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Der Israelit · 1886-06-17 · Heft 47-48 (17.6.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 47-48 (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Rabbiner übten mit ihren öffentlichen Vorträgen | einen mächtigen Einfluß selbst aus die christlichen Massen aus. so daß die Aebte Gegcnvredigten hielten, um so „ben christlichen Glauben gegen den südischcn Unglauben zu stärken." Nunmehr beginnt die seindselige Stellungnahme der Geistlichkeit gegen die Inden, die Beschuldigungen von Betrug und Wucher heben an, und 1171 erblickt das Ammenmärchen vom rituellen Christenmorde auf englischem Boden das Licht der Welt. Tie lcmeren Anklagen wiederholten sich 1168, 1180, und immer dann, wenn die Könige in arger Geldverlegenheit schwebten. Zu regelrechten Judcnhctzen kam cs noch nicht: diese wachzurufcn, war erst der Krcuzzugsbegcisterung Vorbehalten. Das dritte Kapitel behandelt „die Juden unter Heinrich II." Tcr Lerfasser behandelt hier eingehendst die soziale Stellung der Inden, welche eine relativ recht günstige zu nennen ist. Sie genossen viele Privilegien , aber auch zahlreiche Ausnahmegesetze und feindliche Concilienbeschlüfse (1170) trafen sie. Die Nachrichten über das religiöse und wipenschaftliche Leben der Juden sind dürftig. Wir wissen nur, daß Rabbi Benjamin, ein Schüler des Rabbi Jakob Tam aus Ramaru in Cantcrbury als gefeierter Meister lehrte, daß ein Rabbi Jacob aus London die Peßachhagada übersetzte, und daß erst das nächste Jahrhundert bedeutende literarische Persönlichkeiten, wie Moses den Jsaac ha Nakdan, hervorgcbracht hat. Schon Heinrich II. bestellte den englischen Juden einen Oberrabbiner, exwevpus Judaeorum, und 1177 nahm er das Verbot zurück, nach welchem Leichen nur in London beerdigt werden durften. Da kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Kunde, daß Saladin Jerusalem genommen, Heinrich II. nahm am 21. Januar 1188 das Kreuz, der Fanatismus war entfacht, und schon am .Krönungstage Richard's I. (3. Sept. 1189) begann jene blutige Tragödie, welche mit dem Opfertode Tausender enden sollte. Ein Mißverständniß führte den Pöbel znm Sturme gegen die Judenstadt, welcher ohne Wissen und gegen den Willen des Fürsten raubte, sengte und mordete; die Synagoge wurde geplündert und niedergebraunt, und als Richard vom Krönnngsmah! sich erhob, stand das Londoner Judenviertel in Hellen Flammen. Die jüd. Gemeinde Londons war vernichtet: unter den Erschlagenen befand sich Rabbi Jakob ans Orleans. Der König nahm die Juden unter seinen Schutz, drei Schuldige wurden gehängt, doch unter trügerischer Asche glimmte der Funken weiter. Am 6. Februar 1190 brach die Verfolgung in Horwich ans, am 7. März in Stamsord, später in Lincoln. Erschütternd ist das Schicksal der Wrker Gemeinde. Ansgeplundert und bart bedrängt. verschanzen die Juden die Burg. Todcsmnthig schlagen sie die Angreifer wiederholt zurück, ihre Lebensmittel sind erschöpft, zwei Wege sehen sie vor sich: die Taufe oder den Tod. Der greise Rabbi Jonttod ans Jorgny ermahnt sie mit ergreifenden Worten in der Nacht vom 16. zum 17. März 1190, sich dcm^Tode zu weihen und „für das Gesetz zu sterben." sie vergraben ihre Schätze, zünden die Burg an. Jeder tödtet erst ferne Fran und Kinder, dann sich selbst. Ter Rabbi fällt als Letzter von eigener Hand. Mit Windeseile Pflanzt sich die Bewegung nach allen Provinzen fort, eine Verfolgung drängt die andere^ Die Schuldigen werden bestraft, bald blühen die jüdischen Gemeinden wieder, wie ehedem, doch nicht lange währt das Glück. Johann ohne Land preßt sie aus, Heinrich III. bedrückte und beraubte sie, bis ein Edikt Eduard I. sie 1290 von dem englischen Boden vollständig vertreibt. Mit rühmenswerthem Flciße und umfassender Kcnntnitz des gesammten Quellcnmaterials ausgerüstet, hat der Verfasser ein Bild von der Geschichte, wie von den rechtlichen socialen und religiösen Verhältnissen der Juden in England innerhalb des genannten Zeitraumes gezeichnet, wie wir cs bis zur Stunde nicht besessen haben. Eine Fülle von Noten gibt uns Anfschlüffe über die verschiedenen Quellen, Hinweise auf andere Werke und den Text zahlreicher englischer Urkunden. Der wichtigste Theil der ganzen Arbeit ist zweifellos das 5. Kapitel, in dem der Verfasser die Rechtsverhältnisse der englischen Juden nach den urkundlichen Aufzeichnungen bis iu's Einzelnste behandelt, und aus die näher einzugehcn uns der schon weit überschrittene Raum verbietet. Die gediegene und vortreffliche Arbeit wird nicht nur hier zu Lande ein reges Interesse finden, sie wird auch auf dem Eilande jenseits des Kanals mit wärmster Theilnahme gelesen werden. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Aus Hessen. Es ist noch nicht lange her, daß ich an anderer Stelle einer allznhäusigcn Jnauspruchuahmc der öffentlichen Wohlthätigkeit entgcgcngetrcten bin. Um so mehr srent es mich, einen „Aufruf" dem größeren jüd. Publikum empfehlen zu können. Es ist derjenige des Central-Comites des Vereins zur Errichtung eines israel. Reichserzichungshauscs für arme Waisen und .Kinder nnbemitteller Ellern gemeint. * k i

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