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Der Israelit · 1886-05-27 · Heft 42 (27.5.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 42 (27.5.1886)
Date
1886-05-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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123 Literarischer Bericht. Wissenschaftliches srrs dem Rabbiner- Seminar. n. BL Das scch stc Such des Bellum Judaicum nach der von Ecriani photo-litographnch cdirten Peschitta-Handschrist übersetzt und kritisch beleuchtet von Dr. Hermann Kortek. Berlin 1886, Nofenstcrn und Hildesheimer. Preis 3 Mark. Ecriani. der berühmte Bibliothekar der Ambrosiana in Mailand, hat bekanntlich die aus denr 6. Jahrhundert stammende und in korrektem Estrangclo geschriebene Peschitta-Handschrist der genannten Bibliothek vor nicht langer Zeit durch einen Licht- Abdruck der Oeffcntlichkcit übergeben. Am Ende dieser syrischen Bibelübersetzung, und zwar nach den vier Makkabäerbüchern, steht seltsamer Weise das sechste Buch des „jüdischen Krieges" des Flavins Joscphns. Der Schreiber der Handschrift bat dieses Buch irrthümlich als. das sünstc Makkäbäcrbnch bezeichnet, weil er es anscheinend hinter den vier Makkabäcrbüchcrn vorgcfunden. Das; dieser Thcil des bellum überhaupt Aufnahme in den Kanon finden konnte, erklärt sich ans der großen Bedeutung, die namentlich in den ersten Jahrhunderten des Christcnthums dem Joscphns und vornehmlich seinem „jüdischen Kriege" zugeschricben wurde. In ihm glaubte mau das Strafgericht Gottes über die Juden und die Prophezeiungen des Stifters dev christl. Religion (Luc. 3, 5) erfüllt zu scheu. Da nun das sechste Buch des bellum die eigentliche Zerstörung Jerusalems behandelte und so am besten das göttliche Strafgericht vorftihrte, lenkte gerade dieser Abschnitt des „jüd. Krieges" die Aufmerksamkeit der Christenwelt aus sich. Aus diesem Grunde mochte man dieses Buch allein herausgegriffeu, es übersetzt und so den syrisch sprechenden Christen zugänglich gemacht haben. Tie Uebcrschrist lautet „Erzählung der letzten Zerstörung Jerusalems". Außerdem befindet sich noch als Randglosse die Bemerkung „Fünftes Buch des Joscphns". Da aber dieses Buch das sechste ist, so bleibt nur die Annahme übrig, daß dieser Zusatz von einem späteren Abschreiber hcrrnhrt, der cs als das fünfte Makkabäcrbuch behandelte und wohl wissend, daß Joscphns der Bcrf. war, auch die andern vier diesem Historiker znrechuetc und das nun folgende sechste Buch des bel'.um. als „Fünftes Buch des Joscphns" hinstellte. ])r. Kostet hat sich der mnhereichen, aber um so verdienstvolleren Ausgabe unterzöge», dieses sechste 1 Buch der Peschitta-Handschrist zu übersetzen und krittsch zu bearbeiten; in der vorliegenden Arbeit sind die beiden ersten Kapitel des syrischen Textes vcröffcnüicht. Sehr interessant ist die m der Einleitung vom Vers, behandelte Frage, in welchem Vcrhältniß der Text des Ccriaui zum Griechischen steht. Joscphns hatte den „jüd. Krieg" im Lager der Römer für die außerhalb lebenden Barbaren in der syro-kaldäischen Sprache geschrieben, nnd seine Schrift sodann in das Griechische übersetzt, um den judenfeindlichcn, tendenziösen Darstellungen des Krieges von Seiten der Römer cntgcgenzutrcten, obwohl sein Haß gegen die Leiter und Führer der Empörung und seine Frcnndesstcllung zu Titus auch seine Unbefangenheit erheblich ttübt. Diese Uebersetzung, die er Titus widmete, geschah „unter Beihilfe einiger der gricch. Sprache kundigen Männer". Leider ist die alte syro-kaldäische Ausgabe verloren gegangen, aber schon dieser Umstand beweist, daß die Uebersetznug nicht zu sehr vom Original abgewichen ist; sie wird allein kleine Verbeyerungcn und Erweiterungen erfahren haben. Fragen wir nun, ob das sechste Buch des Ceriani eine Uebersetzung aus. dem griechischen oder syro-kaldäischen Texte ist, so beweisen zunächst viele Stellen, daß cs überhaupt eine Ucbcrsetzung und keine freie Bearbeitung ist. Der Vers, weist nun an einer ganzen Reihe von Beispielen nach, daß der vorliegende Text keine Uebersetzung aus dem Griechischen sein kann, sondern vielmehr aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem alten syrokaldäischen Texte übersetzt ist. Der Raum verbietet es uns, die Beweise im Einzelnen zu verfolgen, wir wollen aber betonen, daß der Beweis in allen Punkten vom Vers, erschövfcnd erbracht ist, und so darf dieses Buch des bellum einen kleinen Ersatz für das verloren gegangene Original bieten und uns ein Bild davon geben, wie Josephus die Uebertragung aus dem Syro-Kaldäischen in das Griechische vorgenommen-hat, und von welchen Grundsätzen er dabei geleitet wurde. Die von dem emsigsten Flciße zeugende Dissertation vereinigt in sich äußere und innere Vorzüge in reichem Maße. Der syrische Text ist auf Velin- Papier in klaren, deutlichen Lettern (jakobitisch) gedruckt, die deutsche Uebersetzung entbehrt trotz ihres wortgetreuen Anschlusses an den Text keineswegs einer styliftischcn Eleganz, und zahlreiche Roten belehren uns über die Abweichungen der Handschrift vom griechischen Texte. Die treffliche Arbeit wird nicht nur allein Syristcn interessantes und werthvolles Material liefern, sie wird auch von allen Josephnskennern mit Freuden begrüßt werden.

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