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Der Israelit · 1886-06-03 · Heft 44 (3.6.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 44 (3.6.1886)
Date
1886-06-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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767 (Obadjah E.1. V. 3). Das Herz macht Ordnungen, wie es heißt: Dem Menschen sind die Ordnungen des Herzens (Mischte (L 16. V. 1). Das Herz macht sich groß, w»e es heißt: Und dem Herz har dich übcrmüchig gemacht (2. S. der Chronik E. 25. V. 19). Und weil nun das Her; alle diese Eigenschasten hat, deßhalb sagt Salomo: Ich habe geredet mit meinem Herzen, sprechend: Ich habe vergrößert und vermehrt Weisheit über Jeden, der vor mir gewesen über Jerusalem, und mein Herz hat.gesehen viel Weisheit und Erkenntnis;. (Fortsetzung folgt.) Zum Hage der GesetzgcKttng. Don vr. H. Sänger. Am Tage der Gesetzgebung läßt Gott uns durch Moschch sagen: "7P2 yw 'cx nn>n 52 "b *2 cn:yn 522 nbv.D '5 nrrrn vre tw crnscn psn. „Und nun, wenn Ihr meiner Stimme gehorchet und bewahret meine» Bund, dann sollt Ihr mir sein erwählt von allen Völkern, denn mir gehört die ganze Erde." Um diese Bevorzugung richtig zu verstehen nnd zu würdigen, ist es nothwendig den Act der Gesetzgebung in seiner wahren und vollen Bedeutung anszufaffen und in das Wesen der Gesetze tiefer cinzudringen. Ucbcrall, wohin wir unser» Blickweuden, treten uns gleichsam als der Kern der Erscheinungen die Gesetze entgegen. Wenn wir die Naturträfte nnd ihre Wirkungen verstehen wollen, müssen wir erst ihre Gesetze kennen lernen. Nichts im ganzen Weltall ist ohne Gesetz; keine Ordmpig wäre denkbar ohne daffelbe. Das Gesetz allein hält die Welt zusammen. Die Schöpfungen am Himmel, sie werden allein durch bestimmte Gesetze in ihren Bahnen erhalten; die Schöpfungen auf' der Erde würden sich gegenseitig vernichten, wenn nicht ein Gesetz ihnen Grenzen gezogen, die sie nicht überschreiten dürfen. Selbst die vernunftbegabten Wesen, die Menschen, können ohne Gesetze nicht nebeneinander existircn, nicht mit einander yarmonircn. Ein Tag ohne Gesetz, und die menschliche Gesellschaft würde in allen ihren Fugen erzittern, ja die festesten Grundlagen des gesellschaftlichen Gebäudes würden erschüttert. Die unnatürlichsten und offenbarsten Verbrechen, das Vergreifen an Eigentbum und der Person, würde der vernunftbegabte Mensch ohne ein Gesetz, ja ohne eine Reihe von Gesetzen, nicht von sich fern halten können. j Und warum Wohl? Sollte mau nicht eher i glauben, daß alles Bestehende vor Allem auf die | Erhaltung bedacht sein müßte, und nicht nur auf die Erhaltung des Einzelnen für sich selbst, sondern auch jedes einzelnen auch für die Gefammt- Iicir, da in der Erhaltung der Gesamnttheit allein Gewähr und Bürgschaft für die eigene Existenz liegt? Sollte man nicht meinen, daß mit Nothwcndigkeit dieses Gesetz in der Natur der Dinge liegen müßte? Daß es aber kein solches nothwendigcs Naturgesetz gibt, welches jedes einzelne Wesen ans die Erhaltung der Mitgeschöpfe bedacht sein läßt, das sehen wir in dem ganzen Widerstand dieser Natur gegen cm solches Gesetz. Nur mit Gewalt fügt sich dieselbe einem solchen Gesetze. Selbst das vollkommenste, allein mit Vernunft begabte Geschöpf erhebt sich in jedem gelegenen Momente gegen das Gesetz zur gegenseitigen Schädigung nnd Vernichtung. Also wenn man die Natur sich überließe, diese Natur, welche vielfach von alten Philosophen nnd neueren Forschern als etwas Selbstständiges erklärt wird, die ihre Gesetze, nach denen sie sich entwickelt, gleichsam aus sich selbst heraus mit Nothlvcndigkcit schaffe; sie würde nur zerstören, vernichten. Denn nicht in ihrem Wesen liegen diese Gesetze, sondern sic sind ihr, wie wir augenscheinlich scheu, dictirt von einem höheren Willen, von einer über ihr stehenden Macht. Auch die Menschen können nicht bestehen, ohne das; sic Jemanden über sich setzen und mit einer größeren Machtbefugnis ausstatten. Diese Oberhäupter sind zuweilen an Wiffcn und Können, Jau Kraft und Energie geringer, als Biele ihrer Unter-. thanen. Und doch nennen jene sich Untcrthanen, erkennen die Gesetze dieses Oberhauptes an, fügen und unterordncn sich denselben, weil das Oberhaupt getragen und gehoben wird durch die von ihnen selbst in seine Hand gelegte Machtfülle. Der Menschen eigene Schwäche, ihre Natur zwingt sic zu solcher Maßregel, zu einem Zwangsgcsetze, wenn anders die Erhaltung und die Ordnung nicht gefährdet werden soll. Die Menschen suchen in solchem Gesetze gleichsam Schutz gegen ihre Natur. Der Einzelne wiederum i» seinem engeren Kreise, in seinem Privatleben, setzt sich dennoch häufig über jene Gesetze hinweg, die er für die Gcsammthcit für gut und nothwendig hält, die er jedem Einzelnen anscrlcgt, um jeden Einzelnen zn schützen. Privatim aber will er kein Gesetz anerfcmicn. nur seinem Wollen und Begehren freien Lauf lassen, für seine Person kein Gesetz von An-

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