Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 42 (27.5.1886)
- Date
- 1886-05-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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„Tzo-tzes" «. s. w. und aus Zionslchrcr wurde nun das Wort Ta-king. Tie Thora beißen mm die chinesischen Inden „Tzin-ki-au" (d. h. Zionslchre) oder auch ,^Ki-ti-au" (alle Lehre oder Testament) oder sogar Ti-cn-ki-au" (Gottcs-Gesrtz.) Sich selbst neunen die chinesischen Juden „Ti-au-king-ki-au" (d. h. Leute, welche Gottes Wort befolgen), wahrend sie von den Chinesen wieder „Tzo-xau" (srcmde Einwanderer) oder auch „Li-tzc-tzau (blut-vcrachtcnde Frculdc) genannt werden. Letzterer Name wird gewöhnlich von den Gelehrten und Schriftstellern benützt. Ihre geschriebenen Thorarollcn heißen die chinesischen Inden ,Jing" (King bedeutet zwar auch Stadt, aber im Chinesischen har fast jedes Wort vier bis fünf Bedeutungen, die man nur aus der richtigen Betonung deyelben entnehmen kann) und sind dieselben immer ans ungegcrbten Lammfellen und mit assyrischen Lettern (rrr-sv 2rcn)t die denen der Samaritaner gleichen, nicdcrgeschriebcu. Außerder Thora besitzen sie kein anderes Luch der heiligen Schrift in hebräischer Sprache, nicht einmal das Buch Iosua, das sich bekanntlich bei den Samaritanern ja vorfindct. Es zeugt dies dafür, das; die chinesischen Inden Jerusalem verlassen haben, bevor noch irgend ein Buch aus den Propheten (cra) oder den Hagiographen (2'^w) abgefaßt war. Aber auch die einfache Thora vermögen die in Kai-fong-fu lcbcn- -den- Juden nicht mehr zu übersetzen, da die Kenntnis; des Hebräischen ihnen fast schon gänzlich abhanden gekommen ist. Nur ihr Rabbiner, der gewöhnlich zugleich auch ein Kohcu ist oder dessen Amt versieht, vermag die Thora zu lesen und führt er daher den Titel King-ky-an (Thora-Kohen). Zur Aufbewahrung der Thora haben sie die üblichen Bundeslade, dieselbe steht jedoch nicht, wie bei den anderen Juden, in der Synagoge selbst, sondern in einer anstoßenden Nische, die sich auf der Westseite der Synagoge (die chinesischen Juden richten beim Gebete ihr Gesicht nicht gegen Osten, sondern gegen Weben, wo Jerusalem liegt) befindet, das „Allerhciligste" genannt wird und nur von dem Rabbiner betreten werden darf. Aber auch dieser muß, bevor er das „Allcrheiligste" betritt, sein Gesicht mit einem blauen Schleier umhüllen, um so zu zeigen, daß er nicht würdig sei, diesen heiligen Ort mit seinen Augen zu betrachten. Die Thora ist stets in blaue mit goldgestickten Scidcngewäuder gehüllt, da - den Inden und Mohamedanern im chinesischen Reiche nur die genannteFarbe zu Kultuszwecken gestattet ist, während die Chinesen sich in ihren Tempeln der Farbe, welche die Farbe des Kaisers und des Reiches ist, bedienen können. Die alte Synagoge in Kaisongsn (dieselbe liegt indes; schon seit einigen Jahren in Trümmern und haben die Juden dort, soweit cs dem Schreiber dieser Zeilen bekannt ist, für jetzt keine eigene paycude Stätte mehr zur Verrichtung ihres Gottesdienstes auf derselben) war überhaupt in drei gleichmäßige Schiffe getheilt, in deren mittleren der mit blauer «erde überzogene Tisch stand, der zugleich auch als Almemor diente, während die beiden Seitenschiffe für die Gemciudemirglieder bestimmt waren. Die Frauen der chrncsischeiiJnden besuchen nämlich nie die Synagoge, wie cs überhaupt in Ehina gar nicht üblich ist, daß eine Frau an irgend einer religiösen Ecremonie thcilncbme. Bor dem erwähnten blanscidcncn Gebettische stand eine blaue hölzerne Tafel/ auf der der Name des rcgiercndenKaisers in chinesischen Goldlettern prangte.. An jedem Samstag und an den hohen Feiertagen wurde dann für den Kaiser gebetet, bei dessen Namensnennung die ganze Gemeinde sich mit ihrem Gesichte gegen die bezcichnctc Tafel hin leicht'verbeugen mußte. Diese Tafel heißt: Ban-tzu-pe (d. h. die Tafel der ewigen Zeiten cnn Tn) und dient sie als Symbol dafür, daß der Kaiserthron in Peking die Zeit überdauern werde. Bon Zeit zu Zeit erschien sogar ein Staatsbeamter in der Synagoge, um nachzuschcn, ob die Tafel an ihrem Platze stand. Solche Besuche müssen sich indeß auch die Kirchen und die Moscheen in China gefallen lassen. (Siche die Fortsetzung in der ersten Beilage.) -A n st r a 1 i c u. Adelaide. Herr S. Schlank dahier wurde zum Friedensrichter von Neusüdwales ernannt. Außer chm nimmt noch ein anderer Jude die gleiche Stellung ein. MM Wechamal). XXII. „„Majestät,"" sagte der Fürst von Dahlberst, „„wohl bedarf cs, nach dem, was hier vorgegangen,