Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-05-31 · Heft 43 (31.5.1886) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 43 (31.5.1886)
Date
1886-05-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449642--24380-2514130
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Organisation dcrDenvalümg erfolgt nächste Woche: das Seminar selbst wird nächstes Herbst eröffner. Vs beißt, daß man einen hcrrEügcnden europäischen Gelehrten an die Spitze depelben stellen will; wen? sagt das Gerücht nicht. Warten wir nun ab, wie sich die Dinge gcstalren; einige Namen im Comitö sollten uns Gewähr für die Wahrung des conscrvativen Standpunkts bieten. Allein man vergebe nicht, daßdas Werk in 9tcw-Z)ork, bczw. in Amerika geschaffen wird und da weiß man nicht, wie cs^sich entwickelt. Der 1. Vicepräs ident Dr. sschnecbcrgcr ist ein Schüler Tr. Hildesheimers, Lehmanns u. s. w. und hat sich bis heute ganz in orthodoxen Bahnen bewegt: möge er seinen Einstuß dahin verwenden, daß man das Institut seines Berliner Lehrers als Vorbild nehme. Der Rabbiner Dr. Kohnt, der conscrvativste unter den Reformern, hat bis jetzt in seiner Gemenibc wenig Prosclytcn für seine Sache gemacht. Wohl beabsichtigte der Herr Doktor nicht die Orgel, den gemischten Ehor n. s. w. abzuschaffcn; allein andere Dinge, die er cinzusuhrcn wünschte, konnte er nicht hinzusetzen. So begibt sich der Herr Doktor am 2. Tage v"' stets in eine sreinde Synagoge, da ihm die Pforten der eigenen verschlossen sind. Allein trotz dieser verschiedenen Anschauungen scheinen sich Gemeinde nnd Rabbi gnt zu verstehen. Letzte Woche beschloß nämlich eine Gemeindeversammlung den Gehalt Dr. Kohnts auf 6000 Dollars per Jahr zu erhöhen nnd ihn auf zehn Jahre anzuftcllen. Dr. Kohnt iss ein Mann, den zu bcurthcilen ziemlich schwer fallen dürfte. Im Hause ist er, wie von glaubwürdiger Seite bestätigt wird, konservativ; im Tempel ist der Gottesdienst nach Reformmnster, sind die Predigten konservativ angehaucht. Das Interessanteste aber ist, daß die Gemeinde Kohuts, wie eine hiesige Zeitung berichtet, zu dem Seminar Dr. Wise's in (Sincinatti und zu dem neuen Eoncurrenzinftitut hier beisteuert. Eine feste Tendenz hier zu finden ist um so schwerer, als ja Dr. Ä. auch einer Schule entstammt, wo man Reform und Conscrvatismus zu vereinigen versteht. — Die Rabbbinerversammlnng, der ich jüngst Erwähnung that, fand in der abgclaufcneu Woche unter geringer Bcthcilignng statt und hatte auch weiter kein besonderes Jnlcrcifc erregt. Das einzige Merkwürdige war die Herren, die sich sonst so hart bekämpfen, wie Dr. Köhler nnd Meudes und andere mehr so friedlich beisammen zu sehen. Die Fragen, die verhandelt wurden, betrafen hauptsächlich Schule, Gebetbücher n. dgl. Dinge; sie wurden aber alle mehr theoretisch behandelt, da sich zeigte, daß sich so heterogene Ansichten kaum unter einen Hut bringen laffcn. Ferner beschlossen die Herren einen Schritt weiter Zn gehen und der Fraucncmancipation das Wort zu reden, indem sie empfahlen Frauen als aktive Mtgliedcr in Gemeinden aufzunehmen. Wenn die Herren, die auf Frauen in ihren Gotteshäusern angewiesen sind, derartiges leeres Stroh zu Markte bringen, so ist das verständlich und auch verzeihlich: wie aber Dr. Meudes und Genossen zu derartigen Dcschlüffcn „ja" und „Amen" sagen, ist schwer erklärlich. Die nächste Versammlung der Herren kann schon den Frauen das Recht verleihen, zu „Minjan" sich zählen Zu dürfen, und da die Herren Pittsburgcr Glaubens ja noch einen Schritt weiter gehen dürften, so kann man bald weibliche Größen aus der Kanzel sehen. Die Sache macht sich. Nur immerzu, gelehrte Herren; der Humor will zu seinem Rechte gelangen und der humoristische Stoff ist kein allzugroßer jetzt. Möge mau sich auch in Europa auf die Emancipation vorbereitcn, nur nicht hinter Amerika znrückznblcibcn.. Was wohl die nichts ahnenden Rabbis der Tram zu Wolosyn und Kowno sagen werden, wenn sich Jungfrauen zum Studium melden. Frisch auf Damenwelt; Großes steht Euch bevor; bald werdet Ihr profauc» Gerede vom EaMatsch verschwinden sehen und dafür eine geistreiche Abhandlung von' 2221 oder ii. dgl. mit darauffolgender Debatte ans die. Tagesordnung stellenll Tie Trauung, die Dr. Sonnenschein in der Scdcrnacht vornahm, hat viel Staub anfgewirbclt, nicht allein weil die Hcirath zwischen einer Jüdin und einem Christen ftatthattc, sondern weil solche auch in der Nacht zum 1. Tag Peßach vollzogen wurde. Das Organ Dr. Kohlcr's, der „Reformer", hat Sonnenschein ebenfalls dieserhalb angegriffen, Dr. Wise in Eincinatti hat S. vertheidigt und so brennt es im eigenen Lager. Der Sinn des Angriffs der Herren Köhler und Hirsch, der Herausgeber des „Reformer", ist um so weniger verständlich, als die Herren, so lange Sonnenschein Rabbiner in St. Louis war, eines Herzens und eines Sinnes, waren. Dr. Wise beschützt Sonnenschein auch gegen diese Angriffe, und in der dem Herrn Jngendbilducr imd Meister der klassischen Sprache eigenen Schreibiveisc heißt er den Verfasser des Artikels im „Rcsonncr" einen: „groben, verbissenen Am-Haarez". Die Herren, die jüngst in Pittsburg über das Judenthmn und seine Glaubenssätze zu Gericht saßen, konnten nicht lange barinonircii. Der alte .Kampf, der einst zwischen Einhorn nnd Dr. Wise wüthcte, scheint zwischen den Schwiegersöhnen Einhorns, den Herren Dr. Köhler und Hirsch, und dem westlichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.