Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-06-17 · Heft 47-48 (17.6.1886) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 47-48 (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449645--24460-2514213
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

S20 Mu-ba-ma (Mollahs nnd Priester der Mohamedancr) wie auch die Ta-ying (Rabbiner) ihrem Stande zu ernsagen und ihre geistliche Tracht abzulcgen haben. Tic Ursache dieser rtc rrra ist in dem genarmten TccrcLe nicht enthalten, dagegen erzählen einige (5bronikcn, die Mohamedancr und die Juden hätten sich damals auf Anratben ihrer Priester entschieden geweigert, die (Zeremonie, des Tzo-tan mitzumachen, da sie in derselben eine Art Götzendienst erblicken wollten, worauf das erwähnte Teeret des Kaisers folgte. Die genannte (Zeremonie, die schon um das Jahr 2500 (a.), also noch bei Lebzeiten des Patriarchen Abraham in (5hina streng cingchalten wurde, beuch: nämlich darin, das; sich am chinesischen Rcnjahrslagc die weltlichen nnd die geistlichen Behörden einer jeden Stadt ohne Unterschied des Glaubens ans das dortige Stadthaus begeben, lim sich daselbst vor dem Bilde des Kaisers und in Ermangelung eines solchen, vor der ans einer gelben (der kaiserlichen Farbe» Tafel in Goldlcttern prangenden RamcnSchiffre des .Kaisers ihrer ganzen Länge nach niederwerfen und mit ihrer Stirn neun Mal nacheinander den Boden berühren mnpen. Es ist dies die übliche Huldigung für das Staatsoberhaupt. Diese Eercmonie wird noch heute in China strenge cingchalten nnd müssen sich derselben alle Staats-, Stadt- und geistlichen Beamten selbst die Minister und die kaiserlichen.Prinzen, unterziehen. Aus dieser Ursache hat der Later des jetzigen noch unmündigen Kaisers Knang-tzu (derselbe würde 1874 nach dem Tode des jugendlichen Kaisers Tong-vi in Ermangelung eines rechtlichen Thronerben aus einer Seitcn- Iiuic des kaiserlichen Hanfes gewählt, znm Kaiser ansgerufen und unter die Regentschaft der Mutter und' der Großmutter des verstorbenen Kaisers gestellt), Prinz Tzon, cs abgelchnt, das Ministerpräsidinm nnd das auswärtige Amt, das ihm 1883 angebotcn wurde, zu übernehmen, um sich nicht als erster Beamter seines Sohnes vor dessen Bild niedcrwcrfen zu müssen, was sich doch für einen Later nicht ziemt. Auch die in Berlin, Paris und London accrcditirten chinesischen Gesandten müssen sammt allen ihren Secrctären diese Eercmonie strengstens erfüllen, und besitzen sie gerade kein Bild des Kaisers oder eine Tafel mit dessen RamcnSchiffre, so holen sie irgend einen sichtbaren Gegenstand, ein Brett, eine Stange x. herbei, stellen ihn in ihrem Paradc-Salonc auf, stimbolisircn dann denselben im Geiste mit der Person des Kaisers und umgeben ihn mit brennenden Kerzen, worauf sie vor demselben die Tzo-tan-Ecrcmonie vollziehen. Unter der Regierung des Kaisers Wnng-tzo »volltcn aber wcdcr die Mohamedancr noch die Inden mehr, die genannte Ecrrmomc vollziehen, da sie bchauvrrrcn, daß, da der Kaiser von China sich als Halbgorr betrachtet nnd sich auch „Sohn des Himmelsnennt, so würde jede Anbetung seiner Person oder Niederwerfung vor derselben dem Götzendienste glcichkommen. Als jedoch der Kaiser auf der genauen Vollsührung der erwähnten Ecremome bestand, da schickten die Mohamedancr des chinesischen Reiches, wie uns der moslemische Chronist Tajib Bin Alim mitthcilt, eine Gesandtschaft nach der ihnen heiligen Stadt Samarkand, um sich bei dm dortigen. Ulemas nnd sonstigen mohamedamschen Gottesgelehrrm Raths zu holen. Die Antwort der Letzteren an ihre Glaubcnsgenopen im chinesischen Reiche lautete nun dahin, dieselben mögen sich, bevor sie die Tzotau-Eercmonie vollziehen, irgend ein Blättchen oder ein Stückchen Papier, ans dem der Name der dm Mohamcdancrn heiligen Stadt Mekka in unleserlicher Schrift geschrieben steht, an die Stirne kleben und dann niedcrwersen, damit cs heiße, daß sie ihre Huldigung eigentlich der genannten heiligen Stadt darbringen. Dieser Vorschlag fand allgemeinen Beifall und wird derselbe noch heute von der mohamedamschen Bevölkerung Ehina's getreulich befolgt.' Dir; chinesische Negierung, die in Glaubenssachen höchst tolerant ist, kennt wohl diesen Kniff der Mohaniedaner. sie drückt jedoch dabei ein Auge zu, da cs ihr ja doch blos nm die Form und nicht üm das Wesen der Ceremome zu thnn ist. Dieses Nachgebcn der Mohamedancr bewog mm die Pekinger Negierung denselben einen Schritt entgegenzukommen nnd schon 882 erschien ein kaiserliches Decrct, welches den Muh-ha-ma (Mohamcdauern) gestattete, sich in Peking und noch einigen anderen Städten Ehina's niederzulapen und daselbst auch Moscheen zu erbauen. Das Beispiel ihrer mohamcdanischcn Mitbürger dürften dann auch die chinesischen Inden befolgt und sich etwa den Namen Jcruscholajim oder Zion auf ein Blättchen geschrieben an ihre Stirne geklebt haben, nm so, bevor sie zur Vollziehung der Tzo-tau-Eeremome schritten, ihr Gewissen beruhigt zu haben. Daher erzählt uns der genannte vcnetianische Reisende Marco Polo in dem Weiten Kapitel seines zweiten Buches, daß der Kaiser Sihi-tzu (Knbiler .Khan), regierte von 1268 bis 1279, unter dem er mehrere hohe Staatsämtcr im chinesischen Reiche bekleidete, sich an den Festtagen der Heiden, Christen Mohamcdaner und Juden, deren heiligste Bücher bringen und sie beränchern ließ. Hierauf küßte er das betreffende Buch mit großer Andacht und gab es dann seinen Hoswürdenträgern hin, damit sie gleichfalls dein heiligen Buche ihre Ehrfurcht zollen * «

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.