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Der Israelit · 1886-05-24 · Heft 41 (24.5.1886) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 41 (24.5.1886)
Date
1886-05-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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.709 nur Spaltungen in den Hanptgcnreindcn erfolgen vnd Zwciggcmcinden cnmchen, er halte die „Keth- Hamidrafch's", in denen such ZoitcHdienfrLiche Hand- Iungcit verrichtet werden, für religiöse Vereine. Ter Bertheidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Lewinsky wies an der Hand des „Orech Ehajim, Abschnitt 90" nach, „daß nach religiösem Ritus der Juden ein „Bcth Hamidrasch" würdiger als eine Snnagogc erachtet wird, weßhalb ein solcher zur Vollziehung des Gottesdienstes mit mindestens 10 männlichen Personen, einer Synagoge vorzuzichcn sei." Dieser Ausführung mußte der Rabbiner bcistimmcn, und so erfolgte das Urtheil der Strafkammer wie oben erwähnt. Kempen (Prov. Posen), 16. Mai. Gin Vorfall, der geeignet ist, auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden, hält die jüdische und christliche Einwohnerschaft unserer Stadt in nicht geringer Aufregung. Mit Blitzesschnelle hatte sich hier das Gerücht, welches sich leider auch bald bestätigte, verbreitet, daß einige christliche Schnftcrbuben in ihrer Rohheit und Gemeinheit so weit gegangen, daß sie sogar eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhöfe zertrümmerten und dann die Gräber zertraten, Ungefähr um Mitternacht, da weithin eine Todtenstille ausgebrcitct war, und der matte Mond ans die ernst daliegcnden Gräber hernicderlcuchtetc, wurde plötzlich der Kastellan des jüdischen Friedhofes durch ein laut vernehmbares Läuten der Klingel, die in seine Behausung fuhrt, aus dem Schlafe geweckt; da aber der Kastellan einen Uebcrsall fürchtete, begab er sich wieder zur Ruhe, ohne nach der Ursache dieser Nachtstörung weiter zn forschen. Und seine Besorgniß war nicht ganz unbegründet. Denn einige christliche Schusierbubcn wollten den „Juden" ans seiner Behausung locken und über ihn, wenn er sie znrechtweiscn wurde, herfallcn und ihn „tüchtig dnrchblänen." Als aber ihr erster Versuch, an dem alten, verlassenen Mann ihr „Müthchcn zu kühlen" mißglückt war, sannen sie auf einen andern Spaß. Dieser war bald zu ihrer Freude ausfindig gemacht; mit kühnem Muthe stiegen sie über die Mauern des Friedhofes und, nachdem sie sich überzeugt, daß kein Augenzeuge sich in der Nähe befände, rissen sic an 30 Grabsteine ans der Erde und zertrümmerten dieselben; hierauf zerwühlten und zertraten sie die Gräber der Todten — ein schrecklicher Anblick! und knlfernltn sich dann nach glücklich vollbrachtem Werke singend und johlend. Nur der stille Mond bclenchtelc das Zerstörnngswerk! Der Kastellan konnte wegen der weiten Entfernung, in dcr jene gransc Seme sich abspielte, von dem Vorgänge nichts hören, so daß die frechen Gesellen ungehindert ihr Bubenstück ansführcn konnten. Kaum war dieser Vorfall der hiesige» Staatsanwaltschaft zur Kcnntniß gebracht, als sie -sofort auf jene Buben, die eine solche That verübt, fahndete und siehe; heute am 17., gelang es ihren ernsten Bemühungen, die Grabeshyäncn in den Gestalten von sechs Schusterjungen im,Alter von 20 bis 25 Jahren zn entdecken. Diese werden wohl ihrer verdienten Strafe nicht entgehen. O, wann wird endlich Haß und Fanatismus aus der Mtte dcr Menschheit schwinden! P. M. Lübeck, 17. Mai. Am 1. Oktober 1884 ward hier ein neues öffentliches Schlachthaus eröffnet und alle bis dahin in Gebrauch gewesene Privatschlachthänser geschloffen. Dcr Wunsch des Unterzeichneten, in dem Gebäude ein Zimmer für den Schächter cinzurichten, ward bereitwilligst erfüllt, die Kosten für die Einrichtung desselben und die Heizung im Winter auch von der Schlachthausverwaltung übernommen. v Bald jedoch wurden, da die neue Einrichtung fortwährend müßige Zuschauer anlockte, deren zarten Nerven weniger durch die gar nicht selten fehlgehendcn oder unwirksamen und darum 3 und 4 Mal wiederholten Kculcnschläge auf den Kopf der Schlachtthiere, wohl aber durch die Manipulationen beim rituellen Schlachten verletzt wurden, Stimmen in dcr Tagesprcsse laut, welche den Thierschutzverein zu einem Vorgehen gegen das Schächten veranlassen wollten, Um allen Ausstellungen über die Art des „Niedmverfens" vorznbeugen, ward auf Kosten dcr Gemeinde, unter Zustimmung des durch seine Freundlichkeit und bereitwilliges Entgegenkommen allgemein hochgeachteten Schlachthausinspektors, des Herrn Colbcrg, Veterinärarzt 1. El., der aus dem unschätzbaren Werke des Henn Rabbiner Dr. Ehrmann „T h i e r s ch n tz und Menschentrutz" bekannte Zecha'sche Legeapparat cingcführt und hat sich derselbe auch schon ziemlich cingebürgett und wird sich um so mehr bewähren, je länger sich die Schlachter an die Handhabung desselben gewöhnt haben werden. Als jedoch die Klagen noch immer nicht verstummten, fand sich der Vorstand des Thierschntzvcreins veranlaßt, denUntcrzeichnetcn zu einerSitzung cinzuladen, um sich über das Schächten Bericht erstatten zu lassen. Noch war damals das eben erwähnte Ehrmaim'schc Buch nicht im Buchhandel crftljiciicu, wohl aber war eS mir durch die Freundlichkeit des Verfassers gestattet gewesen, eilten Einblick in die Eorrtklnrbogcn zu gewinnen. Durch

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