Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1886)
- Date
- 1886-05-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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690 haben, denn diese waren die Ersten, welche die Kenurniß der persischen Sprache nach China brachten. Unter Kaiser Ming-Li (regierte von 58 bis 76 nach der allgemeinen Zeitrechnung) kamen die ersten christlichen Sendboten nach China, um auch dort den neuen Glauben zu predigen. Tie chinesischen Jahrbücher melden uns leider nicht, wer diese Sendboten waren und woher sie kamen, wir können es jedoch mit vollster Sicherheit annehmen, daß es Syrer oder Chaldäer waren, welche im ersten und und zweiten Jahrhundert nach Lern Entstehen des christlichen Glaubens die eifrigsten Verbreiter desselben im Morgcnlande waren und denselben auch nach Indien und Mittelasien trugen. Dieselben betrachteten cs jedoch stets als ihre vorzüglichste Ausgabe, bevor sie den Heiden den neuen Glauben predigten, die unter denselben lebenden Juden zu bekehren und so dürfte bald auch ein solcher Apostel nach Kai-soug-fu gekommen sein, um das dort lebende Häuflein Juden dem alten Glauben abtrünnig zu machen und sic für die neue Lehre zu gewinnen. Biele jüdische Seelen dürfte dieser jedoch kaum in dieser Stadt eingesangen haben, denn um diese Zeit kamen auch Sendboten aus Indien nach China und predigten daselbst den Budhismus. Die chinesischen Jahrbücher erzählen von diesen Sendboten, daß sic, „wohin sie auch zogen und nach welchen Städten sie auch kamen, überall gerne gehört wurden und allerorten wißbegierige Schüler fanden." Zwei neue R eligionen kämpften so um die Gunst der Chinesen. Als Sieger aus diesem Kampfe ging indeß der Budhismns hervor, der den Chinese» -besser zusagte, und Millionen derselben nahmen den neuen Glauben mit Begeisterung an. Auch Kaiser Ho-ti (regierte von 89 bis IOC»), der den Weinbau in China cingcführt hatte, begünstigte den Budhismus selbst ans Kosten des Confucianismus, und fand der neue Glaube sogar am kaiserlichen Hose zahlreiche Anhänger. Um das Jahr 200 soll, wie die chincsischen Jahrbücher erzählen (in unseren Geschichtsbüchern ist nichts darüber bekannt) die Gesandtschaft eines römischen Kaisers nach China gekommen sein und mag dieselbe nicht wenig erstaunt darüber gewesen sein, als sic in Kaifong-sn, wo sich damals das kaiserliche Hoflagcr befand, mich eine jüdische Colonic antraf. — 1279 bestieg der Sohn des auch im Abcndlandc bekannten DjingiSKhan, der große und aufgclUirtc Ku-bilai Khan (die Chinesen nennen ihn: Schi-bu) den chinesischen Kaiscrlhron. Von diesem großen Herrscher weis; man. daß, wenn er auch äußerlich dem Budhismus zngethan war, in feinem Innern doch ein Verehrer des einzigen, ewigen Wesens war und daher sogar anch das Chrrstcmhum heimlich begünstigte. Bekannt ist auch sein Schreiben an Papst Gregor X., in dem er sich Zwei christliche Sendboten erbat. Jur Jahre 1265 kam der große venetianifche Reisende Marco Polo in Begleitung seines Vaters und seines Onkels nach Kamdalu. wie damals Peking hieß, und fanden sie bei Kubilai Khan die gastfreundlichste Aufnahme. Marco Polo brachte, als er wieder nach seiner Vaterstadt Venedig zurückkehrte, die erste Kunde von deol Vorhandensein einer jüdischen Colonic tu Kaifong-fn nach Europa. Da aber. die Schriften dieses Reisenden von den Juden seiner Zeit und auch noch viele Jahrhunderte später, gar nicht gekannt waren, so erfuhren sie auch nichts davon, daß dort weit im Osten eine jüdische Colonie existirt, die treu an dem Glauben der Väter hält. 1294 kamen die ersten Sendboten der römischen Päpste nach China, um dort den katholischen Glauben zu predigen und suchten sie sogleich zn den Juden in Kai-song-fu in nähere Beziehungen zu treten, fanden aber bei denselben eine frostige Ausnahme. Ja, sie.wollren nicht einmal den Sendboten des Papstes den Zutritt zu ihrem Li-pci-fn (Gottcshanse) gestatten, aus Furcht dieselben könnten es durch irgend einen religiösen Akt entweihen und für immer unbrauchbar machen. (Fortsetzung folgt.) Feuilleton. Mcchamaö. XX. Die Tage und Wochen vergingen denk Wormser Rabbiner und den Seinen in banger Sorge. Da kam Reuben und brachte die traurige Gewißheit, daß dem Ritter von Trachenstcin die schändliche Jntrigue gelungen, daß er den gestohlenen Ring als ein Geschenk Rechamahs bezeichnet und daß zwei Bürger von Worms die Wahrheit feiner Aussage beschworen, daß Daniel zum Tode verurtheilt, im Gefängnisse schmachte und daß am Tage seiner Hinrichtung alle Inden aus Deutschland ansgetrieben werden sollten. Was war zn tljuitV- Wohl wäre es leicht gewesen, die Jutriguc anszndccken und die alte Trndc wegen des Diebstahls anznklagen. Allein, was galt die Aussage einer alten Dienerin im Vergleiche init dem Eide zweier Bürger und der Versicherung eines vornclimen Herrn ans Rittcrehre? „ES ist feine Hilfe," sagte Rabbi Elasar,