Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1886)
- Date
- 1886-05-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Vorzug verdiene, daß man aber das nicht öffentlich aussprechcu dürfe, um die Schüler zum eifrigen Aufnehmen und treuen Festhalten des gegebenen Lehrfilmes anznsporneu und so die Art und Weise des Rabbi Elicser den Horkinas Allen zum Muster darzustelleu. Daher habe der Meister össcntlich diesem den Vorzug zuerkannt; in engem Freundeskreise dagegen, seinem vertrauten Schüler Abba Schaul gegenüber, habe er dem Scharfsinne des Rabbi Elasar bcu Arach das Ucdergcwicht zugeschriebeu. — Gegen diese Erklärung ist cinzuwcndcn, daß demnach auch Rabbi, der Ordner der Mischnah, dem Aussprüche AbbaSchauls nicht die Ausnahme, in die Mischnah hätte gestatten sollen, da er dadurch zu der allergrößten Qeffentlichkeit gelangt ist. Ehe wir nun dazn schreiten, den erhobenen Widerspruch zu lösen, wollen wir die beide» hier gegenüber gestellten Vorzüge unsrer Betrachtung unterziehen. Von Rabbi Elasar den Horkinas wird uns an vielen Stellen im Talmud erzählt, daß er das ganze, unendlich lvcite Gebiet der göttlichen Lehre beherrscht habe; 300 Halachoth kannte er in Bezug aus das feruliegende Gebiet von my mrc, 300 in Bezug auf das noch ferner liegende von cw.trp njrBa; um wie viel mehr wußte er und verstand er das Naheliegende und Häusigvorkommende! Es ist also nicht zu verwundern, daß die Gelehrsamkeit aller Weisen Israels zusammcngenommen die seinige nicht erreichte. Und dennoch mußte selbst dieser große Gelehrte sich einst als in der Discnfsion besiegt erklären, und zwar von seinem eignen Schüler Rabbi Akiba. Wir sehen also, daß selbst die größte Gelehrsamkeit dem Scharfsinne gegenüber nicht immer ausreicht. Dagegen ist es klar, daß auch der größte Scharfsinn die umfassende Gelehrsamkeit nicht zu ersetzen vermag. Beide Geiftesfähigkeiten, einander gegenüber gestellt, haben ihren Vorzug und ihren Mangel. Wie konnte also Nabbon Jochanan den Sackai dem Einen oder dem Andern das absolute Nebergewicht znerkennen? Wir wollen daher versuchen, die hier angeregte Frage, in anderer Weise zu beantworten. Im 14. Eapitel der Aboth de Rabbi Nathan lese» wir: Und Elasar den Arach nannte er (Rabbon Jochanan den Sackai) einen dahinströmeudcn Bach und eine sich stets verstärkende Quelle, deren Gewässer sich kräftigen und nach außen fließen, zu erfüllen, was geschrieben steht (Mischlc E. f>. B. 10): Es werden deine Quellen nach außen fließen, durch die Straßen gleich Wasserbächen. — Daraus erkennen wir, daß der Meister seinen Schüler Rabbi Elasar ben Arach, nicht einer Quelle verglichen bat, die, aus dem Erdboden hervorsprudelud, sich dauu verliert, sondern zu einer Quelle, die zu einem Bache anwächst mnd, sich zu einem Strome entwickelnd, das Land durchstießt. Wie die Donau im Schkoßhofe des Fürsten von Fürstenbcrg in Donaucfchiugrir als ein kleiner Quell entspringt, bald aber sich zu einem mächtigen Strom entwickelt, der groß und herrlich viele Länder durchströmt, so war die Gelehrsamkeit des Rabbi Elasar ben Arach. -Im Anfänge seiner Laufbahn mußte er wohl der große» wagerreichcn Eislerne, welcher Rabbi Elasar beu Horkinas verglichen war, nachstehen; später aber übertraf er ihn: an Wissensreichthum kam er ihm gleich und in Bezug aus die Kraft der Entwickelung war er ihm überlegen. Deßhalb gehen wir wohl nicht fehl, wenn wir den zweiten Ausspruch um einige Jahre spater setzen als den ersten. Ehedem übertraf Rabbi Elicser ben Horkinas alle Weisen Israels, Rabbi Elasar ben Arach miteingeschlossen: später aber wurde dieser so groß, vereinigte er so umfassende Gelehrsamkeit mit dem größten Scharfsinne, daß er Alle übertraf. Wir sagen: Alle, denn in seiner unendlichen Bescheidenheit schloß Rabbon Jochanan ben Sackai sich selbst mit ein. Daß dieser große Mann feine» Schüler Rabbi Elasar ben Horkinas vor sich selbst den Vorrang einränmte, dazu haben wir oben bereits, einen Beleg gebracht. Er sagte nämlich, als dieser sein Schüler ihn an einem Neumondstage besuchte: Wozu brauchst Du, der größte Gelehrte Deiner Zeit, mich zu besuchen? woraus Rabbi Elicser bescheiden antwortete: Du bist mein Meister, und es ist Pflicht des Schülers, am Festtage dem Lehrer seine Ehrfurcht zu bezeugen. — Daß Rabbon Jochanan ben Sackai auch seinen Schüler Rabbi Elasar den Arach als „einen großen Mann,, dem er nicht widerstehen könne," bezcichnete, iverden wir später anzufnhren Gelegenheit haben. (Fortsetzung folgt.) Der Zaöres-Bericht des Hiaöömer- Seminars zu Berlin. Berlin, 14. Mai. Ein froher und stets lvillkomniener Frühlingsbote ist der Bericht des Rabbiner-Seminars über das letzte Verwaltungsjabr (1884/85), soeben erschienen. Da-ö etwas verspätete Erscheine» desselben, welches nach des Kuratoriums eigenen Worte» ständig z» werden droht, hat seine Begründung in dem durch das späte Eingehen der Jahresbeiträge verzögerten Abschluß der Rcchcuschaftslegttng seitens