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Der Israelit · 1886-06-07 · Heft 45-46 (7.6.1886) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 45-46 (7.6.1886)
Date
1886-06-07
Page
– (sequence 30)
Language
German
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scher Konsul in Safed und trieb Handel mit den Fellachen, der Dritte wurde Verwalter bei einem reichen, christlichen Gutsbesitzer in Tiberlas. Sie verliessen ihren bisherigen Aufenthaltsort, ihre armen Verwandten thaten desgleichen, und jetzt wird das Gut durch gemiethete Fellachen bearbeitet; nur noch zwei bis drei arme Familien wohnen dort zur Aufsicht über das Gut und ernähren sich sehr dürftig. Jedoch gehört nicht das ganze Gut der Familie Abo, da ausser den genannten Brüdern noch drei andere Besitzer an demselben Theil haben. Das Gut Meron rentirt nicht für den Ackerbau, trotz aller Herrlichkeiten und Naturpracht der Umgebung, weil zwischen den Bergen nnr wenig zur Aussaat geeignetes Ackerland vorhanden ist. "Wasser ist zwar genügend vorhanden, allein das Thal, durch welches dasselbe fliessfc, ist sehr eng, die Berge auf beiden Seiten sehr steil, daher auch nicht genug Land für Pflanz- und Banmgärten. Hauptsächlich aber kommt der geringe Ertrag von der geringen Ausnutzung. Immerhin liefert das Gut jährlich etwa 100 Napoleonsd’or. B. Abraham Abo traf mich auf dem Wege von Chaifa nach Safed und beklagte sich bei dieser Gelegenheit über das Loos der Bewohner von Safed, welche immer mehr verarmen. Die Unterstützungsquellen werden täglich weniger, die Geschäfte nehmen immer mehr ab*, so dass das Traurigste zu befürchten ist. Ich fragte ihn, warum er dem Ackerbau nicht grössere Aufmerksamkeit, zuwende, da er und seine Umgebung schon deshalb hervorragendes Interesse hierfür zeigen sollten, weil sie als Einwohner des Landes der Gunst der Begierung gewiss seien. Darauf erzählte er mir, wie oben berichtet, und fuhr fort: Wenn Sie uns ein Darlehen von 1300 Napoleonsd’or verschaffen könnten, das innerhalb zehn Jahren unverzinslich abzutragen wäre, so würden wir unsere Häuser in Safed als^Unterpfand einsetzen, die das Doppelte werfch eind. Wir gründen dann eine Gesellschaft von zehn bis zwölf jungen und thatkräftigen Männern, die Meron kolonisiren, bauen ihnen Häuser, stellen ihnen Vieh und die nöthigen Geräthschaften zur Verfügung, und sie hätten dagegen das Feld selbst zu bearbeiten und sich dabei zu verpflichten, von Jahr zu Jahr eine gewisse Zahl Dunam brach liegenden Feldes in Wein- und Olivenpflanzungen umzuwandeln. Ich forderte ihn auf, die bezeichnete Anzahl von jungen Leuten herbeizuschaffen, was er auch zu thun versprach. Allein später,' als ich ihn, nachdem er in dieser Angelegenheit längere Zeit auffallendes Schweigen beobachtet, nach dem Erfolge seiner Bemühungen befragte, antwortete er mir mit betrübtem Herzen, dass er die gesuchten Leute nicht gefunden habe. Es gäbe zwar Deren, die sich verpflichten wollen, eigenhändig die Anpflanzungen vorzunehmen, aber selbst zu ackern und anzusäen — Niemanden! (Fortsetzung folgt.) Brief eines Kolonisten auf -ML wu Geehrter Herr Kedacteur! Wie ich Ihnen schon in meinem Jüngsten angedeutet, ist der Friede zwischen dem Verwalter unserer Kolonie, Herrn Ascher, und den Kolonisten wieder vollständig hergestellt. Erßterer vertritt jetzt mit regem Eifer alle unsere Interessen, sodass wir für das stete Emporbluhen und Gedeihen unser Kolonie die begründetsten Hoffnungen liegen dürfen. Auch hat er selbst den Unterricht in der französischen Sprache Übernommen und wird als Dircctor der Schule sicherlich auch der hebräischen Sprache die nothige Sorgfalt znwenden. Bezüglich der allgemeinen Kolonisation muss ich noch einmal die allgemeinen Bemerkungen wiederholen, wie ich sie schon früher angedeutet habe. Bekannt ist, dass Niemand eine Kunst oder eine Wissenschaft durch Unterricht allein sich aneignet, erst die Praxis ist die eigentliche Lehrmeistcrin. So schreiben Viole über Kolonisation, die nie persönliche Versuche darin gemacht, sondern nur nach ihrem Ermessen oder vom Hörensagen urtheilon und deshalb auch häufig unrichtig

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