Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 47-48 (17.6.1886)
- Date
- 1886-06-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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819 Schon der Gedanke, ein Werk zu schaffen, an dem die gesammre deutsche Jndcnheit gleichmäßig inLcrcsmt ist, verdient die lebhafteste Anerkennung. Um wie viel mehr wird danclbe auf eifrige Förderung rechnen können, wenn es bestimmt ist, eine hochherzige Idee zum wohlthätigcn Ausdruck Zu dringen. — Daß die in vielen großen Gemeinden bestehcudcu ähnlichen Anftalrcn ein solches Instimt nicht überstüfsig machen, ließe sich Leicht darlegcn; ich begnüge mich, auf die Analogie der allgemeinen Acichswaisenhäuser hinzuwciscn. Es ist zu bedauern, daß die letzten als ungeeignet für jüdische Kinder betrachtet werden müffcn. Ein Erzichungshaus für solche, muß uns die feste Gewähr geben, das; die Jugend im Geiste und in den Fonncn unserer Religion exogen wird. Das läßt sich jedoch nur von einer Anstalt erwarten, welche einen ausgesprochenen jüd.-confcssioncllcn Charakter trägt. — Diejenigen Glaubensgenossen aber, welche sich der Förderung der allgemeinen Waisenhäuser so eifrig angelegen sein ließen, werden sich hoffentlich nicht minder energisch beweisen, da wo cs gilt, ein ausschließliches Interesse des Judenthums wahrzunchmcn. Mögen gerade sic bestrebt sein, dem genannten Verein, viele Zehntauscnde von Mitgliedern Zuzufügen, damit er in kürzester Frist das hohe Werk in Angriff nehmen kann.— Den Männern,— Verfasser steht zu denselben in keinerlei sonstigen Beziehungen — welche zu demselben die Anregung gegeben haben, glaubte ich — sicherlich in. llcbcrcinstimmnng mit vielen Gleichgesinnten — hier öffentlich danken zu müssen. Danzig, 8. Juni. Der durch vielfache Erwähnung in der Presse und in den Parlamenten in den weitesten Kreisen bekannt gewordene Answcisnngsfall Gndel hat jetzt seinen definitiven Abschluß gefunden in der nun unwiderrnsliich gewordenen Ausweisung des Betroffenen. Es wird erinnerlich sein, in welcher Weise die konservative Presse diesen Fall, behandelte, nachdem der Minister davon Mittheilnng gemacht hatte, daß Gndel dem Staatsanwalt in die Hände fallen werde. Es geschah dies allerdings. Gndel wurde wegen Vergehens gegen die Konknrsordnung unter Anklage gestellt, aber nur, um freigesprochen zu werden, nachdem die Verhandlung ergeben hatte, daß der über ihn hereingcbrochcne Konkurs überhaupt erst in Folge der Answcisungsordre entstanden war. Gndel hat sich dann vergeblich nm Naturalisation bemüht; er richtete sogar ein Immediatgesuch an den König. Auch hicranf wurde er abschlägig beschicden durch ein Schreiben des Ministers v. Putt kam wer, welches folgendermaßen lautet: ^Jn Bescheidung aus die aus dem königlichen Kabinet zur Verfügung an mich abgegebene Jmmcdiat-Vorstellung vom 27.. Januar d. I. crömre ich Ihnen, daß ich nach Prüfung der obwaltenden Verhältnisse mich nicht veranlaßt finde, die gegen Sic verfügte Ausweisung aus dem preußischen Staatsgebiet rückgängig zu machen. Ebenso wenig kann Ihrem Raturalisationsgesnch Folge gegeben werden." Die Ausweisungen sind als Maßregeln gegen die Polen hingcstcllt worden. Der Handelsmann Gndel aber ist weder polnischer Herkunft, noch überhaupt der polnischen Sprache mächtig! Der, Ausgewicsene beabsichtigt, nach Amerika zu gehen. Oestcrr.-Nngar. Monarchie. Prag, 1. Juni. (Auf dem Wachposten vom Blitze erschlagen.) Unter ungemein zahlreicher Bcthciligung hat vorgestern Nachmittags das Leichen- . begängniß des Infanteristen Joseph Schleifer, welcher wahrend des furchtbaren Gewitters in der Nacht vom Freitag auf Samstag vom Blitze gctödtct worden ist, aus bcnt Garnisonsspitale stattgcfundcn. Die lebhafte Theilnahme, welche der traurige Fall in militärischen Kreisen erweckte, bezeugte insbesondere die außerordentliche Beiheiligung Seitens des Officicrscorps der Prager Gar- . nison. Den Conduct crössncte ein Zug des 75. Infanterieregimentes, dessen 10. Compagnie der - Verstorbene angehört hatte, hinter dem Sarge schritten zahlreiche Generäle, Stabs- und Oberofficiere sämmtlichcr. Truppengattungen, sowie die gesammte dienstfreie Mannschaft des 75. Jnfauterie- Ncgimcntes. Am Grabe hielt der k. k. Feldrabbiner Herr Dr. Alexander Kisch eine tief ergreifende Grabrede, für die ihm der Compagnie- Commandant im Aufträge des Negicmentscommandanten mit warmen Worten dankte. — Zu;bcm traurigen Falle selbst wird uns noch nachträglich mitgetheilt, daß in Folge des Blitzstrahles die scharfen Patronen des auf Wache stehenden Infanteristen explodirt sind, wodurch Schleifer in der Unterleibsgegend so schwere Verletzungen erlitt, daß der Tod sofort cingctreten sein mußte. Frankreich. Paris (Die Inden China'«.) (Fortsetzung.) Die chinesischen Chroniken bewahrten uns ein Decrct auf, welches Kaiser Wn-tzong im Jahre 8-15 (p.) erlassen und in dem er anordnet, daß sowohl die ....... .