein Böselvicht, daß du dich von der Gemeinde absonderst. Wenn deine Genossen beschließen, etwas Gutes zu thmt, heilsame Institute in's Leben zu rufen. Werke der Wohlthätigkeit, der Krankenpflege, der Waiscucrziehnng >c. zu üben, so stehe nicht abseits, sondern schließe dich ihnen an und sei nicht dadurch ein Lösewicht, daß dn für dich allein bleibst. In ähnlicher, aber doch anderer Weise erklärt Rabbi Samuel de Dseda den in Rede stehenden Ausspruch: Glaube nicht, das; du für dich allein ein Bösewicht sein kannst. Selbst, wenn dn durch deine böse Thaten Niemandem Schaden zusngst, so darfst du doch nicht sprechen: WaS geht es Andere an, was ich thne? . .w m bo. Der engste Zusammenhang besteht zwischen dir und deinen Mitmenschen. So lehren auch unsre Weisen (Mdduschin 10): Immerhin soll der Mensch sich selbst betrachten, lvie wenn feine gute Thaten seinen bösen Thaten die Waage halten. Vollzieht er eine Mizwah, so entscheidet er dadurch sein Loos zunt Guten, und das Gegentheil geschieht, wenn eine Sünde er begeht. Auch die ganze Welt soll er von diesem Gesichtspunkte aus betrachten, so daß eine von ihm begangene Sünde für die ganze Welt den Ausschlag gibt, während eine von ihm vollbrachte Mizwah die ganze Welt vom drohenden Verderben zu erretten im Stande ist. Derselbe Erklärer gibt eine andere Deutung, nach welcher die Schlußworte sich unmittelbar auf das Vorhcrgegaugene beziehen. In den ersten beiden Sätzen' unsrer Mischnah wird uns die Sorgsamkeit in Bezug auf das Gebet und die innige, heiße Andacht bei demselben empfohlen. Da steht Jemand und betet. Wer ihn sieht, meint, er sei von der tiefsten Andacht durchdrungen; steht er doch da in demülhigcr Haltung, neigt er doch bei den entsprechenden Stellen sein Haupt fast bis zur Erde. In der Thar aber schweifen seine Gedanken umher; mechanisch entfließen die Worte seinem Munde, gcwohnhcitsgemäß ist die demnthsvoüe Haltung, selbst das Haupt beugt sich bei den entsprechenden Stellen, weil es so daran gewöhnt ist. Der Geist des Betenden aber ersaßt nicht den Sinn der Worte: er weilt ganz wo anders bei seinen Geschäften, btt seinen Vergnügungen, Unterhaltungen oder bei wipen schädlichen Forschungen, die ihm durch den Sinn fahren. Andere meinen, dn betest andächtig: dn selbst aber mußt teufen, daß dein Gebet ein todres und kein lebendiges ist! So wolle denn nicht ein Bösewicht vor dir selber sein: Andere kannst dn rauschen; aber dn selbst mußt dich ui/.-uuim