Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 47-48 (17.6.1886)
- Date
- 1886-06-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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815 gegen «füge Bibelleser werden uud sich an den Schönheiten und Erhabenheiten in der Thora und Len Propheten nicht genug laben können. Wen» ich nun oben schrieb, daß die chinesischen Inden außer der Thora kein anderes Auch der heiligen Schrift in hebräischer Sprache besweu, so wem» ich damit keineswegs, dag ihnen die Bücher, etwa die Psalmen, die- Propheten 2c. unbekannt wären, da die gesammte heilige Schrift schon längst ins Chinesische übertragen wurde und wird dieselbe von den englischen, amerikanischen und französischen Misfionärcn gratis an die Bevölkerung verthcilt. Ich meinte blos, daß sie außer den erwähnten Büchern kein anderes aus Jerusalem mit sich gebracht haben. Zwar hat cm englischer Kaufmann in Schang-Hai vor einigen Jahren an einen seiner Geschäftsfreunde in Kai-fong-fu eine Kiste voll mit -sn und Evangelien (diese ebenfalls in hebräischer Sprache) geschickt, damit er sie unter die Juden daselbst verthcile. Liese erkannten jedoch sogleich die Absicht dieses edlen Spenders und lehnten sowohl das -:n wie auch das jüdische Evangelium mit Dank ab, da sie mit den Kniffen und Schlichen der Missionäre wohl vertrant sind und daher demselben ganz einfach aus dem Wege gehen. (Siehe die Fortsetzung in der ersten Beilage.) Der Eröonkek. IV. (Fortsetzung nnd Schlust.) Nathan und seine Frau und seine Tochter blieben in der trübsten. Stimmung zurück. „Wenn Selig das Kapital, das er mir geliehen, znrückfordert, dann bin ich ein ruinirter Mann," sagte Nathan seufzend. „Ich habe das Geld im Geschäft stecken und kann es nicht herausziehen." Reichel weinte still vor sich hin. „„Vater"", sagte Sophie, „„wenn Du befiehlst...."" „Nein, nicht doch; ich würde es Dir verbieten, selbst, wenn Du wolltest. Ich würde mich vor Gott und deu Menschen und vor mir selber schämen, wollte ich mein Kind an meinen alten Bruder verkaufen! — Gott har schon so oft geholfen. Er wird auch weiter helfen. Wie oft bar meine selige Rkrtter gesagt: Aarban, Dir muß es noch einmal sehr gut gehen! Wie Du für Deine alte, kraule Mutter sorgst! selig ist in die Welt gegangen, Jakob denkt nur au sich: Du aber mühst und quälst Dich für mich. — So hat sie gesagt, und ihr Segen wird, wenn auch spät, in Erfüllung gehen!" Es wurde an die Thüre geklopft, und Herr Niedenstein und sein Sohn traten ein. Sie erschraken als sie die betrübten Gesichter sahen, sie erschraken noch mehr, als sie erfuhren, daß Selig Vogel- . sang im Zorn davon gegangen fei und mit Enterbung gedroht habe. „Wenn ich Ihnen rathen dürste", sagte der ältere Herr Nicdenftcin, „so sollten sie den ehrenvollen Antrag Ihres Herrn Bruders nicht zurück-, weisen. So viel Geld ist es wohl werth, ein kleines Opfer zu bringen." „„Ein kleines Opfer?"" fragte Nathan. „Sie müssen bedenken," entgegnete Herr Medenstcin, „daß wohl bald ein Ereigniß eintreten wird, welches Ihr Fräulein Tochter in den unbeschränkten Besitz eines fürstlichen Vermögens bringen würde. Was meinen Sohn betrifft, so würde er wohl noch einige Jahre ledig bleiben, bis die Hand verjüngen Dame wieder frei ist. Nicht wahr, Max? „Ganz Deiner Ansicht, Papa." „„Meine Herren,"" sagte Nathan, mit Mühe seine Entrüstung zurückhaltend, „„ich habe Ihren Rath nicht begehrt. Dagegen bin ich bereit. Ihnen das gegebene Wort zu erlassen und Ihren Antrag als ungeschehen zu betrachten."" „Das ist selbstverständlich unter den veränderten Verhältnissen", sagte Herr Niedenstein Vater. „Nicht wahr, Max?" „Gewiß, lieber Vater", sagte der gehorsame Sohn. „Unter diesen Umständen haben wir hier nichts mehr zu suchen." . Die Herren schieden unter höflichen Verbeugungen. Im Hausgang fließen sie auf Abraham Steinfurt. „Darf man gratuliren?" fragte dieser. „„Wenn Sie vielleicht reflcctiren, Herr Steinfurt,"" sagte der edle Max, „ich verzichte."" „Was ist vorgegangen?" „„Die Millionen sind fort und mit ihnen geht der Bräutigam."" „Max Niedenstein, Du bist ein elender Schuft." IfOW