Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 47-48 (17.6.1886)
- Date
- 1886-06-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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xxvn.s^rg®3. - - M 4^ &. 48. Kentrat - Hrgan für das orthodore IudenLßum. Heranogegebcu von Dr. Lehmauu in Mainz. Donnerstag, dev 17. Juni 5646 (1886). Leitende Artikel. j -Ludwig II, König von Wavern. lj Lon Vr. Hermann Deutsch, Rabbiner. Ein Tag des Leides nnd der Trauer ist über das bayrische Land und Volk hcreingcbrochcn: König Ludwig II. ist nicht mehr. Mit Schmerz beladen steht eine ganze Nation an der Bahre eines der edelsten Könige, eines der erhabensten, großmüthigsten Herrscher, die je gelebt. Zahlreich fließen die Zähren, ungehemmt die Thräncn treuer und liebender Unterchancn, ob des schweren Leids, das Gottes unersorschlicher Rathschlnß über Land und Volk verhängt hat. Und in die allgemeine Klage mischt sich die der Bekenner jüdischen Glaubens, die unter dem glorreichen Szepter dieses erhabenen Monarchen gestanden, die mit den Gefühlen der Ehrfurcht und des Dankes an der Person des Königs hingen und die heute thränendcn Auges — die beredten Zeugen des unendlichen Weh«, das ihr Herz erfüllt — den Sarg desselben umstehen. Als vor wenigen Tagen noch die erschütternde Kunde in das Land gedrungen, daß finstere Schicksalsmächte die geheiligte Person des Königs in schweres Leid geschlagen — da erfaßte Wehmuth jedes Herz, und Alles sandte innige Bitten zu Dem empor, „der verwundet und wieder heilt", daß er die Person des vielgeliebten Monarchen von jenen gefährlichen Mächten befreien möge. Es hat dem allmächtigen Nathschlusse anders gefallen; und so steht denn das treue bayrische Volk in Schmerz gehüllt an der Bahre des vielvcrchrtcn Herrschers, so stehen denn die dankbaren jüdischen Unicrthanen, getreu den Anforderungen ihrer Religion, die ihnen gebietet, in der Milde, wie in der Strenge, im Wohlwollen wie im Ernst den liebenden Vater und gerechten Richter zu erkennen, schmcrzerfüllt den zu preisen, „der da tödtet und belebt", ihm im Unglücke dankend für das Glück, daß ihnen ein solch gnadenreicher Herrscher so lange war beschießen. Ja, danken, unendlich danken müssen die Israeliten Bayerns für das große Glück, das ihnen die göttliche Vorsehung in König Ludwig II. beschreden. Als der hochbegabte, mit allen Vorzügen und Talenten vielgeschmückte Monarch den Thron seiner Väter bestieg, da hatte wohl der Gedanke der religiösen Freiheit, sowie der Freiheit des Gewissens , die Idee der Gleichheit aller Bekenntnisse vor dem Gesetze, die Anschauung, die Religion könne kein Hindcrnngsgrund für die Erreichung staatlicher Ehren nnd Würden sein, weite Streife sich erobert, viele edeldcnkende Geister erfaßt, die dafür eintratcu in Wort Schrift; da war wohl der Gedanke der Emanciparion, durch Gesetz verbürgt, bereits in die Tiefen des Volkslebens cingedrungen, das es mächtig ergriff und veredelte; allein jener erhabener Gedanke hatte andererseits noch mit so viel feindlichen Gewalten zu ringen, daß er immer noch ein unter der Asche verjährter Vorurthcile glimmender Funke war. Durch König Ludwig II. ist dieser Funke zu einer weithin leuchtenden nnd strahlenden Flamme angefacht, ist die im Prinzip zugcstandene Emanzipation der Juden zur lebendigen Thatsache geworden,, ist jenes Prinzip nicht allein im politischen Volksleben verwirklicht, sondern auch gegen jede Anfechtung geschürzt und für alle Zeit sichergestellt worden. Durch König Ludwig II. sind die letzten Burgen veralteter Vorurtheile geschwunden und neue, das Prinzip der Glaubens- und Religionsfreiheit sichernde, errichtet worden. Wie für die Errichtung-und Förderung nützlicher Anstalten und Einrichtungen, wie für die Ausbreitung sittlicher Bildung und Veredlung, so war der menschenfreundliche König auch für die Wahrung nnd Sicherung der Menschenrechte