Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 47-48 (17.6.1886)
- Date
- 1886-06-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Iett»»gs«achrichte« «ad Correspondeazen. Deutschland. Dürkheim a. d. Haardt. In der „Jsr. Wochenschr." Nr. 23 d. I. ist eine Eorrcspondcnz aus Frankenthal enthalten, die ein sehr schiefes Licht auf meine religiöse Richtung zu werfen angcthan ist; ich sehe .mich darum zu der öffentlichen Erklärung veranlaßt, daß ich nach wie vor die Orgel aus religiösen Gründen bekämpfe, daß aber ein königlicher Erlaß vom Jahre 1834 den israelitischen Gemeinden der Pfalz die Einführung der Orgel gestattet, ohne das noch so entschiedene Veto des Bezirksrabbincrs im Entferntesten beachten zu brauchen. Ich habe hart gekämpft und viel und schwer gelitten, — um in meinen Bezirks gemeinden die rro p zuwiderlaufenden Neuerungen nicht anfkommen zu laffen und die vorhanden gewesenen, zu beseitigen, — dem Staats ge setze gegenüber jedoch, das den israelitischen Gemcindcvorftäudcn der Pfalz autonome Gewalt verleiht, bin und bleibe ich machtlos. ,(n ,2 hok) ■p3Trw pn-h* x» vv — Dr. Adolf Salven di, Bezirks-Rabbiner. Frankfurt a. M, 7. Juni. Der Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina versendet eben seinen Bericht für das Jahr 1885. Dieser Verein wurde im Jahre 1878 durch einige edle Menschenfreunde in Berlin gegründet, denen cs in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten gelang, eine Kuaben-Waiscnanstalt in Jerusalem ins Leben zu rufen. Ein Ungenannter in Frankfurt a. M. stellte 40,000 M. zur Verfügung, wodurch ein eignes Haus mit Garten in Jerusalem erworben werden konnte. Der Umstand, daß diese großartige Spende von Frankfurt ausgingund verschiedene andere Gründe veranlaßtcn, daß der Sitz des Vereins am l. Januar 1883 nach Frankfurt verlegt wurde. Unterm 6. Oktober 1884 erhielt der Verein die Rechte, einer juristischen Person. Gegenwärtig werden 14 Knaben in der Anstalt erzogen : zur Aufnahme einer größeren Anzahl reichen die Mittel nicht aus. Außerdem nehmen 30 Erlerne an dem Unterrichte Thcil; die ärmsten von ihnen erhalten Mittagskost. Die Anstalt wird geleitet von dem in jüdischen Kreisen rühmlichst bekannten Dr. , W. .Herzberg als Direktor, dem -1 ordentliche Lehrer zur Seite stehen. Die religiöse Führung wird von den ersten Autoritäten aller Gemeinden von Jerusalem als tadellos anerkannt. Der Unterricht wird in rein dcmschcr Sprache ertheilt und umfaßt, außer den stets die Grundlage bildenden hebräisch-religiösen Fächern (Thenach, Raschi, Talmud, hebräische Schriftarten noch Arabisch, Deutsch und Englisch, Rechnen, deutsch und lateinisch Schreiben, Anschauungsunrerricht, Heimathknnde und andere Elcmentarfächer, Die Fortschritte der Schüler sind recht befriedigend. Diejenigen von ihnen, welche zur Erlernung eines Handwerks befähigt sind, werden zugleich in der Handwerksschule der Alliance ausgeblldet. Tie Ausgaben für Lehrergehalte. Unterhaltung des Hauses, Kost und Kleidung der Schüler beliefen sich im Jahre 1885 zuzüglich des I. Quartals 1886 auf M. 11660. 10, die Verwaltungskoften, Drucksachen n. s. w. auf M. 711. 32. Die Zinsen des Vercinsvcrmögens von ca. M. 74,500 ertrugen M. 3!00. 64, an Gaben gingen cm M. 3348. 62, ein Geschenk zum Fonds behufs Erwerbung der Rechte eines Stifters von Herrn Eommcrzienrath Israel in Berlin M. 1500, ein Legat M. 300, von den Euratoren des Nachlasses des fel. Herrn Jacob A. Franklin in London für den Jacob A. Franklin-Fonds (dessen Zinsen zur Besoldung eines Lehrers einer westeuropäischen Sprache zu verwenden sind) M. 2047. 50, und an Jahresbeiträgen Dt. 2506. 47. Tics ist das einzige Einnahmc- Eonto, welches gegen frühere Jahre eine kleine Zunahme aufweist. Wersen wir aber einen Blick auf die Orte, in welchen die Eontribuenteu wohnen, so fällt uns mancherlei aus. Während das Waisenhaus hauptsächlich sür Aschkenasim, d. h. Kinder aus Rußland, Galizien, Ungarn, Rumänien u. s. w.; bestimmt ist, finden wir aus allen diesen Ländern mit ihrer zahlreichen jüdischen Bevölkerung einen einzigen Mann auf der Liste verzeichnet! Weniger auffällig, wenn auch sehr bedauerlich ist die fast gänzliche Abwesenheit französischer und die geringe Anzahl englischer Namen; die Juden dieser Länder mögen doch bedenken, daß unsre Glaubensgenossen aller Zungen Brüder sind, und daß aschkcnasische Kinder weder in französischer noch in englischer, sondern nur in deutscher Unterrichts-Sprache mit Erfolg und ohne allzugroße Ueberlaftung zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft erzogen werden können. Höchst betrübend ist es aber, daß gerade diejenigen Männer auch in Deutschland, welche sich durch treues Festhalten am väterlichen Glauben, durch Wohlthätigkeit und durch ein Herz sür das heilige Land auSzekchnen, sich bis jetzt fast gänzlich von dem Verein fcruhalten, ohne zu bedenke», daß es kein unglücklicheres Geschöpf auf der Welt gibt, als ein aschkenasifches Waisenkind in Jerusalem, lvo Niemand die Mittel hat zu helfen