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Der Israelit · 1886-06-17 · Heft 47-48 (17.6.1886) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 47-48 (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
– (sequence 19)
Language
German
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i 827 1658 doch, daß fein Jude zur Advokatur zngelaffen werden sollte. In cinnn Briefe Zeines jüdisLen Bürgers in Amsterdam an einen jüdischen Bürger in Rotterdam über Die g^enwärtigc SraarsumwÄznng in Mederland" (1795) heißt es deßhalb mit! Recht: „Tie in Spanien, Porwgal und Denlsch- \ land um ihrer Religion willen verfolgten Juden \ staben sich vor 150 Jahren hierher geflüchtet und | sie haben nicht allein ihre Schäyc, sondern auch j ihren Handel mit Spanien, Portugal und den Barj dareskcnstaatcn ins Land gebracht und den Bcwoh-! ucrn der baravischcn Provinzen Äntheil an diesem j Handel gegeben. Man hat sic, ich bekenne es, j mit offenen Armen empfangen, man hat ihnen die freie Ausübung ihrer Religion erlaubt, man hat ihnen zugcstanden, öffentlich Psalmen zu singen und .... Hunger zu sterben! Dian hat ihnen das Bürgerrecht gegeben, aber unter der Bedingung, daß >sic keine Bürgerhantirung trieben; man hat ihnen die Gnade erwiesen, die gemeinschaftlichen Lasten mit ttageu zu helfen, ohne aber die Vorrechte zu genießen. Rur ein Beispiel aus vielen will ich nennen, und zwar die bei Heirathen in Schwang gekommene Gewohnheit in Amsterdam. Hier besteht der Brauch, daß die Heirathscaudidaten am Sonntag nach dem dritten Aufgebot auf das Gcmcindesecretariat kommen müssen, wo eine Liste derselben gemacht und ihre Namen abgelescn wurden. Nach der in der Liste angegebenen Neihenfolge werden sic von den Schöffen getraut. Die Christen werden nach der Reihenfolge abgelesen, aber die Namen der Juden werden heransgeschnitten und dann durcheinander aufgerufen, ohne daß gefragt wird, wer sich zuerst angcmeldet hat. Tie städtischen Beantten würden es für einen förmlichen Frevel angesehen haben, wenn sic einen Juden vor einem Christen anfgcrufen hätten, und um dies zu verhüten, wurde in Gegenwart aller Anwesenden laut gefragt: „Sind vielleicht noch Christen da, die noch nicht abgelesen sind?" Für diese ehrenvolle Behandlung Knüffen die Juden 52 Stüber bezahlen, während der Christ mit 28 wegkommt!" Und was sich die Obrigkeit erlaubte, das schien dem Volke förmlich eine Pflicht zu sein. „Wie oft", sagte Justus van Essen, „habe ich gesehen, daß Leute von gutem Hause aus reinem Muthwillen einen Juden ins Haus riefen, als ob sie etwas zu verkaufen hätten, nur uni ihn auf allerlei Weise zu bespotten und dies mit einer leichtsinnigen Ungenirtheit, als ob die Mißhandlung eines Inden gar kein Verstoß gegen die Gesetze der Menschlichkeit wäre. Manchmal geht man so weit, daß man einen solchen Mann am Barte zupft und ihm unversehens cm Stück Speck unter die Nase Ijalt.* Wenn „Gebildete" sich derartiges erlaubten, kamt man sich einen ungefähren Begriff davon machen, wie das uiedere Volk gegen sie au stritt." . Jndenen waren die Ereignisse im Auslände sowohl auf politischem wie auf literarischem Gebiete auch nicht spurlos an den Niederlanden vorbeigegangen. In der amerikanischen Republik, wo etwa 800 Juden wohnten, galt gleiches Recht für alle; nicht nur durften sie dort nach Belieben jeden Beruf ansübcn, sondern in New-Dork war ein Jude zum Alderuran gewählt worden, hatte aber das Amt nicht angenomnien; in Pennsylvanicn bekleideten verschiedene Juden das Amt von Friedensrichtern, anderweitig waren sie Mitglieder der Volksvcrttetung und Mischehen waren nichts. seltenes. Ucbcrall, wo die Gesetze gut sind, sind auch die Menschen gut, und deshalb hörte nmn hier auch nicht die gewöhnlichen gegen die Juden in der alten Welt gerichteten Beschuldigungen. Mau sorgte dafür, daß diese Zustände auch in der niederländischen Republik bekannt wurden, und cs läßt sich begreifen, daß das Wirken Moses Mendelssohns auch hier seinen Einfluß äußerte. In Deutschland trugen seine Bemühungen die ersten Früchte, und der Sinn für Wiffenschast und Äuust erwachte unter den Söhnen seines Volks und damit drängte sich natürlich von selbst die Frage aus, aus welche Weise am besten für die bürgerliche Emaneipation derselben gesorgt werden konnte. Die von Mendelssohn besorgte neue Ausgabe des Werkes von Manaffe Ben Israel „Die Erlösung der Juden," welches 1657 in England erschien und kurz vor dem Ausbruche der französischen Revolution ins Holländische übersetzt wurde, war ebenso einflußreich wegen der von Mendelssohn dazu geschriebenen Vorrede, wie auch wegen der Anregung, welche der preußische Minister Dohm dadurch erhielt. Für. diesen ausgezeichneten Staatsmann stand es fest, daß die Verachtung, der die Juden preisgegeben waren, wie überhaupt ihr trauriger focialcr Zustand, ausschließlich und allein den unwürdigen gesetzlichen Beschränkungen zugeschrieben werden niußte, welche sie von der übrigen Gesellschaft ausschlossen, und er legte auch seine Ansichten in einem Werke: - „Ueber die bürgerliche Verbesserung der . Juden" (1783) nieder. Für die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in den Niederlanden und deren westindischen Colonien interessirte sich Dohm so sehr, daß er einige vornehme Juden in Surinam ersuchte, ihm einen geschichtlichen Ueberblick ihrer bisherigen Verhältnisse und ihres gesellschaftlichen Zustandes zu liefern, und diesem Umstande verdanken wir eine ' ' ■r.'V.

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