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Der Israelit · 1886-05-17 · Heft 39 (17.5.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 39 (17.5.1886)
Date
1886-05-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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sassa» 1 672 sich bei dieser Gelegenheit nicht nehmen, den Jubilar an seinem Ehrentage mit einem Präsente zu überraschen, wobei Letzterer in einer kurzen Ansprache betonte, daß es ibn namentlich freue mit der Uebergabe des Geschenkes beehrt worden zu sein und er wünsche, daß der Zubllar hie guten Beziehungen und das freundliche Wohlwollen, das er den isr. Glaubcnsgcnopen stets entgegcngebracht, auch fernerhin bewahren möge. Sichtlich gerührt, dankte der Jubilar der. Deputation. Tie Herren Banquier Schwarzschild und S. Levy aus Frankfurt (geb. Hcusestämmer) erschienen im Pfarrhausc und statteten ihre Glückwünsche ab. Letzterer übergab demselben ein werthvolles Oelgcmäldc. Sticht unerwähnt mag bleiben, daß der Herr Pfarrer ein btnsr nw ist. Bei der Einweihung unserer Synagoge im Zahre 81 war er zugegen. Bon 'der Kanzel herab stellt er gar oft die Juden als leuchtendes Muster dahin und empfiehlt, ihrer Frömmigkeit und Nächstenliebe nachzuahmen. Für die inncrn Familien-Berhältnissc zeigt er durch öftere Erkundigungen ein lebhaftes Jntcrepe. Sticht selten besucht er isr. Kranke in den Häusern, ihnen Trost, Vertrauen und Beruhigung znsprcchend. Das ist in der jetzigen Zeit, in welcher der Judenhaß seine Blüthen treibt und vielerorts viel Unheil schowangcrichtet, ein eklatantes Beispiel der Toleranz und Humanität. Zum Excmpel der Gegner sei dies ftatuirt. Mögen sie von diesem edlen Priester lernen, wie man den Samen der Liebe ausstreut in die Herzen der Menschheit. _ Gersfeld. (Rhön), 8. Mai. Gestern Abend um 7 Uhr entstand ein Feuer in einer Scheune, das binnen kurzer Zeit 8 Hauptgebände, worunter die Synagoge, das israelitische Schulhaus, die Tabakfabrik von Karpf u. Frank und 5 Nebengebäude in Asche legte. Erst gegen 10 Uhr galt die Gefahr für beseitigt. Der entstandene Schaden entzieht sich vorläufig jeder Berechnung; von besonders erheblichem Wcrthe waren die in der Tabakfabrik anfgespeicherten Vorräthe an Eigarren und Tabak, von denen auch nicht das Geringste gerettet werden konnte. Die Ersatzpflicht trifft die Bayerische Hypotheken- und Wcchsclbank und die Magdeburger Versicherungsgesellschaft. Das Feuer soll von einem 1 «jährigen Knaben gelegt worden sein. W. Berlin, 12. Mai. (Katholik n nd Jude.) Am 18. April d. Jahres verstarb in Berlin, 64 Jahre alt, der tanbstnmme Tischlermeister Joseph Ludwig Karl Beck. Derselbe ist der eigentliche Begründer des Taubstummen-Bercins in Berlin (1847). Beel erblickte als der Sohn eines Jägers m Nicrstciu bei Glatz das Licht der Welt. Bis zu seinem 18. Lebensjahre wuchs der kräftige Taubstumme ohne Unterricht heran. 1840 kam er als wandernder Tischlergeselle nach Berlin. Tie hiesige k. Taubftummen-Anstalt bot ihm Gelegenheit sich die nothweudigsten Kenntmye anzueiguen; täglich wohnre er dem Unterricht daselbst 2 Stunden bei, während er die übrige Zell benutzte, sich durch Händearbeit den nothwendigstcu Lebensunterhalt zu erwerben. Bei der feierlichen Enthüllung des Mo? numcntcs Friedrich des Großen, welche im Mai 1852 staitfand. betheiligte sich auch der Taudsiummen-Verekn. Dem Herrn Beck ward als dem größten und stärksten Taubstummen die Ehre zu Theil, das Vcrcinsbanner vorzutragen, wofür er zum Andenken eine bronzene Medaille mll dem Bildniß und Monument Friedrich des Großen erhielt. Einige Monate darauf, bestand Beck init Ehren die Meisterprüfung. Ein Spinde, 2 Tische und l Stuhl von der Hand Lcck's gefertigt, wurde von dem hochseligen Könige Friedrich Wilhelm IV. und dcsten erlauchte» Gemahlin käuflich erworben. (Einiges davon befindet fich jetzt auf Schloß Vabelsberg bei Potsdam.)^ Die mangelhafte Schulbildung, welche Beck genopen hatte, erschwerte ihm den schriftlichen Verkehr mll feinen Kunden, so daß der sehr geschickte, aber taubstumme Meister, sich nur 2 Jahre selbstständig auf der Oberfläche zu erhalten vermochte. Nun trat er als Wcrkführer bei seinem Kollegen und einstigen Schlafgenosscn, dem späteren Hoflieferanten und Kommisfionsrath Arnold in Kondition; von nun ab wurden beide uuzcrttennlich und gegenseitig unentbehrlich. Arnold war mehr Geschäftsmann als Künstler, während dies bei Beck der umgekehrte Fall war. So ging es volle 40 Jahre lang, während welcher Zeit' Arnold s Geschäft immer mehr zu blühen begann. Als Arnold vor 4 Jahren starb, sorgte er für Beck nnd deffen Familie väterlich. Die Neider Beck's fertigte der Komissionsrath mll den Worten ab. „Ich war arm — ihm verdanke ich Alles!" Beck hinterließ eine gleichfalls taubstumme Wittwe, die ihm 10Kinder schenkte, von denen jedoch nur noch 4 am Leben sind. Als frommer Katholik wurde er auf dem Michaelskirchhos in Nixdorf nach katholischem Ritus beerdigt. Zahlreiche Leidttageude, Taubstumme wie Hörende gaben ihm die letzte Ehre. Aus Weftphalerr. Allenthalben wird in jüdischen Gcmciuden dafür gesorgt, daß jüdische Soldaten am Pcßackffestc rituelle Kost erhalten, indem iuau dieselben in einer jüdischen Speiscwirthschaft auf Kosten der betreffenden Jndcngcmeinde

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