Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1886)
- Date
- 1886-05-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVIL Jahrgaug. AeitvvgsrrachrichLe» xsttb Correspoudeazerr. Deut s ch l a n d. Berlin, 28. Mai. Zu unserer letzten Eorrespondenz über die Petition des Verbandes deutscher Thierschutzvereine gegen das rituelle Schlachten becllen wir uns die Berichtigung nachznttagen, daß der Abgeordnete Ludwig Löwe der.Petitionskommission überhaupt nicht angchört, und daß vielmehr der Vorsitzende derselben der deutschfreisinnnige Abgeordnete Hoffmann ist. Im klebrigen glauben wir von jeder weiteren ölsenrlichcu Mittheilung über den weiteren Verlauf dieser überaus ernsten Angelegenheit vorläufig Abstand nehmen zu sollen. Berlin, 28. Mai. Das interkonfessionelle „Comite zur Errichtung von Ferienkolonien," deren Vorsitzender der Stadtsyndikus Eberti ist, hat in diesem Jahre Dank den rühmenswerthcn Bemühungen des Herrn Sigismund Simmel den Beschluß gefaßt, die jüdischen Kinder in jüdische Verpflegung zu geben. Herr Simmel hatte sich mit Freuden bereit erklärt, die Ausführung dieses Beschlusses zu übernehmen. Alle Lehrer im weiteren Umkreise von Berlin, welche bereit sind, natürlich gegen Entgeld, die Verpflegung von Kindern zu übernehmen und die Eltern, welche für ihre Kinder die Vergünstigung nachsuchen, sollten sich an Herrn Sigismund Simmel (Heiligcgeiftstr. 12) wenden. Leider sind diese Meldungen bisher in auch nicht annähernd genügender Weise erfolgt. Der Zweck dieser Zeilen ist, alle die bezeichncten Lehrer, welche erst auf diesem Wege von diesem schönen Werke hören, zur event. Meldung bei dem genannten Herrn zu veranlassen. Es wäre innig zu bedauern, wenn der herrliche Entschluß aus mangelndem Interesse unserer eigenen Glaubensgenossen unausgeführt bliebe, denn der wohlthätige Einfluß, den die glückliche Nealisirung des Gedankens nicht nur aiif das körperliche Wohl und die religiöse Freudigkeit der Kinder, sondern auch auf die Gesinnung und und alle zukünftigen Entschlüsse der städtischen Behörden ausüben würde, ist ein unschätzbarer. Wallau bei Wiesbaden, im Mai. Der hiesige etwa vor 0 Monaten ins Leben getretene Turnverein feierte am Sonntag den 23. Mai sein erstes Turnfest, das von mehreren tausend Personen, einschließlich rilliger auswärtiger Turnvereine besucht war.' Besonders ist hierbei hervorzuheben, daß der, hiesige noch jugendliche israelitische Lehrer Herr Ph. Falkensiein, der früher iu Heinsberg im Reg- Bez. Aachen in derselben Stellung thatig war, sich in den wenigen Wochen, die er sein neues Amt hier bekleidet, schon so die Achtung seiner Mitbürger erworben, daß er auf allgemeines Verlangen derselben die Festrede halten mußte. Das Publikum war von derselben durch ihren sinnreichen und gediegenen Gehalt so begeistert, daß dem Redner ein tausendstimmiges Applaudiren entgegenschallte. Das ist ein Zeichen, daß die Israeliten hiesiger Gegend sich des besten Einvernehmens mit ihren christlichen Mitbürgern zu erfreuen haben. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Brünn. Landes-Kaffendirektor Wallanschek beantragte in der Jahressitzung des hiesigen Deutschen Schulvereins eine Resolution, worin der Antisemitismus auf das entschiedenste verurtheilt wird. Rach einftiinmiger Annahnre dieser Resolution' erklärte der Obmann Dr. Promber, dies beweise, daß in Brünn kein Boden für den Antisemitismus vorhanden sei und daß die deutsche Bevölkerung Brünns Jedem, der es wagen sollte, diese häßlichste Ausgeburt hieher zu verpflanzen, den Standpunkt klar machen werde. ' Eine ähnliche Resolution faßte auch die von 250 Damen der angesehensten Familien Brünns besuchte Jahressitzung der hiesigen Mädchen- Ortsgruppe des Schulvereins. Jglau, 25. Mai. Heute Morgen um 3 Uhr ist in Humpoletz ein Schadenfeuer ausgebrochen: elf Häuser sammt den Nebengebäuden und die Synagoge sind abgebrannt. In Tyrnau wurde am 4. Mai der Israelit Leopold Altmann im Alter von 108 Jahren zu Grabe getragen. Derselbe erfreute sich bis zur letzten Stunde seines langen Lebens einer vollkommenen Gesundheit und ungetrübten Geistesfrische. An seiner Bahre standen seine einzige 81 Jahre alte Tochter, zahlreiche Enkel, Urenkel und ein 9 Jahre alter Ur-Urenkel. Italien. Rom, 21. Mai. Im Mittelalter schrieb irgend ein Gaon: wjnNüe 'n im mm asn »indö o (Aus Bariwird einst die Thora hervorgchen, und das Wort