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Der Israelit · 1886-06-17 · Heft 47-48 (17.6.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 47-48 (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SH Frankreich. Paris. (TicJuden Chinas.) (Forlscknvg.) Eine ihrer Thorarollcn hielten sie besonders heilig, da dieselbe 1648, als der Ho-ang-ho die Stadr überschwemmte und auch in die Synagoge eindrang, nur mir großer Mühe aus den Fluthcn des Stromes, die sie schon erfaßt und mit sich forrgetragcn hatten, gerettet werden konnte. Tic Thorarollcn, die der Pater hier sah, waren theils aus Lammfellen, thcils aus Pergament geschrieben und dann nm dicke Bambusstäbe gerollt. Im Ganzen befanden sich damals in dem Gotteshanse vierzehn Thorarollcn, von denen etliche mit einem golddnrchwirkten blanseidcnen Mäntelchen behängt waren. In der Vorhalle der Synagoge standen gleichfalls zwei hölzerne Schränke, in denen die ans Papier geschriebenen Gebetbücher (Ta-king) der Gemeinde lagen. Vor Begibt des Gottesdienstes wurde eines dieser Gebetbücher dem Ta-tzing (Rabbiner), die anderen den Vorstehern und den angesehensten Mitgliedern der Gemeinde überreicht. Tiefe sangen dmm die Gebete ihren um sie versammelten Nachbarn laut vor, die deren Worte genau wiederholten. Tie Gebete waren mit nur wenigen Ausnahmen in hebräischer Sprache abgefaßt. Nach Beendigung der Gebete wurde dann eine Thora herbeigeholt, in Proccssion und Gesang tut Innern der Synagoge herumgctragcn und dann auf das Pult gelegt, damit der Rabbiner einen Qnan (Abschnitt, Sidrah) aus derselben verlese. Später wurde der Rabbiner bei dieser Beschäftigung durch einen der Ky-ans (Kohanim) ersetzt. Beide hatten jedoch, bevor sie zum Pulte hintraten, ihre Schuhe abgelegt und standen sie nun barfuß. Auch trugen Beide ein blauscidenes Mäntelchen, das auch ihr Haupt bedeckte. Es war dies offenbar das übliche Talith. Das Oberhaupt der Synagoge theilte dann dem Pater mit, daß ihre Voreltern auch viele Bücher aus Babylonien, Persien und Medien mit nach China gebracht haben, von denen jedoch die meisten im Laufender Zeit wieder abhanden gekommen seien. Jndeyen wußten sie immerhin die Geschichte von Jos-se (Josua) Tza-mn (Samuel) Ta-vi (David), ttiib des Han-q »an (weisen .Königs, Salomo's) zu erzählen! Auch vom Propheten Iu-na (Jonas), baiut von der Königin Etz-tc-li und den gefürchteten Hanmang (Haman) wollten sie schon Manches gehört haben. Sie gestanden jedoch zu, die meisten dieser Geschichten nicht ihren Büchern, die über die erwähnten Personen gänzlich schweigen, entnonnnen, sondern nur von ihren Priestern nnd ihren Weisen mündlich mitgetheilt erhalten zu haben. Auf die Frage des Paters, ob sic alle ihre Bücher, die ne besaßen, schon fertig mit nach China gebracht und ob sich unter denselben nicht auch erliche besändcu, die erst auf dem Boden des Reiches der Mirre das Licht der Welt erblickt haben, cntgcguetcn sie, daß einige ihrer Ky-ang und Tabing, welche Bücher über ihren Runs, ihre Feiertage, Gebräuche, Speisegesevc abgesagt haben, die sie nun insgesammt, San-tzn (Straßen der Belehrung) nennen, und erklärten sie sich auch bereit, einige dieser Werke ihrcut Gaste zur Prüfung derselben vorznlegen. Es zeugt dies davon, daß die Rabbiner und Kohanim in Km-song-fi:, trokdcm ihre Gemeinde ein verschwmdcnd kleines Jnsclchen in dem großen chinesischen Bölkermcere bildet und obgleich jede Verbindung zwischen dieser Gemeinde und den übrigen in Asien zerstreut lebenden Juden schon seit Jahrtausenden aufgchört hatte, dennoch nicht ermüdeten, das Wort Gottes frisch und lebendig in Mitte ihrer Brüder zu erhaltet!, daffelde durch neue Erklärungen und Erläuterungen noch mehr verständlich und auch der Heranwachsenden Jugend mundgerecht zu machen. Es ist dies eine besondere Eigenthümlichkcit unserer heiligen Thora, daß ihre Erklärer und Ausleger nie ausfterbcn nnd selbst unter den chinesischen Juden, die von der ganzen heiligen Schrift doch nur die Thora in hebräischer Sprache besitzen, so daß man meinen könnte, diese fünf Bücher wären von ihnen schon zur Genüge erforscht und erklärt, finde» sich noch immer Männer, die fortwährend in der ewig jugendlichen und ewig frischen Thora forschen, deren Tiefen ebenso unerschöpflich sind, wie die dcs Weltmeeres. Der Prophet Jesaias hat daher mit Recht von der Thora gesagt: 't -ict« cnx ttq nxi ’dci yzn st' 'new "QM nwn *nn dny ~>n nnys "i "iss *jnr jn* 'sst un?. (Und ich schließe meinen Bund mit ihnen; spricht der Ewige: Mein Geist, der auf dir ist und meine Worte, die ich in deinen Bi und gelegt habe, sie werden nicht weichen aus deinem Munde und aus dem Munde deiner Nachkommen und dem Munde der Nachkommen deiner Nachkommen, spricht der Ewige, von nun an bis in Ewigkeit.) So traf ich vor etlichen Jahren in Marseille mit einem französischem Arzte zusammen, der mehrere Jahre hindurch in China, Annam nnd Siam practicirt nnd in allen diesen Ländern viel mit den noch heidnischen und auch mit vielen schon zum Christenthnme bekehrten Einwohnern verkehrt hatte. Er drückte mir nun sein Erstaunen darüber ans, daß der Chinese, der Japanese und der Hindu, so lauge sie noch Heiden sind, gar kein Verlangen danach tragen, die Bücher ihres Glaubens kennen zu lernen; nach ihrer Bekehrung hin-

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