Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-08-16 · Heft 65 (16.8.1886) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 65 (16.8.1886)
Date
1886-08-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449662--24836-2514241
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

; flföflrnliOifdjcii Mcimliiiffcii höchst fühlbare taufe» : . answies) das schönste M iub, das je, nicht nur irr ' Europa, sondern sogar in Paris, Holland und Portugal geboren worden sei. Als inan Michael sein „Schwcstercheu" einige > Ltttttdcn, nachdem cs geboren, zeigte, war der uev*; ständige, gemüthsreiche Ainabc so entwert von bem i .'.arten, lieblichen Wesen, dost er seine Hände ans deren Haupt legte und die Formel sprach, mit der ihn sein Pflegevater, jeden Freitag Abend, wenn! er ans der Synagoge heimkam, segnete. Als er j sah, daß Jedermann, Brack, und die neugierigen i Nachbarssraueu, welche schon am zweiten Tage die j Wöchnerin besuchten, auch diese beglückwünschten, folgte er ihrem Beispiele und wünschte seinen Zieh- •: eltern mit vor Rührung zitternder Stimme, sie j mögen noch lange glücklich leben und an dem neuen * Ankömmling viel Glück und Freude erfahren, i Allein leider gehen auch die bestgemeinten l Wünsche nicht immer in Erfüllung, und Leid und } Freude wechseln rasch im Menschenleben, und zumeist wird diese von jenem verdrängt; — und so i war cs auch in dem unersorschlichen Rathschlnsle! Gottes bestimmt, das; Aron Brack von Neuem von ) einem harten, niederschmetternden Schlage betroffen f werden sollte. Nachdem sich Sara Brack zehn Tage \ lang nach der Geburt ihres Töchterchens ganz wohl j gefühlt hatte und nicht der geringste Anlaß zu einer j Besorguiß vorlag, ward sie plötzlich, ohne daß ein j äußerer Grnnd hierfür, erkennbar war, von einer \ heftigen Krankheit befallen. Ter rasch herbcigeholre! Arzt des Städtchens machte ein höchst bedenkliches s Gesicht und hatte leider recht. Sara's Zustand I verschlimmerte sich rapid. Ter behandelnde sowohl? als der am zweiten Tage ans Brünn zur Eonsultation berufene Arzt erklärten in voller Uebcrcinstimmung: die Kranke sei unrettbar, die Wiffenschast stehe hier an ihrer äußersten Grenze, sie besitze kein Mittel, das Leben der Kranken zu erhalten, nicht einmal es zu verlängern. Sara war eine ihres Gatten würdige Frau. Sie hatte in dem Momente, als Lebensgefahr bei ihr cingetreten, ihren Zustand erkannt und richtig bcurtheilt. - , Sie war bis zu dem letzten Momente ihres Tasems bei voller Besinnung, klaren Geistes und ' der Sprache vollkommen mächtig, und jener geftaltete sich zu einem rief erschütternden. für jeden der Anwesenden zu einem ewig unvergeßlichen. Es war ein Freitag Nachmittag als die Umstehenden erkannten und die Kranke fühlte, daß es Nun mit ihr zu Ende gehe. Sie winkte ihrem Gatten, sich ans den Stuhl uiederzulosseu, ihre Stimme war schon schwach geworden, sie wollte mit ihm sprechen, von ihm verstanden werden, lum ihm Abschied nehmen. „Mein lieber, lieber Aron ..... ich muß von Dir gehen ich dank' Dir uic(taufcubmat für all' die Lieb' und Treue, die Tu mir bewiesen . . . . ich Hab Dich lieb gehabt von beut Augenblicke an, wo Du als armer Knabe die Schwelle meines Vaterhauses betratest bis jetzt, bis zu meinen! letzten Athemzuge. Ich wäre herzlich gerne bei Dir geblieben, aber cs soll nicht sein .... so muß ich mich denn mit dem Glücke bescheiden, das Gottes Huld mir so lange gewährt hat, und danke ihm jetzt in meiner letzten Stunde ans voller Seele dafür, daß er mir die unaussprechliche große Huld erwiesen, Dich mir zu geben .... Ich weiß' es, mein Scheiden wird Dir wehe thnn, aber geliebter Mann, wir scheiden ja nicht für ewig ..... Wir sehen uns wieder, noch edler, noch reiner „ . und Tu selbst hast mir» am Todtenbette meines Vaters gesagt: Meß bcerew schabbos, simon tow Io1) . . . . ich irre mich doch nicht, es ist ja Erew schabbos Heuted .... und so können wir ja ruhig, ergeben in den Willen Gottes von einander scheiden! — Nur etwas habe ich noch aus dem Herzen, darf ich's anssprechen?" und als Brack vor Rührung sprachlos nur mit dem Kopfe nickte, fuhr sie mit immer mehr verklingender Stimme fort: „Zwei Bitten sind's an Dich, die ich Dich, wenn», in Deiner Macht steht, mir zu erfüllen bitte .... Wenn Du unserem kleinen Mädchen eine zweite Mutter gibst, prüf' sie genau .... ich ... . will nicht, daß mein armes, mutterloses Kind eine böse - Stiefmutter bekommt . . . „Sara," unterbrach sie Brack, die Thränen hinnnterschluckend in geflügelter Eile, „auch ich Hab' Dich geliebt von dem Momente an, wo ich in Deines Vaters Haus getreten, und werd' Dich ewig lieben! Ich lieb' kein zweites Weib, — ich werde Dir die Treue über's Grab bewahren .... So wahr ich hoffe, Dich einst wicderzusehcn, so wahr ich vor Gottes Thron gerecht bestehen will, so wahr ich wlll, daß Tn der höchsten Seligkeit theilhastig werden sollst — ich bleib Dir treu, ewig treu! .... Kein zweiter Mensch soll sich zwischen Dich und mich stellen . ... Mein thcnres, edles Weib, Tn kannst ruhig eingehen in die Pforten der Ewigkeit .... aber Tu hast noch einen zweiten Wunsch, sprich auch diesen aus!" 1) liier cm Rüinage des 3acbats stirbt, für den ist cs ein gurcs Leichen. (Kfuborh 103d.) °-U»!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.