Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 41 (24.5.1886)
- Date
- 1886-05-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Volkes die innere Entwickelung der jüdischen Nation fast vöLig nnberöcksichrigt, doch gewährt er uns gleichwohl durch die paraphrastische Behandlung der biblischen Geschichte und eines Thcils der pentatenchischeu Gesetze in die Religionsznstände und Bibclimerprctanon seiner Zeit einen intcreffanten Einblick. Diese Paraphrasirnng der Iroy seiner allegorischen Deutungssucht im Geiste der Hagada oder Halacha wiedergegebenc» pentatcuchischcn Gesetze beweist nicht nur, das; damals der religiös-nationale Sinn tief im Volke wurzelte, die mündlich überlieferte Lehre gleich der schriftlichen gepflegt und diese ganz im Sinne der Tradition ausgelcgt wnrdc: die Berichte des Zoscphns über viele rituelle und sudicicüe Fälle machen uns auch mit vielen Halachotb bekannt, die manche halachische Angabe des Talmuds erläutern und ergänzen, wie die Zuverlässigkeit der talnmdischcn Halacha überhaupt bestätigen. Bei einer eingehenden Vergleichung beider von einander unabhängigen Quellen der Halacha findet man in den meisten Punkten die auffallendste Uebercinstimmnng, während die relativ wenigen Differenzen zwischen ihnen thcils auf die mangelhafte Kcimtniß des Zoscphns in der traditionellen Lehre thcils auf tendenziöse Gründe zurnckznführcn sind. Durchschlagend widerlegt hierbei der Vers, die Gcigcr'sche Hypothese, das; die talmndische Tradition „ein Wc^ der Umgestaltung" der alten Halacha sei und beweist vielmehr, daß die talmudische Halacha an den alten traditionellen Gesetzen festhält und von ihnen nicht abweicht. Die Kenntnis; der traditionellen Gesetze war bei Zoscphns trotz seiner tiefen religiösen Bildung und vaterländischen Gelehrsamkeit (Vita 2. Antiqu. XX. 11, 2) eine mangelhafte. Zoscphns richtete sich mehr nach dem, was spater gebräuchlich wurde, als nach der ursprünglichen Norm; er gibt ferner den Wortlaut der Gesetze, die zu seiner Zeit außer Praxis gekommen waren oder überhaupt nicht befolgt wurden, äußerst ungenau und unrichtig wieder, und er hält schließlich spätere Einrichtung für mosaische Gesetze. Diese drei Behauptungen belegt der Vcrf. mit einer reichen Anzahl von Beweisen. Da nun Jos. seine Werke vornehmlich für Griechen und Römer schrieb, „um sie mit den Juden auSzuföhnen, und den bei manchen Unverständigen tief eingewurzelten Widerwillen gegen sic und ihren Gott zu bannen" (Aut. XXI. 0. S.), so verändert und fälscht er einfach die jüdischen Gesetze, nm seine Religion in den Augen der heidnischen Lcserwclt in einem günstigeren Lichte erscheinen zu lassen (Bell. jud. V. 5,fi; Aut. IV. 4. 4; Ant. IV. «. 10.0. Apiouum II. 24.2«; Ant. IV. 8. 5.14. 15. 23; Ant. III. 10. 5). Anders als mit diesen ungenauen Angaben des I. verhält cs sich mit dm Berichten der talmudischen Halacha, deren Lehrer nur zu ihren Angchörigcn sprachen, sich in einer religiösen Atmosphäre bewegten und daher allein der strengsten Treue dienten. Der Berf. vergleicht nunmehr in dem zweiten Theile die in den Werken des Zvs. enthaltenen Halachoth mit den talmudischen, und zwar zunächst in Bezug ans die Opfer. Zoscphns bespricht diese nur kurz, da er ein besonderes Werk über die Opsergesctze zu schreiben beabsichtigte (Aut.. III. 9. 3). In dieser beiläufigen Besprechung unterscheidet er I. Privatopscr (a. Brandopscr, b. Dankopfer, c. Sünd- und Schnldopser, d. Taubenopser, e. Opfer der Fürsten, f. Speise- und Trankopfer und II. Gemcindcopfer) [a. Tamidopfer, d. Neumondopfer, e. Opfer des Bcrsöhnungstages, d. das Laubhüttenfest und die Opfer an demselben, e. die Opfer des Pcßachfcstes, f. die Opfer des Wochcnftstes, g. Schaubrode, h. das tägliche Spciseopfcr des Hohenpriesters^. Der Vers, behandelt alle diese Punkte bis iu's Einzelnste und liefert an vielen Beispielen den strikten Beweis für die bereits oben hingestcllte Behauptung, daß die talmudische Halacha an den ursprünglichen traditionellen Gesetzen fcfthaltc, ohne irgendwie von ihnen abzuweichen. 87 quellcnnachwcisende und den Text ergänzende Noten zeugen von den langen Vorstudien des Versagers und feiner großen Belesenheit in der einschlägigen Litcratnr. Zu bedauern sind nur die zahlreichen, oft sumcntftcllendcn Druckfehler; vereinzelte gewagte Auffassungen gewisser Punkte können natürlich den großen Werth der vortrefflichen und gediegenen Arbeit nicht beeinträchtigen. Der Verfaffcr, welcher erst unlängst von seinem Stiftsrabbinat in Hannover als Rabbiner nach Köthen berufen worden ist, wird hoffentlich auf diesem seinem Lnemetiro die Muße finden, seine Arbeit fortzusetzcn und zu vollenden. Man darf der weiteren Veröffentlichung des Werkes, welches, wie wir hören, im Eommissionsverlage von Z. Kauffmann in Frankfurt und Otto Schulze in Leipzig erscheinen wird, mit Interesse entgegensetzen. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Den t s ch l a n d. ^V. Berlin. DicKanflcnteHerzbcrg undLewhso hn in F i lehne waren der Uebcrtrctung des Bercittsgcsetzcs angcllagt worden, weil sie in den Monaten April und Mai 1885 in dem ForschungShanfe „B e 1 h a m i d r a s ch" (Lehrstätte für Talmud-Stu,