Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1886)
- Date
- 1886-05-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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750 die wilden Sprößlmge beschneiden: man muß ihm eine gerade, kräftige Srütze zur Seite stellen, an die er sich aulrhur, um emporzuwachsen: dann wird der Baum in späteren Jahren kräftig daftehen. und herrliche Früchte tragen. So soll man auch die Knaben sich einwurzeln lassen in den Boden der Gotteslehre, soll sie tränken mir dem heiligen Gewässer, soll ihre Leidenschaften bezähmen durch d»e von der Thora vorgeschricbene Enthaltsamkeit, soll ihnen eine Stütze geben in Gottes heiliger Lehre, in seinen heiligen Geboten. Dann werden sie gekräftigt sein. Widerstand leisten allen Versuchungen, allen Stürmen des Lebens! — Wie die verkehrte Eichung die Söhne verdirbt, so geschieht cs auch mit den Töchtern. Statt gebildet, werden sie meistens verbildet. Nicht zu tüchtigen Hausfrauen und Gattinnen werden sie vorgebildet, sondern zu Salondumen und Modepuppen. Mögen sie Talent haben oder nicht, sie werden viele Stunden des Tages an das Clavier gefesselt, sich, ihren Lehrern, ihren Hausgenossen und Nachbarn zur Plage^ Mögen sie Stimme haben oder nicht, sie münen singen lernen, um durch falschen, ohrenzerreißenden Gesang an den sogenannten musikalischen Abenden den Gästen und Freunden des Hauses Langeweile oder noch Schlimmeres zu bereiten. Wenn sie sich dann verheirathen, so verstehen sic nichts von Küche und Haushalt und sind in allen nothwendigen Dingen des Lebens von ihren Dienern und Dienerinnen abhängig. Dagegen verstehen sie es ausgezeichnet, sich nach der neuesten Mode zu kleiden, Bälle und Gesellschaften zu geben und auf denen Anderer zu glänzen. Eine solche Frau ist keine Gehilfin des Mannes, sondern nur zu oft seine Verderben«. In Folge ihrer Putzsucht und Lergnügungssncht stellt sie Anforderungen, die der Gatte nicht befnedigen kann, ohne sich in gewagte Speculationen zu stürzen, in denen er nur zu oft untergcht. Dann klagen und jammern die bcthörten Eltern. Hätten sie doch vorher die Folgen bedacht und der Tochter eine Erziehung gegeben, die sie befähigt hätte, dem Gatten Gehilfin und Stütze zu sein. „Unsere Töchter sollen sei« den Säulen gleich, auf denen das Heiligthmn ruht." (Psalm 144 , B. 12). In frommer Sitte sollen die Töchter Israels erzogen werden, bescheiden und anspruchslos, erfüllt von Gottesfurcht, ausgerüstet mit Kenntnissen und Fertigkeiten, die der künftigen Gattin , Hanssrau und Mutter nothwendig und nützlich sind. Die Frau soll gleichen der Säule, die das Heiligthmn des jüdischen Hanfes trägt. Nur echte imb rechte Gottesfurcht vermag ihr den Halt zu geben, dessen sie im Leben so sehr bedarf. Darm wird sie nur einem solchen Gatten sich vermählen, von dem sie voraussetzen darf, daß er ihr mindestens gleicht in Tugend nnd Gottesfurcht. Durch frommes Walten und edles Thun wird sie ihr Haus zu einem Heiligthum gestalten, in welchem gute Sitte, Genügsamkeit und Anspruchslosigkeit die Herrschaft führen. Dann werden die Ettern freudvoll das Glück ihres Kindes schauen,.nnd mit frohem Herzen gntgeartcte Enkel heranwachfen schcn. Wahrlich, der gerade Weg, dem der Mensch anhaften soll, ist der, daß er bei all' seinem Thun stets die Folgen bedenkt, dann wird er nur das thun, was gut und recht ist. Freilich wird er dann auf manchen großen Gewinn,, auf viele Freuden und Annehmlichkeiten des Lebens verzichte» müssen: freilich wird er auch dann Manches unterlassen, was ihm'und Anderen zum Guten hätte ansschlagen können. Aber er geht ruhig und friedlich seinen graben Weg und kann froh und freudig der Zukunft entgegenschauen, und selbst, wen» ihm die Zeit Trübes bringen sollte,. hat er sich doch den schmerzlichen Stachel des Vorwurfes ^erspart, durch eigenes Verschulden sich KümmermNe bereitet zu haben; sein Blick richtet sich nach dem Jenseits, wo seiner harret der Freuden unendliche Fülle. — (Fortsetzung folgt.) Amerikanische Hiriefe.- Hs New-Aork, l0. Mai. Das neue „jüdische theologischeSemin a r", das nach Angabe der Gründer im Gegensatz zu dem Institut in Eincinatti, auf confervativer Basis stehen soll, ist nun endgültig conftitmrt worden. Letzten Sonntag traten die Delegaten im Synagogengebäude der portugiesischen Gemeinde zusammen, um die Wahl der Verwaltung vorznnehmen. Ich möchte auch nach dieser Wahl nicht gerne aus der Reserve heraustreten, in der ich mich bisher der neuen Institution gegenüber verhielt. Wohl sind einige Herren unter den Gewählten, welche ganz den Standpunkt der Orthodoxie vertreten, allein es sind auch etliche Herren darunter, von welchen man dies nicht sagen kann und erst die zu entfaltende Thätigkcit wird zeigen, welche Tendenz dem Seminar zn Grunde liegen wird. Von in tvcitcrcn Kreisen bekannten Namen befinden sich unter den Gewählten nnter Anderen: Dr. Schnecberger, Rabbiner in Baltimore, Dr. Mcndcs, Rabbiner der portugiesischen Gemeinde hier, Dr. Fricdewald in Baltimore, M. de Pkza, Newmanll Eo»»e«, S. Iarmnlowsky in New Uork, Dr. (5ohen in Philadelphia u. s. w. Die definitive