Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1886)
- Date
- 1886-05-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Inn ungeschickteres inib frecheres antisemitisches Machwerk ist aus schon Lange nicht unter die Augen! gekommen, wie diese Lüge eines Theologen. Schon die Existenz dieses Theologen erachten wir j als eine Lüge, denn es ist uns ganz unerfindlich,! wie ein solcher zu einer dreijährigen Dienstzeit als Gemeiner kommen könnte; er hätte denn absichtlich von seiner Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst keinen Gebrauch gemacht, um sich während dreier Dienstjahrc dem Studium des militärischen Lebens als Gemeiner Hinzugeben. Aber die Fiktion dieses „Theologen in dreijähriger Dienstzeit" wird benutzt, um die gemeinste Iudcnhetze betreiben zu; können. Es scheint fast, als ob man sich nur dann Erfolg von einer solchen verspricht, wenn einLchrer der christlichen Kirche sich in 2&>rt oder Schrift an derselben dctheiligt. In welcher niederträchtigen Weise dieser „Theologe" erst künstlich einen so hohen Grad von Dummheit und Unkenntnis; der Verhältnisse bei christlichen Soldaten konstruirt, um daun den jüdischen Soldaten verleumden zu können, soll die hier folgende Wiedergabe eines Gesprächs in der Kaserne erweisen, weiches nach dem Zeugnis; des ^Theologen" stattgcfnndcn haben soll. „A. Der Kaiser mns; doch ungeheuer reich sein, wenn er täglich die ganze Armee erhalten kann. B. Ter Kaiser hat ja nach dem französischen Kriege auch über tausend Millionen Thaler Kriegsentschädigung bekommen. C. (Jude.) Tic Kriegsentschädigung hat der Kaiser nicht bekommen. Bon den fünf Milliarden Franks sind 120 Millionen Mark als Kriegsschatz in den Juliusthurm nach Spandau gekommen. Ein anderer Thcil bildet den Neichs-Jnvalidcn-Fonds. Mchrcre Millionen erhielten die deutschen Heerführer als Nationalgeschenk. Der Nest wurde an die einzelnen Staaten vertheilt. Der Kaiser ist auch gar nicht so sehr reich. A. Na, wovon erhält denn der Kaiser die Soldaten? C. Die erhält nicht der Kaiser, sondern das Volk durch die Steuern, welche cs jährlich aufbringen muß. O. Ja, wcßhalb sagt uns denn der Hauptmann, daß der Kaiser uns erhält? Danach mußt Du den Hauptmann selber fragen. Er wird wohl seine Gründe haben." Der Tropfen Gift ist ausgcspritzt und wirkt weiter. Hieran knüpft der Diener des Herrn folgende allgemeine Betrachtung: „Ich bin früher nicht Antisemit gewesen, bin es aber beim Militär geworden, denn ich habe mehrmals .die Erfahrung gemacht, daß das jüdische Element in der Armee durch seine Sucht „Aufklärung" unter den Kameraden zu verbreiten, dieselbe zersetzende und revolntionirende Wirkung ausübt, wie dallelde in dem Volke durch die Prelle die religiösen, sittlichen und nationalen Fundamente unrerwühlL. Der jüdische Soldat schleudert durch kurze Aenßcrmrgen, für welche er gar nicht bestraft werden kann, mit Irrthümcrn vermischte Wahrheiten in die nrtheilslose Maffe, welche diese ificht begreifen kann. Er klärt nicht auf, sondern reizt auf, wenn auch wohl nicht mit Absicht." Ferner cntblödet sich der „Theologe" nicht, in einem anderen Kascrnenftnbengcspräch alle Soldaten jedes kriegerischen Geistes bar zu schildern, ein Gcspräch, bei welchem natürlich der Jude auch nicht fehlen darf, um zu sage«: Für was riskircu wir denn unser Leben? Was wird uns dafür? Wie nutzt nun der „Theologe" dieses Gespräch, welches wir für erlogen halten und bellen VerölfcntUchung eine Schändung unserer ganzen Armee ist, aus? Der Ehrenmann schreibt: ' „Ich hatte schweigend zugehört. Unter den >22. Mann, die mit mir das Zimmer bewohnten, war nicht einer, in dem der Gedanke, „dulce et decorum est pro patria mori“ lebendig gewesen wäre, und etwas aggressiven Geist zeigt auch nur —A. Bei den klebrigen hatte die Angst um Gesundheit und Leben die edleren Gefühle erstickt. Wieder aber war es ein Jude, der sich durch feige und vaterlandslose Gesinnung hervorthat und dem Egoismus das Wort redete." Es ekelt uns an, mit diesem frivolen Machwerk uns weiter zu beschäftigen; wir haben aber geglaubt, demselben eine weitere Veröffentlichung bereiten zu sollen, nm zu zeigen, mit welchen gemeinen Mitteln der Antiscmittsmus arbeitet, und daß derselbe sich nicht scheut, die. Maske einer militär-politischen Broschüre seiner zclotischen Fratze vorzubinden, um so auch das kameradschaftliche Leben im Heere zu vergiften. Wir bedauern nur, daß die anonymen Verfasser der ersten Abschnitte dieses Buches, deren ehrenwerthcn Absichten wir trotz unserer Gegnerschaft in manchen Punkten, gern anerkennen, mit solchem Gesellen wie dem „Theologen" zusammengekoppclt worden sind." Berlin. Der Kaufmann Louis Liepmann hat dem Direktor des Gymnasiums zum Grauen Kloster, Professor Hosmanu, mitgetheilt, daß er -zum Andenken seines Vaters, des Kaufmanns Daniel Liepmann, eine Stipendien-Stiftung von 15,000 Mark in vierprozentigen Prioritäten machen wolle. Jeder Stipendiat soll 150 Mark empfangen. Die näheren /*.v *£!