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Der Israelit · 1886-06-17 · Heft 47-48 (17.6.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 47-48 (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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810 schwere Bürde der Regierung übernommen, in demselben Sinne und Gerne, vre der durch Gotte» nnfür alle seine Unterhanen, worin allein er das Heil und die Sicherheit des Staates erkannte, ^während der ganzen Zeit seiner glorreichen Regierung bemüht. Und wenn heutzutage in Bayern bei einem großen Tbcil der jüdischen Bcvölkenurg noch das praktisch jüdische Leben wird hochgchalteu, wenn das Thorastudium mehr als sonstwo in Deutschland dort seine Stätte hat gefunden, wenn in diesem Lande, mehr als anderswo, die heiligen Bande des Glaubens und der Religion Biele noch in Treue und Hingebung an den Gott Israels knüpfen — so ist dieses ebenfalls indirekt ein Verdienst des ruhmreichen Königs, der, indem er jede Spur der Ausschließung, jede Schmach der Zurücksetzung um des Glaubens und Bekenntnisses willen von den Israeliten seines Landes nahm, dadurch die häufige Beranlaffung zum Aufgeben der religiösen Wichten, zum Verrath an der eigenen Religion, jene trübe Quelle der Versuchung, von den Israeliten seines Landes fernhielt. Ihm gebührt auch das unsterbliche Verdienst, einer der Ersten gewesen zu sein, die in jener schmachwürdigen Bewegung, die das Volk in die Barbarei verkommener Vornrtheilc zurückwerfen und die Juden des Zugeständnisses gleichen Rcchtsgcuusses berauben will, mit dem Gewichte ihres gewaltigen Wortes dagegen ausgetreten sind. Und wenn alle Welt in König Ludwig den großmüthigcn Herrscher, dessen ganzes Leben eine ununterbrochene Bcthätigung der sittlichen Ideen, der Ideen des Rechts und der Billigkeit gewesen, verehrte, so erkannten und verchtten die Juden Bayerns, sowie die Israeliten der ganzen civilisirtcn Welt in König Ludwig II. noch den mächtigen Hort des Rechts und der Freiheit des Bekenntnisses. Wie immer sie sich sonst im öffentlichen Leben gegcnübergcftanden, im Gefühle der Treue, der Dankbarkeit und Verehrung gegen die erlauchte Person des erhabenen Monarchen fanden sie sich eimnüthig zusammen, wie sie jetzt ausnahmslos mit den Gefühlen der Wehmuth und des Schmerzes seine Bahre umstehen. Mögen sie an dieser Bahre den Trost und den Mnth schöpfen, auszttharrcn im 'Kampfe für die. edelsten Güter der Menschheit, wie für die unantastbare Weihe und' Heiligkeit des Gesetzes. Dann wird die Wolke des Kummers nnd Grams, die ihre düsteren Schatten über sie ausgebreitet hält, bald schwinden, und aus dem düster» Gewölk leuchtet ihnen in strahlender Herrlichkeit da» verklärte Antlitz des edlen Königs, ihnen die Bürgschaft des Heils für alle Zukunft zu künden. Trostreich ist die Ueberzeugung, das; der erhabene Fürst, Prinz Luitpold, welcher die crforschlicheu Nattzschluß w früh abberufene König Ludwig II., die Geschicke der ihm anvertramcn edlen Ration leiten wird, zum Heile aller Bewohner des Bayerlandes. Die Sprüche der Wäter. II. Buch, zweite Ab^heiluuz. . XHL Mainz, 13. Iuni. Wir haben in den beiden vorigen Kapiteln au der Hand des Midrasch die vielen Thätigkeiteu aufgezählt, welche die heilige Schrift dem menschlichen Herzen znschreibt. Wir erkennen daraus, daß das Mcnschenherz ganz außerordentlich vielseitig und daher auch bildungsfähig ist. So will auch Rabbi Elasar den Arach, da er das gute Herz als den geraden Weg bezeichnet, dem der Mensch anhaften soll, nicht die Rarnranlagcn verstanden wissen, die wir im Deutschen als „ein gutes Herz" darzustellen pflegen. Das Herz muß gebildet nnd erzogen und zu einem guten Herzen gestaltet werden. Der allweise Gott bezeichnet die Naturanlage des Herzens als eine böse, wie es heißt: Denn die Bildung des Herzens des Menschen ist böse von seiner Jugend an. (l. B. M., (5. 9, V. 21). Als David fein Gewissen durch den Vorgang mit Bathseba schwer belastet hatte und er in aufrichtiger Neue und Buße zurückkchrte, da verfaßte er den 51. Psalm, jenen wunderbar herrlichen Gesang der tiefsten Zerkmrfchung.' Ju ihm betete er: Ein reines Herz erschaffe mir, o Gott! David fühlte sein Herz durch die Sünde so sehr beschwert, daß er gleichsam ein neues, reines Herz von Gott erbat. Tie böse That pflegt nicht nur an sich schlimm zu sein, sie hat auch meistens die üble Folge, daß sie das eigene Herz beschmutzt und verdirbt. Daher ist es doppelt nothwendig, jedes böse Thun zu vermeiden, nicht allein um des Bösen selbst willen, sondern auch um den bösen Einfluß zu verhüten, den die böse That auf das Herz zu üben pflegt. Es wird daher Jeder, der sein Herz zu einem guten zu gestalten sich bemüht, bei allem seinem Thun auch die Folgen bedenken, die Sünde fürchten, um deren bösen Einfluß von seinem Herzen sernzuhalten. Im heiligen Soharbuche wird uns der Weg zur Erziehung und Bildung des Herzens angegeben. Die erste Stufe ist das xow das hörende, das zum Gehorsam bereite Herz, das auch der junge Salomo, der später der Weiseste der? I i 1 }

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