Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 45-46 (7.6.1886)
- Date
- 1886-06-07
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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— Die Seminanögliugc haben hierdurch auch Geleßeuheit zu der so nochwerrdigen Ausbildung als vorderer. Für die Architeclur der Synagoge in der manrisckre Sryl gewählt worden; aus vorn 12 Mir. breiten mib 14 M.rr. langen Bankorder erhebt sich von 4 eisernen Säulen getragen, die Kuppel in Zwicbelform; cms dem Grundstück selbst kann man keinen Standpunkt gewinnen, welcher dem Beschauer einen voükommcncn llcbcrblick des Ganzen gestalten Das Innere wirkte sehr ansprechend, leider schien auch hier noch die Mittel zu würdiger Fertigstellung. — Tie Synagoge enthält außer der Borhalle und den kleinen Garderoben 160 Plätze für Männer und 80 Plätze für Frauen. Ter Zugang von der Straße führt durch ein imposantes Portal mit schönem, im maurischen Styl gearbeiteten schmiedeeisernen Thor; der Weg ist mit Ecmenrplattcn belegt. Das Ganze macht einen ebenso gediegenen, wie anmuthigen Gindruck. Möge das Seminar zu fernerer Entfaltung seines segensreichen Wirkens von allen Guten und Edlen durch Zuwendung größerer Beiträge regelmäßige und ausreichende llnterstützung finden. Wir drei Wender. (riiie jüdische BoNssage. Milgcihcilr von iZelician. Einst zogen drei Brüder zusammen m die Welt, um ihr Glück zu machen. Tie Reisesäcke, die sie mit sich führten, waren wohlgefüllt mit Kleidern, Wäsche und Lebensmitteln. Es war ein heißer Sommcrtag, und ihr Weg führte sie durch einen schönen, kühlen Wald. Unter dem Schatten einer Buche lagerten sie, um das Frühstück zu verzehren, das ihnen köstlich mundete. Ta kam ein alter Mann des Weges, eine wahre Jammergestalt, welcher der Dünger dieletzien Kräfte geraubtzu haben schien. „Gebt mir ein Stückchen Brod", bat er. „Wir drei Brüder", sagte der Aeltcfte, „brauchen unsere Borräthe selbst." Flehend blickte der Greis den Zweiten an. „Tort", sagte dieser lachend, „am Saunie des Waldes steht der Hafer sehr schön und ist bald reif; gehe hin und pflücke Dir, bis Tu einen ganzen Sack Hafer hast." „Seid doch nicht so unbarmherzig!" sprach der Greis. — „Wenn's Dir nicht recht ist, so mache cs anders", schrie der jüngste Bruder. — Da warf der Bettler seine Lumpen ab,, und sieht, vor den Brüdern stand eine lichtnmfloficne, hehre Gestalt. Ich bin Elijah» ha Nowi," sprach der vermeintliche Bettler. „Ick; wollte Euch auf die Probe stellen, und hätte Euch reich belohnt, wärt Ihr barmherzig gewesen. So aber verdient Ihr Strafe. Nichts sollt Ihr sprechen können, als das, womit Ihr meine Bitte abgcwresen. Der Aclrcste soll auf jede Frage antworten: Wir drei Brüder: der Zweite: Um einen Sack Hafer; der Dritte: Wenn's Dir nicht recht ist, so mache cs anders." Also sprach der Prophet und stieg in einer Flamme gen Himmel. Nachdenklich zogen die Bimder weiter. Ta fanden sic mitten auf dem Wege einen ermordeten und beraubten Menschen. Sie blieben stehen und sahen erschreckt auf die blutüberströmte Leiche. Ein Gensdarm kam,des Weges. „Wer hat diesen Menschen erschlagend" fragte er. „Wir drei Brüder", antwortete der Aelteste. — „Ihr Unseligen, warum habt Ihr das gerhan?" — „Um einen Sack Hafer", sagte der Zweite. — „Entsetzlich! Ihr Unmenschen, um einen Sack Hafer habt Ihr eine Mordrhat begangen?"— „Wenn's Dir nicht recht ist, so mache cs anders!" sprach der Jüngste. — „Welch freches Gesindel!" schrie der Gensdarm. „Augenblicklich geht Ihr mit mir in die Stadt, aufs Gericht." Betrübt gingen die Brüder mit; vergebens suchten sie ihre Unschuld zu verheuern; sie fanden keine anderen Worte, vermochten sonst keinen Laut hcrvorzubringen. Bor dem Richter wiederholte sich dieselbe Scene, und die Brüder wurden zum Tode verurtheilt; am andern Morgen sollten sie gehängt werden. Ach, wie bereuten sie jetzt ihre Hartherzigkeit! Da wurde cs plötzlich hell in ihrer dunklen Zelle; der Prophet stand vor ihnen und sprach: „Ihr habt genug gebüßt; ich nehme den Bann von Euch. Berlangr, vor den Richter geführt zu werden und erzählt ihm Alles. Seid aber künftig barmherzig gegen die Armen!" Der Prophet war verschwunden, und die Brüder sahen mit Ungeduld dem Anbruch des Tages entgegen. — In derselben Nacht war der wirkliche Mörder, bei dem man das Geld und die Werthfachen des Erschlagenen gefunden, eingebracht worden. Der Richter ließ die Brüder vor sich führen, und diese konnten nunmehr ihre Unschuld bcthenern. Sic fanden Glauben und wurden entlassen. Was sie von nun an verdienten und erwarben — sie gaben getreulich den Zehnten von Allem. Und Gott segnete sie; denn ihre Reichthnmer kamen auch den Rothleidendcn zu Gute. —