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Der Israelit · 1886-06-17 · Heft 47-48 (17.6.1886) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 47-48 (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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S13 unb nur die MMusgeseLschafteu hilfsbereit die Anne ansstrecken, rrm die-arme» Unmündigen mit des Leibes Norhdnrft zn versehen, zugleich aber von unsrem HMgen Glauben nach nnd nach, leider oft mit Erfolg, abwendig zu machen. Millionen werden jährlich nach Jerusalem geschickt, die von vertrauensseligen Gemürheru in Erwiederung auf die tausende und abertausende von Bettelbriefen, zu deren Absendung regelrechte Eomptcirs eingerichtet sind, unverschämten Spekulanten in den Nachen gejagt werden. Aber um der Mission das Futter zu entziehen, regt sich fast Niemand. Hier könnten die „freien Bereinigungen" ein geeignetes Feld für gesegnete Wirksamkeit finden. Tie Missionen wenden Taufende von Pfunden an, um ein paar Juden-Seelen zu fangen, und wir Juden,sollten nicht jährlich ein paar tausend Mark zusammcnbringcn! Fürwahr, cs ist schwer, nicht bitter zu werden. Um so größeren Tank gebührt den Männern, welche nnvcrdropcn sich der schwierigen Aufgabe unterziehen, von Frankfurt aus eine Anstalt in so weiter Ferne zu leiten und namentlich auch dafür zu sorgen, daß kein Ehaschasch irgend welcher Art aus sie fallen könne. Das LokalkomiLL in Jerusalem besteht außer dem Direktor ans den Herren Jechiel Michel Piucs und Ehajim Hirsckcnsohn, beides Männer, deren Namen Bürgen für ein echt jüdisches Wirken sind. Ter Vorsitzende des Vorstands ist Herr Rabbiner Dr. Horowiv in Frankfurt, Ehrenpräsident Herr M. Gottschalk Lcvy in -Berlin^ Vorsitzender des Vcnvalrungsraths Herr Jacob S. Posen in Frankfurt. Die Mitgliedschaft wird durch einen Jahresbeitrag von M. 6 erworben; die immerwährende Mitgliedschaft durch einmalige Zahlung von M. 150. Eine Gabe von M. 300 berechtigt dazu, eine Person zu bezeichnen, deren Gedächtniß der Verein durch Lernen und Kaddisch in der Anstalt am Jahrzeittage zu begehen sich verpflichtet. Eine Schenkung von M. 1500 macht den Geber zum „Stifter;" sein Namen wird auf der Gedenktafel im Waisenhanse verzeichnet, nach seinem Ableben wird das Trauerjahr hindurch und an den Jahrzeiten gelernt und von einem Zögling Kadifch gesagt, auch sein Name bei jeder stattfindcndcn Gcdächtnißfcier verlesen. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, die G. s. D. noch zahlreiche Freunde des heiligen Landes und seiner Aufrichtung auf den Verein aufmerksam zu machen, der im verflossenen Jahr ein Defizit von tausend Mark zn buchen hatte. Schreiber dieser Zeilen ist überzeugt, daß die Redaktion des „Israelit" Beiträge, und Anmeldungen gerne entgegennchmen wird. £tfterr. - Ungar. Monarchie. . Wies, 4. Juni. Die Israelitische Allianz in Wien hielt gestern unter Vorsitz des Lice-Präfidenten Herrn David Ritter v. Gutmann ihre (13.) ordenüiche General-Versammlung. Ter vom Vorftandsmirgliede Herrn Bernhard Singer erstattete Jahresbericht erwähnt zunächst der wirksamen Unterstükungcn, welche der Verein seit einer Reihe von Jahren den durch Ausweisungen und Verfolgungen in ausländischen Staaten und in letzter Zeit auch in Rumänien und Deutschland ins Elend gerathencn Glaubensgenoffen angedeihen ließ und dic im abgclaufcncn Jahre eine Summe von 17.452 fl. in Anspruch nahmen. Seiner statutarischen Mission: „Förderung der Volkserziehung bei dcu Israeliten" ist der Verein durch Errichtung neuer sowie durch Snbvcnrionirung bereits bestehender Volksschulen, insbesondere in Galizien, gerecht geworden und wurden für diese Zwecke im abgeifliifciicii Jahre 12,694 fl. verausgabt. Doch bildet diese humanitäre Thätigkeit der Israelitischen Allianz in Galizien eigentlich nur das einleitende Stadium zu ihrer ins Äuge gefaßten Hauptaufgabe: die jüdische Jugend Galiziens nach erlangter Volksschul-. bildung dem Handwerke und dem Ackerbauc zuzusnhrcn. Auch hat der Verein in diesem letztbezeichneten Streben bereits einige, wenn auch vorläufig noch geringfügige Erfolge zu registriren. Die Vereinsleiiung hat aber die Ueberzcugung gewonnen, daß nur die Errichtung von gut geleiteten Muster- Werkstätten die Propagirung des Handwerks unter den galizischcn Inden wirksam fördern könne, und demnach beschlossen, in West- und Osigalizien wenigstens je Eine, mehrere Werkstätten nnifassende und mit sachlichem Unterrichte verbundene Handwerkerschule zn gründen. Die Gesammt-Ausgaben für Lirerar-Subventionen, Unterrichts- und andere Hilsszwccke betrugen im abgelaufen Jahre rund 40,000 fl. Die Zahl der Mitglieder hat sich im verflosscuen Jahre um 416, b. i. auf 2907 erhöht. Der Bericht wurde beifällig entgegengenommcn und dem abwesenden greisen Präsidenten, Joseph R. v. Werthcimer, sprach die Versammlung den Dank aus, zugleich dem Wunsche Ausdruck gebend, daß dessen Thätigkeit noch durch viele Jahre dem Vereine erhalten bleiben möge. In den Vorstand wurden schließlich die Herren Dr. L. Fürth, Heinrich Ni reu stein, Dr. Alfred Stern und Dr. Sigmund 29ahrmann wieder-, Joseph M. N. v. Pfeiffer und Sigmund R. v. Lauer neugewählt.

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