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Der Israelit · 1886-08-16 · Heft 65 (16.8.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 65 (16.8.1886)
Date
1886-08-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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bcm firdleit sicheren ätfefle gehen wollten, auf dem die jüdische &1)ic die Meusihheit snhrcu möchle, sie auf ihm an's Ziel zu Iniiifli'ii. Durch gemeinsames Streben, vermeinten jene Lciile, sie dürsten mit Stolz uüd ÖU‘in?nffi)rtLuuiji auf iDre l^eburtsflätte, auf ihr Vaterland uud auf ihr Volk und dessen Lehre herabblickeu; glaubten auf Bergcshvhe zu stehe», wenn sic das Judenthnm als ein ödes Thal erklärten; glaubten höheren, crleuchtetereu Geistes zu fein, wen» sic jüdischen Geist verkleinerten und hcrabdrücktcn. „Jedes Thal erhebe sich, jeder Berg und Hügel senke sich." Uud zwar, wie das Thal 'herauf sich hebt zur Ebene, so wird auch die Bcrgcshöhc sich hcrabsenkcu zu ihr, und cs wird der Welt offenbar, daß das vermeintliche tiefe Thal, daß der vermeintliche hohe Berg auf gleicher Stufe stehen, daß sie sich in der Ebene ansglcichen. Wenn man gerade und unparteiisch urtheilt, nicht sich erhebt, indem mau den Andern erniedrigt, dann wird sich klar zeigen, daß, wenn auch Thäler und Berge nicht Zusammenkommen, doch die Menschcn, und mögen sic noch so verschiedenartig sein, sich begegnen. Und das ist möglich in der Ebene, dort, wo gemeinsames Jntcregc sie zusammenführt, wo sie gemeinschaftlich Zusammengehen. Hat ja auch unser Jahrhundert schon manches Thal, welches das Vorurtheil geschaffen, ausgcsnllt und geebnet, manchen Berg abgetragen, so daß er mit der Ebene aus gleicher Stufe steht. Die Gleichheltsbestrebmigen unserer Zeit, wenn auch nur langsam Anerkennung findend, wenn auch Schritt um Schritt den Boden sich erkämpfen müssend, werden schließlich, als ein allgemein anznstrebendes Gut der Menschheit erkannt werden; immer mehr werden Bormthcile schwinden und die Menschen, die sich heute trotz der hohen Bildungsstufe und trotz der großen Erfahrungen von der Nothwcndigkeir des gemeinsamen Schaffens, des Zusammenwirkens aller Kräfte immer noch in Klassen und Rangstufen der verschiedensten Grade einreihen, endlich doch zur Einsicht kommen, daß der Friede, nach dem die Welt vou Tag zu Tag mehr sich sehnt, nicht erlangt wird, wenn nian die allgemeinen Menschenrechte nicht allen Menschen ohne Unterschied gewahrt. Ter Tag wird kommen, da auch Jerusalem, das so arg mitgenommene, so sehr vcrj achtete wieder zur Geltung gelangt, wo die Trauer : weichen wird von ihm und das alte Ansehen ihm , wieder ersieht und mit ihm auch unserer heiligen Religion, der so lange verkannten und geächteten, i rhr. die man so sehr in den Schatten zu stellen suchte,! während sie doch nur die reinste Gotteserkennlniß,! erhabene Wahrheiten gelehrt mib verbreitet wissen will. In unseren Tagen der Berlänindnng nnsrer Lehre wird dieselbe mit Aufmerksamkeit durchforscht, und erstaunt fragt sich der Forscher, wie cs möglich loar, diese Lehre so zu verkennen und zu verketzern. An uns, den Berbannleu Jerusalems, den Betennern dieser Lehre liegt es, durch unser Verhalten, durch das Beispiel unseres Lebens dazu mitznwirken, daß diese Bormtheile schwinden, daß Lüge uud Verleumdung verstummen. „Und cs wird offenbar werden die Herrlichkeit Gottes und alle Menschen werden sich gemeinsam überzeugen, daß der Gottesmund geredet." Wenn im gemeinsamen Streben nach dem Hohen und Guten, dem Wahren mid Ewigdauernden die Menschen einander näher kommen, sich selbst gegenseitig achten und lieben lernen, dann wird es ihnen klar werden, daß nur solche Ziele die Menschheit erstreben sollte-; daß die Wahrheiten und hohen Lehren, die uns die Gotteslehre zeigt und gibt, daß die Wege, die sie nns führen will, wirklich dem Gottcsmnnde entstammen. Tie Gotteserkennlniß und Gottcsverehrnng wird dann allgemeiner werden. Das war auch von jeher das Streben des Jndenthums, ist cs heute noch. Und der Tag, an welchem die Menschheit zu dieser Erkenntnis; kommt, der wird uns und dem trauernden Jerusalem der Tag des Trostes und der Erhebung sein. Literarischer Bericht. Tie jüdischen Kolonien in Rußland. Kultnrhistor. Studie und Beitrag zur Geschichte der Inden in Rußland. Bon Jul. Elk. Frankfurt a.M. 1886. Kauffmann. 8. Im Jahre 1582 veröffentlichte das in Petersburg erscheinende Journal „Woschod" eine Reihe.'von Aktenstücken und solchen entnommenen Berichten über die Entstehung und Entwickelung des russisch-jüdischen Koloniatprojekts. Herr Elk hat sich der dankcr^wcnhcn Aufgabe unterzogen, diese Berichte des russischen Blattes dem deutschen Publikum zu vermitteln und dieselben durch aus eigener Anschauung gewonnene Wahrnehmungen zu erweitern, resp. zu ergänzen. Die Geschichte dieses Kolonialprojekts bildet einen hoch imereffanten Thcil der Kulturgeschichte des russischen Staates. Wir sehen auch hier dieselbe Erscheinung, die uns so Vieles von den traurigen Zuständen Rußlands erklärt : gute und heilvolle Entwürfe des Ezar werden durch die GewirierilosigkeiL und Trägheit der

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