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Der Israelit · 1886-05-31 · Heft 43 (31.5.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 43 (31.5.1886)
Date
1886-05-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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752 Iudcnkönig wieder ausbrechcu zu wollen, und das hat der gemeinschaftliche Freund gethan. Hiesige Zeitungen greifen Tr. Köhler an, weil sein Blatt den Genossen ob seines Thuns so hart mitnimmt; diese Anschauung dürste aber nicht richtig sein. Vielleicht sicht Dr. Köhler ein, daß man zu weit ging und ändert nun feine Wege. Abwarten; die Zeit wird auch hier klärend wirken. — Dieser Tage starb in Newark Dr. Isidor Kalisch im 70. Lebensjahre. Dr. K. stammt aus dem Herzogthum Posen und huldigte schon in der Heimath. freisinnigen Anschauungen. Die politischen Verhältnipe veranlaßten ihn 1849 zur Auswanderung hieher, wo er bald im Verein mit Dr. Wise an der Ausarbeitung des Wise'schcn Gebetbuchs mit „Amerik. Minhag" mitwirtte. Er war vielfach literarisch thätig und hiutcrläßt den Namen eines gebildeten Mannes. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Fürth, 17. Mai. Dieser Tage starb hier der Privatier Salomon Berolzheimer und wurde unter großer Betheiligung zu Grabe geleitet. Derselbe war der erste Israelit in Bayern, der mit einer richterlichen Funktion (als Handelsrichter) betraut und Mitglied eines Bayerischen Laudraths wurde. Aus dem badischen Oberlande. Heute will ich Ihnen etwas über das Berhältniß des israelitischen Neligionsunterrichtes an der in Baden gesetzlich eingeführten gemischten Volksschule berichten. Der jüdische Religionsunterricht ist gleich dem Religionsunterricht der christl. Bekenntnisse obligatorischer Unterrichtsgegenstand der Volksschule. Ilm nun die Eintheilung desselben den verschiedenen Bekenntnissen zu ermöglichen, besteht die Verordnung, daß in das Stundendepntar der Volksschule, für jede getrennt unterrichtete Schulklasse, wöchentlich 8 Stunden ausgenommen werden müssen, und daß der Religionsunterricht entweder in der ersten oder letzten Unterrichtsstunde der betreffenden Klasse zu crtbcilcn ist. Der an der Volksschule augestellte israelitische Lehrer ist verpflichtet — auch bei Vorhandensein eines von der israel. ReUgionsgemeinde besonders dotirten ReUgionslrhrers — wöchentlich mindestens 0 Stunden Religionsunterricht zu geben. Ist neben dem israel. Volksschullchrer kern besonderer israel. Volksschullchrer in der Gemeinde, so muß der crstere auf Verlangen der Synagogengememde gegen entsprechende Vergütung 4 weitere Rcligionsstunde« wöchentlich ertheilen. An Schulen, an welchen wegen geringer Schülcrzahl kein israel. Lehrer angesiellt werden kann, wird für den Religionsunterricht entweder cm in der Nähe wohnender israel. Lehrer cngagirt, oder der Rcligionslehrcr der israel. Rcligionsgememde wird damit betraut, und hat in beiden FÄlen die politische Gemeinde an die ReUgionsgemeinde, oder direkt an den Lehrer ein entsprechendes Honorar zn zahlen, außerdem ist dieselbe verpflichtet, hierzu Lchrzimmer und Heizung frei zu stellen. Die Schüler jüdischen Bekenntnisses, sowohl der Volks-, als auch Mittel- und höheren Schulen, sind am 1. und 7. Tag Pesach, am l.Tag Schawnoth, an beiden Tagen Rosch haschono, an Jom Kippur, am 1. und 8. Tag Succoth gesetzlich vom Besuch des Unterrichts gänzlich befreit, an den übrigen Feststagen, sowie an jedem Samstag ist denselben ans Verlangen der Eltern die Unterrichtsstunde sreizugcben, um den Besuch des Gottesdienstes zu ermöglichen. Auch den an den Volksschulen wirkenden Lehrern ist cs ermöglicht, durch Einrichtung des Stundenplanes . und durch Dispensation vom Unterricht mu Samstag und an Feiertage» den öffentlichen Gottesdienst zu besuchen. Ans Verlangen der Synagogengemeinde kann dein israel. Lehrer von der Oberschulbehörde die Mitversehung des Vorsängerdienstes gestattet werden und wird auch meiftentheils gestattet, hingegen wird in neuerer Zeit den an der Volksschule wirkenden israel. Lehrern die Ausübung der Schechkta, soweit es sich um Neubewilligung handelt untersagt. Berlin, 20. Mai. Das „Berliner Tageblatt" bespricht die ihm vorgelegenen Aushängebogen einer Broschüre: „Der nächste Krieg. Unsere Aussichten und die Zustände in unserer Armee. Ein rücksichtsloses Wort von K.v.N." Wir entnehmen diesen Bemerkungen die folgenden: „Wenn wir in der Lage waren, die hier nur kurz gestreiften ersten Abschnitte der Broschüre in gewissem Grade und ihres sicherlich gut gemeinten Zwecks wegen anerkennen zu können, einzelne Theile derselben aber trotzdem zurückwcisen zu müssen, so treten wir mit vollster Schärfe dem letzten Abschnitt entgegen, welcher den Sozialismus in der Armee behandelt nnd der angeblich „ans dem Tagebnche eines Theologen, der drei Jahre als Gemeiner diente" herrühren soll.

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