Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 42 (27.5.1886)
- Date
- 1886-05-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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727 feiner werteren Beweise -er Unschuld des jungen Mädchens, das so böslich mrd schändlich verleumdet ist worden. Ta diese Beweise aber vorhanden, so mögen Eure Majestät mir gestatten, sie vorzulegen. Hier ist die eidliche, von Zeugen bestätigte Aussage eines cdnvürdigcn Eremiten, die mein Serretarms zu Papier gebracht hat. Ter heilige Eremit bezeugt, daß der Ritter Wolf von Trachenstein und seine Spießgeselle, der Gastwirt!) zur goldneu Kanne in Wonns, Hans Wyler, bei ihm i» seiner Klause gewesen und ein Liebesttänllein verlangt habe, weil es dem Ritter unmöglich war, die Braut Daniels von Gernsheim von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Hier ist ferner die eidliche Aussage eines alten Weibes, Namens Trude, welches im Aufträge des Trachensteiner das Ringelein gestohlen und dafür einen Sündenlohn von fünf Goldgnlden erhalten hat."" „Der Trachensteiner," sagte der Kaiser, „hat mehrfach den Tod verdient. Zum Ersten hat er die Wette verloren und muß schon deßhalb sterben. Zum Zweiten hat er die Kaiserliche Justiz dahin bringen wollen, eine ungerechtfertigte Hinrichtung zu veranlaffen nnd Daniel von Gernsheim zum Tode zu verurtheilen. Zum Dritten hat er betrogen, gelogen nnd gestohlen. Er soll seiner Ritter- Würde entkleidet nnd wie ein gemeiner Verbrecher gehängt werden. — Du aber, holde Maid, gehe hin nnd bringe Deinem Verlobten die Freudenbotschaft, daß Wir ihn in seine Aemter und Würden wieder emsetzen." In seiner Zelle saß Daniel. Vor ihm lag ein Tractat des Talmuds, in dessen Studium er sich vertieft hatte. Das war während der vielen einsamen Tage sein Trost und seine Freude. Lange war ihm keine Nachricht von der Außenwelt zugekommen. Wohl hatte er erfahren, daß Graf Baffenheim einen Aufschub der Hinrichtung erwirkt hatte, daß Müde» nach Worms abgereist war. Wie lange sollte er noch im Kerker schmachten? Würden sich ihm die Kerkerthüren zum Tode oder zur Freiheit öffnen? Da hörte er, wie das Schloß der Kerkcrthüre geöffnet wurde, nnd .... was erblickte er? War cs eine Gaukelei, eine Sinnestäuschung, die ihm seine Phantasie vorspiegelte? Eine reichgcschmückte Dame trat herein, und diese trug die Züge der geliebten Braut! Er starrte sie an; cs war ja nicht möglich, wie konnte Nechamah nnd noch dazu im Gewände einer Edeldame hicrherlommcu? Diese aber stürzte ans ihn zu und rief: „Daniel, mein Daniel, Du bist frei, und wir werden glücklich sein!" Auch die Stimme der Geliebten konnte Daniel noch nicht überzeugen, daß er nicht tranmbefangen sei. Jetzt aber traten der Fürst von Dahlberg und der Gras von Baffenhenn in die Zelle, deren Thüre nicht wieder geschloffen wurde. . „Ich wünsche Euch Glück, Herr kaiserlicher Rath," sagte der Fürst. „Der Trachensteiner ist als Berrätber und Betrüger entlarvt, und Ihr seid in Euer Amt wieder eingesetzt. Und nochmals wünsche ich Euch Glück zu der heldenmüthigen, edlen Iungfrari, die Ihr zur Gattin erwählt habt. Ihr allein babr Ihr die Rettung zu verdanken." „Mehr noch," sagte Nechamah bescheiden, „haben wir der Huld nnd Gnade des durchlauchtigsten Fürsten zu danken, der sich so liebevoll unserer angenommen." „Vor allen Dingen," nahm nun Graf Bassenheim das Wort, „wollen wir diesen traurigen Ort verlassen. In Eurer Wohnung, Herr Daniel, wollen wir Euch Alles erzählen, was sich zngetragen. Auch müßt Ihr Eure Kleider wechseln, um vor dem Kaiser zu erscheinen, der Euch mit Sehnsucht erwartet." In der Wohnung Daniels hatten der mit dem Fürsten Dahlborg zurückgekehrte Röuben und dessen Frau ein opulentes Mahl hergerichtet, welches der Fürst, der Graf, Daniel nnd Nechamah gemeinsam verzehrten. Bei Tische erfuhr Daniel Alles, was die Herren und was die Geliebte für ihn gethan hatten. „Gott segne Dich, Nechamah", sprach Daniel gerührt. „In Dir habe ich das biedere Weib gefunden , welches König Salomo werthvoller erachtet als alle Schätze der Welt." Nechamah wollte entgegnen, da wurde die Thüre geöffnet, und herein traten, zur größten Nebcrraschung der Anwesenden, Rabbi Elasar und dessen Gattin. Sie hatten die Ungewißheit. nicht länger ertragen können, und so hatte für schweres Geld der Rabbi ein sicheres Geleit sich gemiethet nnd war mit seiner Gattin hergereist. Wer schildert das Glück und die Freude dieser vier Menschen, die nach so harter Prüfung nunmehr ihre Herzen dem Frohsinn erschließen dursten! Als Daniel wenige Stunden nachher vor dem Kaiser erschien, ging dieser ihm entgegen, umarmte und küßte ihn. „Gelobt sei Gott," sprach der hohe Herr, „der Dich dem Leben und der Freiheit hat wieder gegeben! Deine Braut wird Dir berichtet haben, daß ich Dich in Dein Amt wieder cinznsetzen gewillt bin." iTri i 11 r\gtfV* - -r * ’ v,....'