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Der Israelit · 1886-06-03 · Heft 44 (3.6.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 44 (3.6.1886)
Date
1886-06-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Frage im Abgeordneteuhanse noch vor der Mgemeincn Budgetberachrmg zur Sprache kommen mütteru Wenn, wie wahrscheinlich, die Majorität sich für die^ Ausrechterhattnug des gegenwärrigen Verhältnipes der Kirche Zum Staate entscheide, so würde die Kommission ungeachtet ihrer gestrigen Weigerung das Kultnsbudget wieder in die Hand nehmen. Wenn der Guyot'sche Entwurf Gesetz wird, würde er den israel. Gemeinden große Opfer an Geld verursachen. Palästina. Jerusalem. In nächster Zeit wird das erste industrielle Etablipement im heiligen Lande erstehen. Herr Nimzowicz, aus Polen eingewandert, ist vor wenigen Tagen in Palästina emgetroffcn, um mit reichen Mitteln in Lydda (zwischen Jaffa und Jerusalem) eine Oel - Raffinerie anznlegen. Herr Nimzowicz will die besten Maschinen zur Anwendung bringen , und erwartet nur deren Einttcffen aus Frankreich ab, um sein Etablissement in Bcttieb zu scyen. Die Idee ist augenscheinlich eine sehr gute, da das bisher in Palästina gewonnene Oel ungereinigt nach Südfrankreich verschifft und dort gereinigt wird, worauf es einen sehr begehrten Handelsartikel bildet. Feuilleton. Der Gröonkek. 11. Bald verbreiteten sich in der ganzen Stadt ganz fabelhafte Gerüchte von den Ncichthümern, die der Ostindier mitgebracht hätte, und was er selbst erzählte, bestätigte die Vermuthung der Leute. Selig Vogelfang war als Jüngling nach London gegangen und hatte dort einige traurige Jahre verlebt. Als Hausirer war er in der Stadt nmhergezogen und hatte dadurch nur kärglich sein Auskommen gefunden. Endlich war es ihm gelungen, so viel zu ersparen, um die Neberfahrt nach Indien zu bestreiten. Dort war cs ihm viele Jahre nicht besser ergangen. Die ersten hundert Gulden, die er entbehren konnte, hatte er den Ellern geschickt. Von der Stunde an lächelte ihm das Glück. Ein 'schwunghafter Handel mit Elephantcnzähnen brachte ihm große Ncicbthnmcr ein, und nun hatte er sich entschlossen, in die Heimath znrückznkehren und den Nest seiner Tage im Kreise seiner Familie zu verleben; er hatte es nicht zu bereuen. Alle wetteiferten, ihn mit Liebe zu umgeben ititb ihm Freude zu bereiten. Das war aber sehr schwer. Der alte Mann war sehr launisch, und selten nur konnte man es ihm recht machen. Am meisten hatte Frau Vögelchen von ihm zn leiden: er verfolgte sie mit seinem Spotte und sagte ihr stets die größten Grobheiten ins Gesicht. „Jakob," sagte sie einst zu ihrem Gatten, „ich ertrage es nicht länger! Dein Bruder^ verbittert mir das Leben. Er beleidigt und verspottet mich vor meinen Kindern und Enkeln. Wir haben es ja, Gott sei Dank, nicht nöthig. Mag er mit feinem Gelde machen, was er will — ich sehe nicht ein, warum ich tnich zu Tode ärgern soll!" „Sei keine Närrin, Vögelchen," antwortete Jakob. „Heute oder morgen macht Selig die Augen zu; dann sind wir die Plage los und unsre Kinder erben seine Millionen. Wir dürfen unfern Kindern die große Erbschaft nicht wegwerfen." Bei diesem Zwiegespräch war die kleine Elsa, ein vierjähriges Enkelkind, zugegen. Sie spielte mit ihrer Puppe und schien auf das, was die Großeltern sprachen, nicht zu achten. Wenige Tage nachher ließ Onkel Selig das kleine Mädchen auf seinen Knien reiten und erzählte ihm von den großen Elephanten in Indien. „Onkel," sagte plötzlich die Kleine, „mache einmal die Augen zu!" „„WasfürEinfälle hast Du, Kind?"" „Ich bitte Dich, Onkel, mache die Augen zu; dann sind Großpapa und Großmama die Plage los und erben Deine Melonen." „„Wer hat Dir das gesagt?"" „Mir hat es. Keiner gesagt; aber ich habe zugchört, wie es der Großpapa der Großmama erzählt hat. Ach, gib mir doch auch eine Melone! Ich esse sie so gerne; sie sind so saftig!" - „„Das glaube ich. Aber ich habe gar keine Melonen. Hat Großpapa vielleicht: „Millionen" gesagt?"" „Ja, ja, Millionen. Heißen die großen, saftigen Früchte Millionen?" „„Ja, Millionen sind große, saftige Früchte; aber die sind für Dich und Deine Großeltern nicht gewachsen. Geh' jetzt fort, Elsa, ich will allein sein."" Er stellte das Kind unsanft auf den Boden. „Du bist ein alter, garstiger Onkel," sagte Elsa weinend. „Mein Papa sagt auch immer, man könne Dir nichts recht machen!" Das Kind lief weinend fort. Selig sprang auf und ging im Zimmer auf und ab. „So denkt mein Bruder Jakob von mir!" sagte er vor sich hin, „und so sprechen seine Kinder!

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