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Der Israelit · 1886-06-17 · Heft 47-48 (17.6.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 47-48 (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sil Menschen wurde, am Anfänge seine Laufbahn besaß, (l. B. der Könige E. Z, V. 9). Das znm Hören, zum Gehorchen, zum Berstehcnwollcu stets bereue Herz ist die Grundlage der Herzensbildung. Tie höchste Linse, die Vollendung der Herzensbildung ist 22 sc, wer guten Herzens. Tiefe Bezeichnung ist dem 15. Verse des 15. Eapitcls der Sprüche entnommen. Dort heißt cs: Trn n,T2 27 an rrr» '7 *c* 72. Alle Tage des Aroien sind schlimm, wer aber guten Herzens ist, hat ständig Freudcnmahl. — Der Arme ist der Mensch, auch wenn er noch so reich und mächtig ist. Hilflos wird er geboren, und Krankheit, Trübsal, Kümmcrnine begleiten ihn bis zu seinem Grabe. Die meisten Schmerzen bereitet er sich selbst durch des eigenen Herzens Thorheit. Versteht er aber, seines Herzens Bildung zu vollenden, so blühen ihm unzählige Freuden, so das; sein Leben sich zu einem beständigen Frcndcnmahlc gestaltet. Die erste Stufe dazu ist das Hören, das Erfassen der heiligen Gottcslehrc. So lesen wir mich im Buche Ruth (E. 3, B. 7) 127 2ei „und cs ward wohlgcmuth fein Herz, 0"r"i) mir2 j-2", denn er hatte sich mit der Thora beschäftigt. Ist das Herz mit der Gottcslchre erfüllt, so wird das gottgefällige Wissen zur gottgefälligen Thal uns führen. Die Folge davon wird sein, das; jeder Zwiespalt aus unserem Herzen weicht, und daß dieses nur die eine Sehnsucht hat, Gott zu lieben und Seine heiligen Geboten zn beobachten, wie cs von unseren Vätern ant Berge Sinai berichtet wird (2. B. M., E. 19, V. 2). ."in* 272 “->• r*jo .i7>7i i:: 7xi:r „Und cs lagerte dort Israel dem Berge gegenüber, wie ein Mann, eines Herzens, von'der einzigen Sehnsucht durchdrungen, ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk zu werden." (Raschi Mechilta.) Diesem Gedanken geben wir auch täglich in unsrem Gebete Ausdruck: ttvtvö -rry u*m “er “si^i .12.1^7 12227 irr. *227 r~~’- „Und erleuchte unser Auge in Deiner Lehre, und lasse anhasten unsere Herzen Deinen Geboten und eine unser Herz zu lieben und zu fürchten Deinen Namen." Die hebräische Sprache hat für das Herz 27, noch eine vollere Form 227; diese letztere bezeichnet den Inbegriff aller guten und bösen Neigungen. (Vergleiche Nasch! zu 5. B. M. (5. 6. V. 5). Daher beten wir 12227 im. „Hilf uns, daß wir die Herzensemhcit erlangen, die nur das Gute will und das Böse sernhält." Dadurch, daß mau das Herz stets bildet und erzieht, es für alles Gute empfänglich macht, alles Böse dagegen sorgfältig sernhält, erlangt das Herz gleichsam eine andere Natur als die, welche ihm ursprünglich eigen ist, und die Gott selbst, wie wir bereits oben bemeickt haben, als döse bezeichnet. Dazu bedarf es aber der sorgfältigsten Behütung und Bewachung, wie der weise König cs empsschlr (Mischle 6. 4. B. 23.): Vorzüglich wachsam seiauf dein Her.;, denn von ihm ans erssießcn die Quellen des Lebens. Wem cs gelungen ist, sein Herz so zu -gestalten, daß cs, wie wenn seine Natur so wäre, aäcrtt Bösen abgeneigt, für alles Gute empfänglich ist und nach diesem sich sehnt, der wird sein wie ein i2:rn 772, wie ein sprudelnder Quell, der ans der Tiefe seines weisen Herzens die Quellen des Heils hcrvorsprudeln läßt. Auch die Freiheit wohnt im Herzen, die Freiheit der Wahl, das Gmc zu Lhnn und das Böse zu unterlassen. So» lange das Herz noch nicht die höchste Vollkommenheit erlangt har, wird es schwanken, bald rechts, bald links sich wenden. Ist aber die Erziehung des Herzens zum guten Ende geführt, dann wird, wie von Natur ans, das Herz nur das Rechte wollen, wie der weile König lehrt (Kohelcth E. 10, B. 2): Das Herz des Weisen führt ihn rechts, während das Herz des Thoren stets nach links hinncigt. Das gute Herz hat keine Neigung mehr zum Dösen, denn es ist so gestaltet, daß cs nur das Gute will. Mit Recht stimmt daher der Lehrer dem Aussprüche des Rabbi Elasar den Arach zu und sagt, daß in seinen Worten die seiner Genossen inbcgriffen seien. Wer ein gutes Herz sich erworben, wird mir dem Auge des Wohlwollens nach oben und unten schauen; er wird ein guter Genosse sein, Allen, die das Glück haben, mit ihm zu verkehren; er wird ein guter Nachbar sein, ein herrliches Beispiel Men, die in seiner Nähe leben: er wird, solange er noch in der Erziehung seines Herzens begriffen ist, die Folgen seines Thuns sorgfältig erwägen: wenn er aber bereits das gute Herz besitzt, dann wird er dessen nicht mehr bedürfen. Das ist ein großer Vorzug, weil selbst die klügste Voraussicht oft getrübt und getäuscht wird, weil die Folgen unserer Thatcn oft unberechenbar sind, weil selbst der Verständigste oft Dinge thnn muß, deren Folgen er nicht zu überschauen vermag. Ein sicherer Führer dagegen ist das gute, das reine, das edle Herz. .Zsas lein $erftanb der Pcrsländigcn sieht. Tas übel in Einfall ein kindlich Eemüth." (Fortsetzung folgt.)

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