Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 45-46 (7.6.1886)
- Date
- 1886-06-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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* < meinbc liefert nämlich für alle ihre Mitglieder die erforderlichen Mazzoth nnd nahm man nun allgcmein an, daß zur Zeit hier 12,800 Israeliten leben. Es zeigte sich jedoch zuletzt, daß man sich in dieser Hinsicht stark geirrt hatte, denn statt 12,000 ergab cs sich, daß 15,000 Israeliten hier leben. Indessen, Dank der Fürsorge unserer Gemeinde brauchte kein Jehudi am Peßach zu hungern, denn cs gab Ma-zoth in Fülle. Sehr hervorgehoben muß auch werden, daß unsere Gemeinde ihren Annen, deren cs hier etliche Tausend gibt, und unter denen sich Juden aus aller Herren Länder befinden, zum Peßachfeste nicht nur mit den nöthigen Mazzoth, sondern auch mit Kleidung für die Kleinen, dann mit Fleisch, Wein auf r.-D'u yins, Kaffee und Zucker und einem kleinen Geldbeträge zur Anschaffung von Feuerungsmitteln versieht, damit auch sie die Festtage in Freuden und sorgenlos verbringen sollen. Leider macht sich schon jetzt durch die täglich wachsende Anzahl unserer Gemeindemitglicder ein großer Raummangel in den hiesigen Synagogen fühlbar und wird man daher baldigst, obgleich das Banen hier sehr theuer ist, da wir Holz und Steine aus Europa her erhalten, zum Bau eines neuen Gotteshauses schreiten müssen.—In der Franken-Srmagoge hier hielt unlängst der berühmte Hasan Maimon Ventura ans Korfu einen Probcvorttag, der allge- Uleinen Beifall fand. Mit der Acquirirung dieses vortrefflichen Hasans würde die genannte Synagoge, die eines tüchtigen Borbcters bedarf, einer ihrer größten Sorgen um die Hebung des Gottesdienstes ledig sein. Feuilleton. Aer ßröonket. HL Zwei Jahre waren verflossen. Selig Vogelfang fühlte sich sehr behaglich im Hanse seines Bruders Nathan. Seine alte Launenhaftigkeit schien ihn ganz verlassen zu haben, und Alles war ihm recht, was Frau Reichel und Sophie ihm besorgten. Er war gegen Beide die Güte und Zuvorkommenheit selbst nnd beschenkte sie sehr häufig mit Kleidern, Hüten nnd Schmncksachcn. Seinem Bruder Nathan gab er ein kleines Capital, damit dieser sein Geschäft erweitere, was ihm auch vollkommen gelang. Mit Jakob und dessen Familie kam Selig nicht mehr in Berührung. Tie Brüder schienen, lvcnn sie einander begegneten, sich nicht zu kennen, und die ganze Stadt gewöhnte sich daran, Sophie als die künslige Millionen-Erbin zu betrachten. Daß viele junge Leute sich m Folge dessen um die Gunst des Mädchens beworben, war davon die natürliche Folge. Das Geschäft Nathan Vogelfangs hatte sich derart vergrößert, daß er der Hilfe bedurfte, und er hatte dcßhalb einen Brudersohn seiner Frau zu sich als Commis in's Haus genommen. Abraham Srcinfurt war ein bescheidener, liebenswürdiger, junger Mann, ein tüchtiger Arbeiter, ein ftommer Ichudi. Bald nach seiner Ankunft in A. suchte ein anderer junger Mann, Max Niedenstein, feine Bekanntschaft. Tie Leiden wurden intime Freunde; aber es stellte sich bald heraus, daß die Freundschaft mehr der Cousine als dem Cousin galt. Da Max Niedenstein ein sehr angenehmer junger Mann war, so fanden seine Huldigungen bei Sophie bald Eingang. Auch den Eltern war er recht; denn er stammte aus guter Familie nnd war der älteste Sohn eines sehr wohlhabenden Mannes. Als Sophie ihren neunzehnten Geburtstag feierte, sandte ihr Max ein prachtvolles Bouquet und ein Briefchen, in welchem er ihr mittheilte, daß, - wenn sie ihn zum glücklichsten der Menschen machen wolle, er bei ihren Eltern um ihre Hand anhalten werde; er würde ihr Stillschweigen als Einwilligung bettachten. Und Sophie schwieg.. An demselben Tage erschien der Vater des jungen Mannes und erbat für seinen Sohn die Hand des Fräuleins Sophie. Nathan Vogelfang sagte, daß ihn der Antrag sehr ehre; doch müsse er zuvor, die Einwilligung seiner Tochter vorausgesetzt, auch seinen Bruder Selig um dessen Ansicht fragen. Da aber auch dieser wohl nichts einzuwenden habe, so denke er, daß die Verbindung bald zu Stande komme. Vergnügt ging der alte Niedenstein von dannen, um seinem Sohne die Freudenbotschaft zu bringe». „Selig," sagte Nathan, „Herr Niedenstein war eben da; sein Sohn will unsre Sophie heirathen." „„Das Kind? Es ist doch erst achtzehn Jahr alt geworden! Nem, daraus wird nichts."" „Wie, was sagst Du?" „„Daraus wird nichts."" „Warum nicht?" „„Weil ich sie selber heirathen will."" „Du?" „„Ich! — Ich habe nur gewartet bis zu ihrem nennzehnten Geburtstag. Gleich, wie ich sie gesehen habe, am Bahnhof schon, bei meiner Ankunft, habe ich mir vorgenommen, das Kind zu heirathen. Hast Du etwas dagegen?"" „Genuß habe ich etwas dagegen." „„Was hast Tn an mir anszusetzen?"" „Du bist ein halbes IahrhlNidert älter alö sie." ’v«*“ /'VC-w