Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 44 (3.6.1886)
- Date
- 1886-06-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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bcrn sich biciiren lauen. Also wiederum ein Beslrebcn der Natur, sich außerhalb des Gesekes zu stellen, im Privatleben sich eine Freiheit zu erlauben, die, wenn sic ösiemlich und allgemein angcwcndct würde, zur Gesetzlosigkeit führen müßte und für ihn selbst die größte Gefahr brachte. Diese cigenthümliche Erscheinung, daß die ganze Schöpfung. daß selbst das vollkommenste Wesen, der vernunftbegabte Mensch, gegen die eigene Existenz gleichsam Sturm laust, während doch ihr ganzes Bestreben auf die Erhaltung zielen sollte; diese Erscheinung soll uns gerade Hinweisen auf den Schöpfer, der für die Gcsamnttschöpfung, wie für das einzelne Wesen Gesetze gegeben, die allein ihre Erhaltung ermöglichen. Die Menschheit hat diesen Hinweis nicht verstanden, hat diesen Widerspruch der Geschöpfe, die, anstatt aus ihre Erhaltung bedacht zu sein, gegen ihre Existenz wühlen, nicht näher geprüft, meistens nur nach eigenen, aus der Notwendigkeit herauscrwachscncn Gesetzen sich gerichtet, um vor der augenscheinlichen Gefahr des Untergangs im gegenseitigen Kampfe, sich zu schützen; hat sich nicht vom obersten Gesetzgeber Gesetze vorschrcibcn lasten, weil sie ihn nicht als den einzigen berechtigten und maßgebenden Gesetzgeber erkannte. Daher ist es auch den meisten Völkern nicht gelungen, sich ihre Existenz zu bewahren. Unserem Volke, das durch Abraham die Gottcserkenntuiß erhalten, das Gott als den Schöpfer und Herrn des Universums erkannte, wurde als Folge dieser Erkenntnis; der Vorzug zu Theil, daß Gott ihm Sein Gesetz mitthcilcn konnte. Seit dem Momente der Gesetzgebung am Sinai gibt es für uns nur ein Gesetz, nur ein Gottesgesetz. Dagegen muß unser Wollen und Begehren zurücktreten; dadurch wird bei und in uns der Naturtrieb, der sich gegen die Existenz richtet, zurückgedrängt in gewige Grenzen, und unsere Fort erhalt« ng ist, gegen alle menschliche Berechnung, die ja gerade ihr llrtheil aus den Vorgängen innerhalb der Natur sich bildet und wonach uns die Möglichkeit der Existenz abgesprochcn werden müßte; unsere Forterhaltung beruht zwar nicht ans einem Natnrgcsttze, aber aus einem Gottcsgesetze. Wer Gott, den Schöpfer, anerkennt, der darf in der Schöpfung nicht bloße Naturgesetze erblicken, sondern Gottes Gesetze. Wer den Menschen als Gottes Geschöpf erkennt, der darf sich selbst nicht Gesetze machen als allein maßgebende, dars am allerwenigsten seiner Natnr gehorchen, sondern bat sich allein nach dem Gottcsgesetze zu richten. So spricht sich auch '"“i in gleichem Sinne aus, indem er sagt: ic n"'S 22N pVn cn? er "ran pmra “ L2 rnss r'i ^psn ron tstk .w srsra trr 'L2 ims rnrsm .SDn vwrn jniru „Die Frommen aller Rationen haben Änthei! an der künftigen Welt. Die Wersen aller Rationen wird uns nicht erklärt. Was heißt ein F r om m e r? Derjenige, welcher die sieben (noachidischen) Gebote hält, weil sie in der-heiligen Lehre stehen. Weise ist der, der dieselben erfüllt. weil fein Verstand sie für gut heißt." Wie richtig diese Behauptung ist, sehen wir ja im Leben so oft bewahrheitet. Unsere Vernunft läßt uns etwas für richtig erkennen; aber wenn wir es nicht als Gottes Gesetz auffasten, so werden wir durch unsere natürlichen Anlagen verleitet, gar oft gegen die von uns erkannte Wahrheit zu sündigen. Üebermäßiger Genuß ist, wie uns unser Verstand sagt, schädlich, richtet sich gegen die Gesundheit des Körpers, gegen unsere Fortentwickelung. Und dennoch gibt es Viele, die ihre Genußsucht nicht zu bändigen verstehen, mjas jn msn 22 ns* '2. „Denn der Trieb des Menschenherzen ist zum Bösen geneigt von Jugend an." Die Natur wühlt eben gegen das Bestehende, würde, wenn nicht ein Gottesgesetz, ein Schöpferwort erhaltend dazwischen träte, allem Bestehenden rasche Vernichtung bereiten. Der Schöpfung hat dcßhalb Gott Sein Gesetz aufgezwungen; dem Menschen aber hat es der Schöpfer überlasten, sich selbst erst den Schöpfer zu suchen, Ihn zu erforschen, aus daß er dann dessen Gesetz als Gottesgesetz übernehme. Denn nur dann wird es dem Menschen möglich, dieses Gesetz zu hüten und zu wahren. Als Geschenk, das uns einen langen Bestand, ja so lange die Schöpfung besteht eine gleich lauge Dauer verleiht, hat Gott die rrnn, Sein Gesetz Denen verlieben, die Ihn als den Schöpfer erkannten und von Ihm allein sich Gesetze dictiren lassen wollten. Volk nach Volk siel der Vernichtung anheim, weil sic sich von Naturtrieben beherrschen ließen; und so. konnte die Natur ihren zersetzenden und unterwühlenden Einfluß an ihnen geltend machcir. Das Volk Israel mit seinem Gottcsgesetze widerstand allein. Ja, ein kostbares Geschenk ist uns die min; imb durch uns wird auch der übrigen Welt die Kenntnis; von diesem Gottcsgesetze erhalten: auch die übrige Welt kann mm Gott als den Schöpfer betrachten, dessen Gesetzen Alles innerhalb der Schöpfung unterworfen ist, dessen Wort allem erhält, der allein der blindwirkenden zerstörenden Natnrkrast einen Damm entgegensetzt. Für uns ist das Gottcsgcsctz allein berechtigt: die Natur und der Naturtrieb nur innerhalb der