Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1886)
- Date
- 1886-08-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449662--24835-2514240- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
n:m v2cil)‘>l)iuibcrt Miluiudci* von ijicv licjit'hiio (Mcbiet dev MtiDijlcuflmmuccv V(ulcö Mozab, nuf dein sich im (Muh;jeit mir sieben Städte, ober eigentlich iirofk Dörfer befinden. Diese Dusel,asten heißen: Gar-Daja, Melika, Veni-Jsgnn, Bnrrinn, Vim- Ura, El-Alif und Dscherrcra. Von diesen sieben Ortschaften liegen die fünf erstgenannten in einer Gruppe beisammen und beträgt die Entfernung von einer dieser Städte zur andern kaum einen Kitoniefer. Da min zwischen einer jeden dieser fnns.Städte einzelne Weiler und Meierliöfe liegen, so kann man dieselben immerhin als eine einzige große Stadt,, die unr aus fünf Theileu besteht, betrachten. Sieben oder acht deutsche Meilen von dieser inuerafrikanischen Pentapolis (Fünferstadt) liegt die Stadt El- Atif und drei Meilen von letzterer Stadt entfernt wieder die Stadt Dscharrera. Diese sieben Ortschaften bildeten seit undenklichen Zeiten einen Föderativfreistaat nach dem Muster der Schweiz und mußten sie sich gegenseitig, falls eine derselben vom Feinde angegriffen wurde, Hilfe leisten. Solange nun diese sieben Städte einig waren und fest zusammenhielten, konnten weder die Türken, noch später die Franzosen etwas gegen sie unternehmen, und wußten sie sogar einige Male die Angriffe der Letzteren auf eine ihrer Städte siegreich zurückzuschlagcn. In der neuesten Zeit bildeten sich jedoch in dieser Sahara-Republik zwei Parteien, eine sogenannLe konservative, welche die alter; Einrichtungen um jeden Preis beibehalteu und daher keinem Ehristen gestatten wollte, sich in ihrer Mitte anzusiedeln, und eine sogenannte junge, welche zwar gleichfalls die alte Negicrungssorm beibehalteu, aber schließlich auch den Ehristen den Eintritt in ihr Gebiet erlauben wollte. Diese zwei Parteien bekämpften sich Monate hindurch aufs blutigste und an manchem Tage zählte man zehn bis zwanzig Todte auf beiden weiten. Schließlich siegte die konservative Partei, worauf die unterlegene Gegenpartei, die nach Rache dürstete, die Hilfe der Franzosen anrkef, die nun in das Land einrückten, und deren ganzes Gebiet mit Algerien vereinigt erklärten. Tie bisherige Regiernngsform wurde selbstverständlich sogleich abgeschafft. Dieselbe bestand nämlich darin, daß eine jede dieser sieben Städte sich allein regierte und zwar durch den ältesten des Stammes oder der Stadt, dem dann vier, sechs oder zehn Räthe beigegeben waren. Das Regiernngs- Eollegium bestimmte dann,, wie viel Steuern ein Jeder zu zahlen und wie viele Krieger eine jede Stadt in Feld zu stellen habe. Dieses Eolleginm bildete zugleich das oberste Gcrichtstribunal. Viermal im Jahre traten die Oberhäupter der sieben Städte zusammen, um so gemeinsam über das Wohl und Weh ihrer Mitbürger zu berathen und zu beschließen, Die jüdische Gemeinde tu (Mar Daria, die einzige im Laude, bildete gleichfalls eine Stadl für sich, mußte aber an die Stadt Gar-Darja selbst einen Tribut entrichten, dessen Höhe alle sechs Jahre neu festgesetzt wurde. Sonst aber waren die Inden Gar-Dajas gänzlich frei und unabhängig, und da sie auch keinen Heeresdienst zu leisten brauchten, so konnten sie ihre ganze Zeit zwischen ihrer weltlichen Beschäftigung und dem Dienste Gottes rheilen. An der Spitze der Gemeinde, die zwischen sechs-und achthundert Mitgliedern zählt, stand gleichfalls ein Aeltester, Schcikh oder Scheich, auch Scheck) (von 7*r gebückt, hinfällig) genannt — fein jüdischer Titel lautete abwechselnd Ehacham, 77x7, (der Fürst) T-:n (der Vorsteher), dem sechs Beiräthe und zwar je zwei Rabbiner, Kausieute und Krieger (errsn)*) beigegeben waren. Dieses Borstandseolleginm bildete zugleich das jüdische Gerichtstribunal, von dem man indes;, aber nur bei Todcsurtheilcn, an das NcgierungScollegk'nm der ^tadt appelliren konnte. Kleinere L-treilsälle entschied gewöhnlich der Schcikh allein oder im Beisein der beiden Ehachamim und wurde das Urthcil p '22 bnarv nro rrn (nach dem Rechte und Gesetze Mosis und Israels) gefüllt. (Schluß folgt.) Feuilleton. f Michael. j Erzählung von S. Kahn, Verfasser von Gabriel. - (Fortsetzung.) l Siebentes Kapitel. t Das von Brack erwartete frohe Fanriliener-! eigniß war eingctreten, und die scherzhaft ausgc-; sprochene Vorairssetzung des würdigen Pfarrers war zur Wahrheit geworden; seine Gattin beschenkte; ihn mit einem Mädchen, das nicht nur nach der i Ansicht ihrer Mutter und ihres Pflegebrnders, soni dern auch nach dem autorativen Verdikte der Heb-? amme (die wohl ein Kind ans feine äußere Erj scheinung zu benrtheklen im Stande war, aber, wie s der gestützte Leser sofort erkennen wird, in ihren I _ % r *) Unter.bimn Kriegern (rrr) wurden feineäfaSä «o!- £ betten, sondern fclos die Stübusc-ileiue, weuetroädjter, 'Polinnen. | E'erich:2dca:n:en und die Thorbürer versanden. Auch gab es [ in Gar-7arfa eine grofte Änzahl von >uden. welche die von z Algerien nach den .'ligarläuber ziehenden Karawanen gegen > eine entsprechende Belohnung begleiteten und rrngerr auch sie | Mafien. tfltle diese Lpanenträger znsantnren. deren Änzahl eine h beträchtliche war. bildere die Kaue der Krieger.? t i I * '