Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 44 (3.6.1886)
- Date
- 1886-06-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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770 Merzig a. d. S Erlauben 3ic, geehrter Herr Rcdactenr, daß ich zur Bekräftigung -er Ansicht des Herrn Rabbiners Dr. Earlcbach, Lübeck und Ihres Berliner EorrrsponLenreu eine Thatsache in Ihrem geschätzten Blatte veröffentliche, welche klar darlcgcn soll, wie das von Herrn Rabbiner Dr. Ehr mann herausgcgcbene Werk „Thierschutz und Menschentrutz" geeignet ist, die Vorurthcile, welche in unseren Tagen gegen die Schcchitah herrschen und unter der Schutzmarke „Thierschutz" verbreitet werden, aus der Welt zu beseitigen. Zur Zeit, als die genannte Ehrrnann'sche Schrift die Presse verließ, war in St. Johann a. d. S. eine wahre m*3 ausgebrochen. Der damalige Schlachthof-Verwalter, Herr Thierarzt Krebs, in Voreingenommenheit gegen die Schcchitah bereitete dem dortigen Cultnsbeamten, Herrn Tiefen^ bronner alle möglichen Schwierigkeiten in Betreff des rituellen Sch ächte ns. Bald war dieses, bald jenes nicht nach seinem Geschmackc. Die Reibungen, blieben nicht aus, die Sache kam an den städtischen Magistrat und trotz der Bemühungen des Vorstandes der isr. Gemeinde und des tiefgekränktenCultusbcamten wollte der Magistrat nur dem vermeintlichen Fachmanne, Herrn Krebs, Zutrauen schenken. Gleich einem Retter in der Roth erschien zur rechten Zeit das Ehrmann'sche Buch; dasselbe wurde dem Magistrate unterbreitet und die weltberühmten (5 apacitätcn widerlegten die unberechtigten Ansichten derart, daß schließlich itk 'im 'n rv-sro Herr Schlachthof-Verwalter, Thierarzt Krebs gerne seine Maßregeln aufgah und endlich sich ganz für die Vorzüglichkeit des rituellen Schächtens als die beste Schlachtmethode anssprach, nsyro. Außerdem noch habe ich in meiner Praxis vielfach Gelegenheit gehabt, vermittelst der Ehrmann'schen Schrift so manche D'vnyo zum Schweigen zu bringen. Folglich ist cs Pflicht, sich mit einer billig zu habenden, guten Waffe für den Fall eines Angriffs vorzuschen. G. Schn erb, Cantor. Oesterr.-Ungar.Monarchie. Pefth. Der neue Juftizministcr bisheriger Senats-Präsident an der kön. .Kurie, Herr Theophil v. Fabiny, bekleidete seit dem Jahre 1880 auch das hohe Amt eines Diftriktnal-InspectorS dcS Montan-Distriktes der evangelischen Kirche. Kraft dieser seiner Stellung gehört derselbe auch zu den Mitgliedern des Oberhauses. Als nun vorigen Jahres der erwähnte Distrikt der evangelischen Kirche eine Versammlung abhielt, da stellte Herr v. Fabiny den Antrag, daß gegen jene evaugelischen Geistlichcn, welche an den antisemitischen Umtrieben sich bcrbciligteu, eine Tiscipllnar-Urttcrsllchung cmgelcr- Lcr werden möge! .... Wir können also vorläufig um Genuglhunng consratiren, daß der ucne Iusrizminmcr ein erklärter Gegner des Anttsemirismus ist! Von einem Senatsoröttdeuten ander kön. Kurie war denn auch gar nichts anders zn erwatten. Der höchste Richtcrftand, der doch mir dem Volke in Beendung kommt, isr endlich überall von dem antisemitischen Gifte frei geblieben. Hoffentlich wird Herr v. Fabiny auch als Minister jenen Grundsätzen treu bleiben, welche er als Richter zur Geltung zu dringen suchte. Pefth. Hervorragende Männer sind im Begriffe, einen Verein zu gründen, der die nothwendigcn Mittel zur Errichtung von jüdischen Mittelschulen ausbringe» soll. Hundert reiche Glaubensgenossen sollen bereits mit je 500 fl. dem Vereine bcigetrcten fein. Man beabsichtigt, zunächst ein jüdisches Gymnasium in der Hauptstadt und später, je nach den Dritteln, solche auch in der Provinz zu errichten. Pefth. Der hiesige israel. Frauenverein hatte im verflossenen Jahre eine Einnahme von 43,680 fl. und eine. Ausgabe von 46,382 fl. In der Volksküche des Vereins speisten in diesem Jahre 58,591 Personen ohne Unterschied der Eonsession. Jur Mädchenwaiscnhanse wurden 51 Kinder und im Waiscnasyle 16 Kinder erzogen. In Makazka (Preßb. Com.) wurden ans dem jnd. Friedhöfe 14 Leichensteine nmgeworfen, ein Grab verunreinigt, andere aufgewühlt oder zerstampft; ebenso wurden die Fenster des Lcicheuhauscs zertrümmert. Die Thäter sind bereits ausfindig gemacht und sehen ihrer Strafe entgegen. Frankreich. Paris, 27. Mai. Ives Guyot hat heute in der Kammer den Entwurf cmgebracht, welcher auf die fakultative Trennung der Kirchen vom Staat Bezug hatdie Kirchengüter auf die Gemeinden vertheilt und es diesen sreistellt, das ihnen zusallende geistliche Vermögen für den Unterhalt des Gottesdienstes oder in beliebiger Weise zu verwenden. Nicht .nur die Gemeinden, auch die Bürger würden darüber einzeln zn entscheiden haben, ob sie an die Kultuskoftcn beitragen wollen, so nämlich, daß in den Gemeinden, welche für die Kirchen und ihre Diener zu sorgen gewillt sind, diejenigen Steuerpflichtigen, welche dies für Lurus batten, erklären könnten, sic wünschten von ihrem Beitrag an die Bestreitung des Gottesdienstes entlastet zn werden. In Folge des Beschlusses der Budgctlommission wirb die