Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 45-46 (7.6.1886)
- Date
- 1886-06-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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der Umgegend waren in der Kirche zahlreich zur Messe versammelt und es lag die Besorgnis; nahe, sic könnten sich, wie in Srrn, an jüdischem Vermögen vergreisen. Tie Besorgnis. scheint auch der ehrwürdige Probst, Herr Kwiatowsky, getheür zu haben, denn er warnte die Bauern in strengerund beredter Sprache, sich ja nicht zu Ausschreitungen verleiten zn lassen und forderte sie vielmehr auf, zur NcLLung nach Kräften bcizutragcn. Die Ermahnung des geistlichen Herrn erreichte ihr Ziel und die Lauern bclheiligtcn sich in musterhafter Weise am Rcmmgswcrk, und das Feuer wurde auch, nachdem cs 7 Häuser cinäschette, gelöscht. Egypten. Alexandrien, 18. Mai. Vor wenigen Tagen verschied in Kairo der Advocat Dr. I. Luncl (vrr) und da er schon im Leben aLc jüdischen Sitten und Gebräuche abgelegt hatte und ganz das Dasein eines „Freisinnigen" führte, so wollte er auch auf dem Sterbebette seine Principicn nicht fahren lassen und befahl er daher, daß man ihn nicht zu baisr 12p (einem jüdischen Begräbnis e) bringe, sondern, daß man seine Leiche nach Livorno überführe und dort verbrenne *prn rso. Mit Bewilligung der Behörden wurde die Leiche richtig nach Livorno gebracht, wo sich jedoch die Chebrah Kadischah entschieden weigerte, sich irgend wie mit derselben zu beschäftigen und motivirte sie ihr Verhalten damit, daß ihre heiligen Functionen erst mit und bei der mnc (Waschen der Leiche) beginnen. Da aber der Verstorbene jede Vornahme einer jüdischen Ecrmonie an seiner Leiche entschieden abgelchnt hatte, so müsse sie sich von irgend welcher Intervention bei dem Begräbnisse oder viel besser bei der Verbrennung ferne halten. Sie trete daher den Tobten ohne jeglichen Vorbehalt an die Freinmurcrlogc — der Verstorbene war Freimaurer und bekleidete irgend einen Grad in der Loge — in ihrer Stadt ab, damit diese ihn zur ewigen Ruhe d. h. zum Ofen, bringe. Die Logenbrüder trugen auch richtig die Leiche ihres Heimgegangenen Bruders zum Ofen hin, wo dieselbe dann nb ganz verbrannt wurde. Tic Asche nahm die Wittwe zu sich, nm sie als thencres Andenken an den Heimgegangenen Gatten in ihrem Schlafzimmer auszubcwahrcn, zu welchem Zwecke sic sogleich aus Kairo eine Porzellanvasc mitgebracht halte. Leider konnte ich nicht erfahren, ob der Verstorbene Kinder hinterlassen hat oder nicht; sollte aber ersteres der Fall sein, so werden diese es sehr bequem haben, wenn sie einst ans ne« *>2p (väterliche Grab) werden gehen wollen, nm dort für die Seelenrnhe ihres thenercn Ernährers zu beten, da sie sich dann nur m das Schlafgemach ihrer Dkutrer zu begeben werden brauchen. Dieser Vorfall hat nicht verfehlt in Livorno, wie Deveschen von dort hichcr meldeten, großes Aufsehen und auch allgemeines Acrgerniß in der dorrigen Gemeinde, die noch immer eine nrnp nbp ist, zu erregen, da cs sich jetzt zum ersten Male ereignete, daß ein Zchudi den Feucrofcn dem jüdischen Friedhöfe vorzog. Aber auch in Kairo, das gleichfalls noch eine nmp rönp besitzt, hat die letzte Anordnung des Verstorbenen, der einer sehr achtbaren und auch frommen jüdischen Familie entstammte, große Erbitterung hervorgerufcn, und der Ehacham Baschi sprach sich vor einigen Tagen in feiner Dcraschah äußerst mißbilligend über den Tobten ans, der noch auf dem Sterbebette weder von Reue, noch von Buße etwas winen wollte und für feine Leiche eine Bestattung anordnete, wie man sie gewöhnlich einem Aase zu Thcil werden läßt. Zum Glücke herrscht unter den Juden von Kairo noch wahre r.xr (Gottesfurcht) und braucht man daher nicht zu befürchten, daß noch viele andere Jchudim daselbst denr Beispiele dieses „Freisinnigen" folgen und auf dem Sterbebette die Verbrennung ihrer Leiche anordnen werden. — Auch wir hier in Alexandrien hatten vor einigen Tagen einen dem Lunel'schcn ähnlichen Vorfall, denn Dr. E. Castro, der hier im blühenden Manncsalter aus dem Leben schied, wurde auf seinen und den Wunsch seiner Familie nicht auf dem jüdischen Friedhofe, sondern auf dem der Freidenker (lider-i peiwatori), also gänzlich ohne jegliche jüdische Ceremonie, beigefctzt. Jndeß wird die Familie Castro hier schon längst nicht mehr als eine jüdische betrachtet und daher war unser Schmerz über den Verlust dieser Leiche kein allzugroßcr. — Unsere Gemeinde läßt jetzt auf einem ihr gehörenden und neben der Synagoge des Propheten Elias (ran vrh* b& rocn rre, dieselbe soll der Sage nach vom Propheten Elias, der in derselben auch eine längere Zeit als Hasan fungirt hätte, angelegt worden sein) gelegenen großen Grundstück, das bisher gänzlich unbenützt daleg, einen Palast im wahren Sinne des Wortes aufführen, in dem dann verschiedene Wohlthätigkcitsanstalten untcrgebracht werden sollen. Man sieht, daß der Wohlthätigkcitssinn in unserer Gemeinde, Gott sei Dank, noch immer ein großer ist, der noch immer herrliche Blüthen treibt. Dieselbe hat aber auch in dem vergangenen Jahre durch die Uebersicdelung vieler jüdischer Familien aus Oesterreich, Italien, der Türkei re. hierher einen bedeutenden Zuwachs erhalten, wovon man sich am vergangenen Pcssachfcste deutlich überzeugen konnte. Die hiesige Gen j 1