Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 45-46 (7.6.1886)
- Date
- 1886-06-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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882 Leser des Israelit dahin ru wirken., daß von sämmtlichen israelitischen Gemeinden Deutschlands eine derartige Petition au den hohen Reichstag abgesandt werde. Die Sprüche der Väter. II. Buch, zweite Abtheilung. XU. Mainz, 3. Juni. Zu den 58 Thätigkeiteu und Eigenschaften des Herzens, die wir im vorigen Mapitcl nach dem Midrasch Kohcleth angeführt haben, kommen noch 65 andere, welche Rabbi Jakob Emden in seinem Buche „Migdol Os" aufzählt und ebenfalls mit Stellen ans der heiligen Schrift belegt. Das Herz ist der Quell des Lebens, der Mittelpunkt des Körpers und entspricht dem Allerhciligsten im heiligen Tempel zu Jerusalem, welches der Mittelpunkt der Welt ist. (Vergleiche Sohar, Paraschath Schelach). Im Allerhciligsten ist der Thronsitz der göttlichen Majestät, und dort befanden sich die heilige Lade, die Lundcstafeln und die Cherubim, der Mittelpunkt der geistigen und sittlichen Wcltordnung. So auch versorgt und bewegt das Herz den ganzen Körper, beleuchtet und erwärmt ihn; deßhalb soll dasHerz dem Allerheiligsten gleichen, der Thronsitz der göttlichen Majestät sein, wie es heißt nHn y.:nj ksb rDira. csira un?D ’b c^ra. „Und sie sollen mir machen ein Heiligthnm, und Ich werde thronen in ihrer Mitte; nicht heißt es „in seiner (des Heiligthums) Mitte, in ihrer (der Israeliten) Mitte — Gott will thronen in den Herzen der Menschen." So hat auch der weise König gesagt: „Gib, mein Sohn, dein Heiz Mir, und Deine Augen werden Meine Wege bewahren." Herz und Auge stehen miteinander in Wechselwirkung; manchmal verführt das - Herz das Auge, manchmal verleitet das Auge das Herz. „Und ihr sollt nicht nachgehen euren Herzen und euren Augen." mro nj D32:sb nriN. Die Gelüste und Begierden des Herzens verleiten den Menschen, vom rechten Glauben abzuweichen, sich loszusagcn von dem einzigen, allmächtigen, allwissenden Gotte, dem strengen Richter unserer Thaten, um ungehindert all das genießen zu können, wonach das Auge lüstern blickt, nin n: Dü'ry nnw. Manchmal verleitet das Auge das Herz, wie unsere Weisen sagen: abi nsn yyn -um „Das Auge erschaut die verbotenen Dinge nnd macht das Herz danach Instern." Und wie das Herz mit dem Ange ans das Engste verbnnden ist, ebenso steht cs mit den« Gehirne, dem Hanptsive des Denkens in innigster Verbindung; daher betet auch David =rjr*!d nm cnbN H eca -iradb. „Enchane mir, Gott, ein reines Herz und eine» festen Geist erneue in mir;" zuerst cm reines Herz und dann erst einen festen Geist. Wir folgen der gewöhnlichen Ueberseyung, da wir sagen: einen „festen" Geist. Im heiligen Soharbuche jedoch wird das Wortp: anders gedeutet. Dort wird es ans dem Verse erklärt *j» zw' Nb nnpr -an. „Wer Lugen redet, wird vor Gott nicht bestehen." Demnach bezeichnet p' „die Wahrheit", da auf cnpsr-on gesagt wird, p» Nb. Es ist also pj nn der Geist der Wahrheit. Um den Geist der Wahrheit zu erneuen, muß man zuvor ein reines Herz haben; denn das beschmutzte, gettübte, unreine, falsche Herz verhindert die Erkenntniß, läßt die Wahrheit nicht aufkommen, verstrickt den Geist in thörichten Wahngebilden, macht ihn schwankend und unfähig. Willst Du die Wahrheit erkennen, so bete zuvor zu Gott, daß Er ein reines Herz dir schaffe! Das Organ, welches das Menschenherz inVerbindung mit der Mitwelt setzt, ist der Mund. Wer reines Herzens ist, wird seinen Mund nur das reden lassen, was sein Herz denkt; Heuchelei und Lüge werden ihm ein Gräuel sein; so ersteht dem reinen Herzen der Geist der Wahrheit und mit ihm der feste, unerschütterliche Charakter pi nn. Das reine Herz wird die Ausnahme aller thörichten und schädlichen Eindrücke fernhalten. Die Thoren füllen ihre Herzen mit allerhand' Eitelkeit, Zkichtigkeit und Lüge an; die Vernünftigen aber schreiben auf ihre Herzen die Schrift Gottes, die Thora und deren Gebote, die Weisheit und die Sittenlehre, bis daß ihre Seelen leuchten wie das wolkenlose Firmament, und daher sagt auch der weise König: „Schreibe sie (die Lehren der Thora) auf die Tafel deines Herzens." Und noch besitzt das Herz einen Vorzug, der vielleicht alle übrigen Vorzüge desselben übertrifft: Das ist die Fähigkeit, sich zerbrechen zu lassen. Wir haben oben das Herz mit dem Allerheiligsten im heiligen Tempel verglichen. Im Allerheiligsten stand die Bnndeslade, und in dieser befanden sich nicht allein die nirob, die Bundcstafeln, sondern auch die nimb nss? die Scherben der Bundestafeln, welche Moscheh zerbrochen, da er vom Sinai herniederftieg. Diese zerbrochenen Tafeln haben Israel gerettet, als es in Gefahr kam vernichtet zi! werden. Ta Israel das goldene Kalb gemacht und angcbetet hatte, wäre es dem Tode verfaUen gewesen, wenn nicht Moscheh für es eingetreten. Durch das Zerbrechen der Bnndestafcln f I