Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 47-48 (17.6.1886)
- Date
- 1886-06-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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821 mögen. Aus diesen Worten Polo's läßt sich mm cnrnehmen, daß damals eine kleine jüdische Gemeinde in Peking bestand, denn woher Härte der Kaiser sonst erfahren können, daß dir Inden hcnre einen großen Festtag begehen und zugleich auch, daß sich damals am kaiserlichen Hose zu Peking eine Thorarolle befand. Wie so eine solche an den heidnischen Hof, an dem cs von Gäben und deren Priestern wimmelte, gekommen, das ist fast unbegreiflich, denn man kann ja doch unmöglich den ftrengfrommen chinesischen Juden insinuiren, daß sie des schnöden Goldes halber, ein Exemplar der heiligen Schrift an Heiden überlaffen sollen haben. Es ist iudcß möglich, daß die Mongolen aus ihren Raubzügcn in Mittelasien irgendwo auch eine Synagoge geplündert und sich deren Kostbarkeiten, darunter auch die geistigen, angeeignet und später dann nach Peking gebracht haben. Wahrscheinlich hatte Kubitai Khan von der Thora eine mongolische oder eine chinesische llebersctzung anfcrngcn lasten, damit er auch deren Inhalt kennen lerne? Sagte er doch selbst einmal zu Marco Polo: Es gibt nur vier wirkliche Propheten: Moses, Christus, Mohamed und Sogomombar Khan (Budha). Was mich betrifft, so ehre und achte ich alle vier und bitte den, welcher in Wahrheit der höchste unter ihnen ist, daß er mir helfen wolle." Für einen Heiden und noch dazu für einen wilden Mongolen, wie Kubilai Khan, der doch fast gar keine Erziehung genoffen hatte, sind dies herrliche Worte! Das Thora- Exemplar, das nun einst dieser Kaiser besaß, ist wahrscheinlich im Laufe der seit damals vergangenen sechs Jahrhunderte, in denen Peking oft der Schauplatz großer kriegerischer Ercigniffe war und auch mehr als eine Plünderung über sich ergehen lassen mußte — die letzte Plünderung dieser Stadt fand erst in unseren Tagen, 1860 statt, als das vereinigte französisch-englische Heer dieselbe erstürmte, und dann den Sommerpalast des Kaisers mit allen seinen Kostbarkeiten und Schätzen in Besitz nahm — spurlos ans der kaiserlichen Bibliothek verschwunden, in dem vom Pekinger Hofe veröffentlichten Verzeichnisse der Bücher dieser Bibliothek, fand ich nicht die geringste Spur von einer Thora. (Fortsetzung folgt.) Rußland. Petersburg. Etwa einen Monat vor dem Pcßachftstc wurde unter den Christen in Sabludowo und der Umgegend das Gerücht verbreitet, daß die Juden sich verabredet hätten, am Peßach über die Christen hcrzufallcn und sic zu tödtcn. Dieses wahnsinnige Gerede fand vielfach Glauben, und die Uurube war eine große. So kam das Fest heran, natürlica war von einem feindseligen Vorgehen der Juden uichrs §n spüren, diese saßen in ihren Häusern und waren ftoh, daß Niemand ihnen etwas zu Leide that. Dagegen gcrierhm sie sehr bald in die Lage, ihren Landsleuten beweisen zu können, daß nicht Gefühle des Haffes, sondern solche der reinsten Menschenliebe sie beseelten. Am Peßach nämlich entstand ein Brand, welcher in kürzester Frist zwanzig Christen gchörende Häuser, nebst Scheunen und Getreidevorräthen in Asche legte. Hundertundzwanzig Personen wurden obdachlos und aller Hilfsmittel beraubt. Sofort sammelten die Juden 50 Rubel baares Geld unter sich, ferner Nahrungsmittel in großer Menge, und der Vorstand der jüd. Gemeinde beschloß, den Abgebrannten 1000 Rubel von der Fleischtaxe zu überweisen. — In Swislotsch (Gouv. Grodno) brach am zweiten Tag Cholhamoed Peßach in der Scheune eines Israeliten ein Feuer aus, welches in vier Stunden die Synagoge, ein Bethamidrafch und 130 Häuser von Juden nebst allem Zugehör einäs chctte. 250 Familien wurden vollständig ihrer Habe beraubt. Auch hier bewährte sich der Wohlthätigkeitssinn in herrlicher Weise, denn am Ausgange des Sabbat kamen aus allen benachbarten Orten Wagenladungen mit Mazzoth, Kartoffeln, Fleisch, Fische» - und Wein an. München, 8. Juni. Ter in diesen Blätter» jüngst enthaltenen Klage, daß vielfach an den bcsnchtcsten Sommeraufenthaltsorten keine koschere Kost zu bekommen sei, muß leider beigcsrimmt werden. Wer wie Schreiber dieses unter dieser Misere schon gelitten hat, hat schließlich cs als eine große Wohllhat empfunden, daß die neueste Zeit einen wenn auch lange nicht vollständigen Ersaß einer Restauration in einem auch den bescheidensten Verhältnissen angcpaßten Mittel gebracht hat, nämlich in den von Herrn Dr. Papilski in Posen hergestellten Fleischconscrvcn. Dieselben werden mit der Autorisation des Rabbiners der dortigen Synagogengemeinde Herrn Tr. Fcilchenseld bereiter, so daß ste zweifellos allen rimcllen Anforderungen entsprechen. -Man bekömmt für einen mäßigen Preis, viel niedriger als derjenige den man meist in Badeorten für eine solche Mahlzeit bezahlt, in einer hermetisch verschlossenen Blechbüchse beispielsweise ein auf die schmackhafteste Weise hrrgcslelltes schönes halbes Huhn mit schrnackhafter Brühe. Dadurch, daß die verschlossene Büchse 10 Minuten lang in siedendes Wasser verbracht wird, ist die Mahlzeit zum Eenussc fertig gestellt. Ihre Güte wird in keiner Weise dadurch beeinträchtigt, das; die Büchse schon vor Monaten bezogen worden sein mag. Wer gar daraus angewiesen ist, den Sommer bei eigener Wirthschastssuhrung ans dcnl t'alide zu verbringen und dem wegen Postt*1 qtg.jqai V*