Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1886)
- Date
- 1886-05-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Gottes aus Tarent). Nun, beule-wäre dies nicht mehr möglich, denn in diesen beiden italienischen Hafenstädten wohnen schon längst nichr keine Inden, geschweige, daß dort noch Icschibot und Bote-Midraschim bestünden. Wir italienischen Inden imnjai heute froh sein, wenn unsere heilige Thora wenigstens noch hier am Tiberstrande und in Livorno eine Zuflucht gefunden har und daß cs sowohl in letzterer Stadt, wie auch bei uns jüdischen Römern einige Männer gibt, -? "orb D'v.nn, die eifrig darauf sehen, da» das Wort Gottes weder aus lmfcrcm Munde noch aus dem unserer Kinder schwinde. Mir diesen wackeren und gottcssürchtigen Männern haben wir es zu verdanken, wenn hier noch immer eine kleine Ieschibah. oder mit einem modernen Ausdrucke, eine Art Rabbiner-Collegium besteht, das zur Zeit von sieben Bachurim oder jüdischen Theologen besucht wird. Dieselben erhalten jetzt. Dank den eifrigen Bemühungen des Herrn Simone Toscano, statt, wie bisher zwanzig, nun dreißig Lire per Monat als Unterstützung aus der Gemcindekassc, so daß sie wenigstens für Quartier und Kleidung nicht mehr zu sorgen brauchen. Was dann die Nahrung anbelangt, so verdienen sie sich dieselbe leicht durch Lcctionen und den Jugcnduntcrricht. Da cs jedoch in der Absicht der italienischen Gemeinden liegt, hier oder in Livorno ein großes nationales Nabbincr-^emiirar zu eröffnen, so dürfte diese Ieschibah daun, auch erweitert und gehörig dotirt werden, wodurch sich auch die Anzahl ihrer Hörer bedeutend vermehren -würde. Indes;, so lange die Gemeinden Italiens nicht daran denken wollen, auch die materielle Lage ihrer Rabbiner zu verbessern und sie zu eine ihrem Stande würdigen zu machen, wird auch die Errichtung eines großen Rabbiner-Seminars eine tmtzlose Schöpfung bleiben, denn, wer wird dcßhalb das Gymnasium absolviren und daun noch einige Jahre im Rabbiner-Seminare verbringen, um schließlich eine Scclsorgerstclle mit einem jährlichen Einkommen von 500 Lire zu erlangen. Zahlreich sind daher die Jünglinge unter uns, die sich früher mit Eifer und Liebe dem Thorastudinm gewidmet, dasselbe jedoch später wieder anfgcgcben haben, da ihnen bei diesem Stande keine glänzende Zukunft in Aussicht gestellt war. So wurde der hier allgemein geachtete Rabbinats - Eandidat Settimio da Porto ein einfacher Briefträger, weil die Stelle eines Talmnd-Thoralchrers, die er früher hier inne hatte, ihm kaum hundert Lire monatlich abwarf, so daß seine Iran und seine Kinder, trotzdem er sehr fleißig war und auch billig Lcctionen gab, noch immer darben mußten. Die Rabbiner Abramo Tos-' cano, Benedetto Lev! rmd David Sonuino haben ans derselben Ursache wieder sich der Meinem zugewendet , während die Rabbiner Settimio Manaffe, Ezcchia Castelmnovo und Settimio Bondr wieder dir Talmide - Ehachamim beiseite ließen und unter die Techniker und Ingenieure gingen. Dieselben betonen insgesammt, daß nur ihre traurige materielle Lage ne gezwungen habe, die Thora den 2-rr p^jBaum des Lebens) mit dem Secirmesscr oderMaßstab zu verrauschen, um so den Ihren ein bcperes Dasein verschaffen zu können. —. Ter italienische Cliargfe d'aflaires bei der südamerikanischen Republik Columbien, Herr David Segre, weilt jetzt eben auf Urlaub in seiner Vaterstadt Turin, deren naturhistorisches Museum er vor einigen Tagen eins intercffantc Sammlung südamcrikanischer Schmetterlinge zum Geschenk gemacht hat. Italien ist somit auch einer der wenigen Staaten Enropa's, die sich rühmen können, daß sie zur diplomatischen barritte Juden znlaffcn. — Lvnnrag den 9. d. hat die königliche Akademie der Wiffcnschastcn (Accademia dei Lincei) hier ihre feierliche 'Jahressitzung abgehalten und dabei auch die Vcrthcilung der von ihr ausgeschriebenen Preise vorgenommcn. Der Sitzung wohnten auch unser erlauchtes Königspaar mit allen Ministern, dann viele Senatoren, Depntirtcn, Mitglieder des diplomatischen Corps rc an. Den Königspreis von 10,000 Lire erhielt zur Hälfte Prof. Pizzi Jtalo für eine persische Epopoc und zur anderen Hälfte wieder Prof. Simon Lcvi für sein „Egyptisch-hieroglyphifches Wörterbuch". Eilten Staatspreis von 2000 Lire erhielt wieder Prof. Marco Dago für eine mathematische Arbeit. — Eav. Gabriala Pincherla wurde zum Secretär im Justizministerium ernannt. — Der Qbcrrabbiner von Venedig, M. Porto Eoen, wurde von der Chebrah Biknr Eholim in Jerusalem zu ihrem Ehrcnmitgliedc ernannt. Das betreffende Diplom ist in hebräischer und französischer Sprache ausgestellt und von den vier Vorstehern der Chebrah unterfertigt. Rumänien. Bukarest, 26. Mai. Aus Piatra wird ein Vorfall bekannt, welcher zeigt, daß die rumänischen Antisemiten mit ihren Anklagen viel ratkkaler und gewissenloser Vorgehen, als die übrigen antisemitischen Länder des „gebildeten" Europa. Anderwärts hört man nur noch davon, das; die Inden den Handel monopolisiren, daß sie ungeheuer schlau seien, daß sic partout nach ihrer Manier koscher schlachten, d, h. schachten wollen n. dgl. ui.; im Grunde genommen. lauter harmlose Dinge, die nur beweisen, daß Antisemiten dümmer sind, als andere Christen-