Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1886)
- Date
- 1886-08-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449662--24831-2514236- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
!1M' sind dem nlenschUchen Jsücaviffouevntö^cn anqepflfü. Cvtiicö der größten MntlM'el ist bao Wesen des (Debets. Wohl köimen wir uns vorstellcn, daß wir durch Bitten und Flehen einen Menschen von seinen Beschlüssen zurück!) ringen und zu unseren (fünften zu stimmen vermögen; wie aber ist es denkbar, das; der ailweise Gott sich durch unsere Bitte bestimmen lassen foll-V Cr ist der allgerechte Richter, der Inbegriff aller Weisheit; was Er thnt, ist gut und recht und wahr. Wie können wir so vermessen sein, durch unsere Bitten auf Seine Entschlüsse cimvirken oder gar Ihn von dem schon Beschlossenen abbringen zu'wollend Und dennoch hat der allgütige Gott in Seiner Gnade uns gestattet in dieser Weise zu verfahren; und nicht allein das, Er Hai uns verheißen, daß unsere Gebete bei Ihm Erhörung finden und daß unserFlehcn die gewünschte Wirkung haben werde. In der heiligen Schrift wird uns vielfach erzählt, daß Gott auf das Gebet der Frommen hin den natürlichen Verlauf der Dinge gehemmt und die Gesetze der Natur verändert hat. Alle Gebote, die Gott uns gegeben, sind eine Wohlthat für uns; durch ihre Beobachtung werden wir stets vollkommener, besser und weiser werden. Diese Wirkung ist am Meisten erkennbar durch das Gebet. Wenn wir im Gebete den Namen Gottes preisen, so gewinnen wir dadurch für unsere Anschauungen einen erhabenen Standpunkt, einen weiten Ausblick. Wir erheben uns über unsere gewöhnlichen, engen Gesichtskreise zu Ihm, dem Allmnfasser, dem Schöpfer des Weltalls, dem Vater aller Geschöpfe. Wir lernen dadurch alle Menschen als Brüder betrachten, alle Geschöpfe als Werke des Allmächtigen erkennen. Wenn wir zu Ihm flehen. Ihm unsere Wünsche vortragen, so werden wir dadurch auf unser geringes Können und Vermögen hingcwiescu. Wir vermögen nicht zu erkennen, wenn nicht Er Erkenntniß uns lehrt, wir verkommen in Sünde, wenn Er uns nicht verzeiht, wir unterliegen im Kampfe, wenn Er unseren Streit nicht führt, wir erliegen der Krankheit, wenn Er uns nicht Heilung sendet. So gibt uns jeder einzelne Geberformcl gleichsam eine Richtschnur für unser Sein und Denken. Daher hat auch die hebräische Sprache für das Beten das Wort hbzm, was wörtlich genommen bedeutet: sich ein Urtheil geben.*) Wiewohl es nun Pflicht ist zu beten, so sollen wir doch das Geber als eine besondere Gnade Gottes betrachten, durch die es uns gestattet ist, auf die Entschlüffe unseres Paters im Himmel Ein¬ •) Zusammenhängend mir S'Hc, Schiedsrichter. stuf; zn gctviuiken mib sogar das beschlossene Schlimme wieder rückgängig z» machen: „denn gnädig und barmherzig iß Er, laugnrüthig und groß an Vieth.*, der das schon beschlossene Schlimme znrückuimmt." Wie Gott uns die Freiheit des Willens gegeben, obgleich diese mit der Allwissenheit Gottes zu collidi reu scheint, so hat auch Gott unsren Gebeten Erhörnng verheißen, obgleich das mit Seiner Allweisheit in Widerspruch zu stehen scheint. Indent uns der Weise diese Lehre gibt, warnt er zugleich vor einem verhängnißvollen Irrthnme jnp -,r£sn tryn drr „mache Tein Gebet nicht zu etwas Bestimmtem." Wenn"Dir Gott auch gestattet hat zu beten, wenn er auch deinem Gebete Erhörung in Aussicht gestellt hat, so darfst du doch nicht erwarten, daß deine Wünsche stets erfüllt werden. Es gibt Leute, die sich ans ihre Tugenden und ihren frommen Lebenswandel viel zu Gute ihun, die meinen, daß, wenn sie etwas von Gott mit heißer Andacht erbitten, die Gewährung erfolgen muß. Siehe, wer war wohl größer als Moscheh? Er, der treue Hirte, der sein Volk getragen, wie der Wärter den Säugling trägt, der sich bereit erklärte, . für sein Volk sein.Leben hinzugeben, der edelste, tugendhafteste, vollkommenste aller Menschen — als er um Befriedigung seines heißen Herzenswunsches bat, da heißt eS von ihm pnnxi (ern psfc) „Ich erbitte es als ein unverdientes Gnadengeschenk." Nicht bezog er sich ans seine hohen Verdienste, auf seine großen Tugenden, und als Gott ihm die Bitte nicht gewährte, da blieb er dennoch der treue Knecht seines Herrn, in dem kein Schatten des Umuuths aufstieg. Tcßhalb ruft Rabbi Schimeon uns mahnend zu: „Und wenn du betest, so bettachte dein Gebet nicht als etwas Lestimuttes, sondern als ein Flehen und Erbarmen um Gnade vor Gott!" (Fortsetzung folgt.) Zn Schaööoli; Machamu. Bon Tr. H. Sänger. (Schluß.) Das Iudenthum ist ein solches Thal in den Angcn der Welt und in den Augen eines großen Theils seiner eigenen Bekenner, das öde mw einsam liegt, eng begrenzt, die freie Aussicht versperrend. Tie Welt har von jeher ans die jüdische Religion von Berges höbe, wie ne glaubte, herabgeblickt, sie kaum der Beachmng gewürdigt. Und da vermeinten die thörichren Binder der Neuzeit, die auch gerne auf jenen vermeintlichen stolzcu Höhen stehen und nicht in der großen Ebene, auf