Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 42 (27.5.1886)
- Date
- 1886-05-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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724 Berlin, 22. Mau Howredigcr Stöcker har mit seiner gegen die Freisprechung des von ihm beklagten Redactcurs Bommett in Siegen eingelegten Revision kein Glück gehabt. Der vierte Strafsenat des Reichsgerichts verwarf in seiner heutigen Sitzung, dem Anträge des Reichsanwalts gemäß, die Revision. Berlin, 25. Mai. Die Petitionskommission des deutschen Reichstages hat in ihrer Sitzung vom Sonnabend beschlossen, die Petition des Verbandes deutscher Thierschutzverein e, daß die Thiere vor dem rituellen Schlachten betäubt werden sollen, dem Fürsten Reichskanzler zur Nachachtung zu empfehlen. Da sich in jedem- Beschlüsse der Kommission die Ansicht der Majorität des Parlamentes wiederzusvicgcln pflegt, so liegt die ernste Befürchtung nahe, daß das Plenum diesem verhängnißvollen Beschlüsse bcitreten wird. Die Nachricht kommt zu überraschend und unerwartet, als daß augenblicklich ein klares Urtheil über die Vorgänge in der Konimission möglich und gestattet wäre. Die Mitglieder der Kommission müssen zweifellos von den Tendenzen der Petition und von den unabsehbaren Folgen einer eventuellen Berücksichtigung derselben auch nicht entfernt unterrichtet gewesen sein, denn sonst würden sie einen so offenen unberechtigten Gingriff in eines unserer heiligsten Ncligionsgesetze nicht gewagt haben. Andererseits ist aber der jüdische Abgeordnete Ludwig Löwe Vorsitzender der Pctitionskommission, und dieser Herr ist durchaus mit den einschlägigen Verhältnissen vertraut und hat er mit aller Kraft gegen die Petition cintretcn zu wollen erklärt; nicht unmöglich ist es auch, daß Herr Löwe in der Kommission überstimmt worden ist. Die Hauptschuld daran, daß die famose Petition soweit überhaupt Vordringen konnte, trifft unsere Glaubensgenossen selber und vornehmlich ihre geistigen Führer, welche in gemächlicher Beschaulichkeit der unausgesetzten Agitation gegen das Schächten als Publikum zuschautcn. Wie oft hat der „Israelit" warnend und mahnend seine Stimme erhoben, wie eindringend hat erst vor Monaten Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer in einem Gircnlar alle deutschen Rabbiner anfgesordcrt, mit schärfster Aufmerksamkeit die Wühlereien der sog. Thicrschntzvcreine zu verfolgen. Wäre es geschehen, die Petition hätte drangen im Reiche nimmer im Geheimen, einen solchen Umfang annehmen können. Unsere Glaubensgenossen mögen überzeugt sein, daß alle Schritte, die noch in allerletzter stunde gcthan werden tönnen, nicht unversucht bleiben werden; heute, Dienstag Mittag ist den vierhundert Mitgliedern des Reichstags die Schrift des Herr» Dr. Ehrmanu „Thierschntz und 'Menscheutrutz" überreicht worden, und es ist zu erwarten, daß das Plenum den Beschluß der Kouiutission umstoßen wird. Im Aichtfalle bliebe nur noch eine Gesammtpct-itrou aller deutschen Rabbiner an den Reichskanzlerübrig. Den Gedanken, daß die Bittschrift der Thierfrcuude siegreich alle Instanzen durchschreiten sollte, vermögen wir nicht auszudenkcn, obwohl in dem Zeitalter der Iudenhetzcn nichts mehr unmöglich erscheint. O, du vielgepriesenes, neunzehntes Jahrhundert!' Berlin, 25. Mai. Die Versendung des Jahresberichtes des Berliner Rabbiner-Seminars, welcher in diesen! Blatte bereits eingehend besprochen worden ist, hat leider wieder eine kleine Verzögerung erfahren, weil zu der winenschastlichen Programmarbeit „Beiträge zur Geographie Palästina's" auf Wunsch des Rektors noch eine werthvolle Ergänzung hmzugetrercn ist, welche anfänglich nur für die Separatausgabe bestimmt war. Die geschätzten Mitglieder und Freunde des Seminars mögen daher noch kurze Zeit sich gedulden, der Bericht wird sicher am Beginne der nächsten Woche zur Versendung gelangen. Wolfenbüttel, den 19. Mai. Die hiesige Samsonschule feiert am 4. Juni dieses Jahres den Tag ihres 100jährigen Bestehens. Ans diesem Anlaß ist, wie auch Ihr Blatt schon vor längerer Zeit mitgctheilt, ein Eomitö zufammengetreten, welches zur Feier dieses Tages die Gründung eines Fonds in Anregung gebracht hat, der zur Unterstützung solcher Zöglinge der Anstalt dienen soll, die gut veranlagt sind, aber nicht die Mittel besitzen, um sich beim Verlassen der Schule einem ihnen zusagenden Berufe zu widmen. Zur Feier des 100jährigen Gedenktages werden viele ehemalige Schüler der Anstalt hier cintreffen. Am Donnerstag, den 3. Juni, findet nach dem jetzt herausgegebencn Progrannn eine Vorfeier statt. Lehrer und Schüler ziehen nach dem Friedhöfe, woselbst die Lekränzung der Gräber des Stifters Philipp Samson, des Inspektors Ebrcnberg und seiner Gattin unter Absingung eines Chorals und einer Ansprache des Directors Dr. Roscnftock vor genommen wird.. Freitag, den 4. Juni, ist große Fesmicr. Um 9 Uhr: Zug der Anstalt und der Gäste ins Gotteshaus. .Kurzer Fcstgottesdienst mit Gcdächtuißrede dcsLandrabbincrs Dr. Rülf für die verewigten Stifter,