Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 39 (17.5.1886)
- Date
- 1886-05-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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SP ii. -• 671 Glaubensgenossen zn überwinden und sofort eine zahlreiche Betheiligung hcroorznrnscn, versuchten die Gründer des Sercürs die Agirationsweise der derrtschcn Reichsfcchtschulcu in Änwcudmig zu bringen und die eruftc Ziele des Vereins in humoristische Form zu hüllen; die Folge des Humors war, daß ernste und wohlhabende Lerne, die namhafte Jahresbeiträge hätten zahlen können, vour Verein überhaupt sich fern hielten und fast nur arnre Leute mit dem minimalsten Jahresbeitrag von 50 Pfg. denr „Esra" dcitraren. — Tie sehr geringe Betheiligung der wohlhabenden Glaubcnsgcnolrenrvurde im ersten Jahre durch eine für jüdische Berhältnijic ziemlich starke Betheiligung der ärmeren Stände einigermaßen wieder ausgeglichen und so ließen die Stifter des Vereins sich durch den ersten bescheidenen Erfolg zu einer weiteren Nachahmung der deutschen Reichsscchtschulcu, zur Heransgabc eines eigenen Lcrcinsorgans verleiten, das zweimal monatlich in einer Auflage von 500—1000 Exemplaren erscheinend, die Vercinsintcrcssen vertreten, zwischen den überall zerstreuten Mitgliedern desselben ein geistiges Band Herstellen und für die Colonisatiou Palästinas durch Juden Propaganda machen sollte. Die letzten 2—3 Seiten jeder Nummer waren zur Veröffentlichung von Mitgliederlisten, sowie für au S füh rl i ch e B e r ich te über sämmtliche interne Vercinsangelcgcnheiten rcservirt, aber auch dieses Unternehmen hatte im Ganzen dem Vereine keine dauernde Vortheile gebracht, wie überhaupt die Principien der Fechtschulen sich sür nnsern Verein als wenig geeignet erwiesen haben! Der geringe Wirkungskreis, auf dem ein spcciell jüdischer Verein bei der geringen Zahl unserer Glaubensgenossen, sich beschränken muß, sowie die Schwierigkeit unter den über dem ganzen Erdboden zerstreuten, verschiedene Zungen redenden und durch eine lange Verfolgung gegen Alles, was die Grenze der localen Wohlthätigkeit überschreitet, ziemlich apathisch gewordenen Glaubcnsgcnostcu einen allgemeinen Verein von größerer Tragweite zn organisircn, schließt jede Analogie mit einem nicht-jüdischen Verein, besonders aber mit den deutschen Neichsscchtschulcn, von vorne herein ans. Zu diesen Schwierigkeiten, welche ein jeder wcitgczweigtc jüdische Verein zu überwinden hat, trat bei uns noch der sehr geringe Jahresbeitrag von nur 50 Pf. hinzu, der dem jungen Verein wohl viel Mitglieder cingebracht, auch, eine sehr große Korrespondenz verursacht, den eigentlichen Zweck des Vereins dagegen nur wenig gefördert har. Das untcrzcichrlctc Eentral-Eomitä, rvelches in der General-Versammlung vom 2. Februar l««D neu* gewählt worden ist, ging deßhalb gleich nach seiner Eonftituirung daran, dem Verein im obigen Sinne zu rcconstruircu. Dir Heransgabc des Vcreinsorgans wurde eingestellt, der Humor aus deu Staturen entfernt und der Jahresbeitrag ans eine Mark erhöht. Mit der Neugestaltung des Vereins. beschäftigt, konnte das Eentral-Eomitö sür die Verbreitung desselben im vorigen Jahre wenig oder fast gar nichts thnn tmd erst mit der Ende Januar dieses Jahres erfolgten behördlichen Genehmigung des neu rcvidirtcn Statuts begann dasselbe nach außen eine rührige Thätigkeit zu entfalten. Unter einem geregelten Geschäftsgänge besteht der Verein demnach nur 12 Monat und obgleich seine Entwickelung lange nicht abgeschlossen ist, so darf man doch schon jetzt behaupten, daß die Periode der Versuche im Allgemeinen vorüber ist; cs hängt nunmehr von unsren Glaubensgenossen selbst ab, ob. der Verein seine Aufgabe crfüllcit und iui Stande sein wird, den jüdischen Einwohnern des heiligen Landes zur ökonomischen Selbstständigkeit zu verhelfen und damit der aus die Noth unsrer dortigen Glaubensgenossen ewig spcculirenden Mission gründlich und für immer das Handwerk zu legen. Wir wenden uns daher an alle jüdische Männer und Frauen, welche für unser Volk eine schönere Zukunft noch erhoffen, mit der. Bitte, dem Verein Esra bcizntrctcn, überall für ihn Mitglieder zu werben und diese Mitglieder in wohlorgamsirte Local-Eomitö's einzureihen, welche im Verein mit dem Eentral-Eomite in Berlin das erwähnte Ziel zu erreichen suchen,'— Acht Kolonien sind in Palästina schon errichtet und die ans denselben angesiedettcn Glaubensgenossen haben durch ihr Gedeihen den unzweideutigen Beweis geliefert, daß unser Volk das edle Handwerk seiner Väter, noch nicht ganz verlernt hat und auch mit Pslugschaar und Sense noch gut umzugehen weiß! Der erste Versuch ist gelungen, lassen wir es nicht dabei bleiben! Nähere Auskunft crthcilt: Herr M. Dr iesncr, Berlin, Klosterstraße 50, „ I. Kalmus, „ Magdeburgerstr. 32, sowie das Bureau des „Esra" Spandancrstr. 63. Zeitungsnachrichten «nd Corrcfpondenzen. D e n t s ch l a n d. Heusenstamm, 14. Mai. Am 9. d. feierte der l. Pfarrer Herr E. Bott sein 2l»jährigeS Priest cr- Jubilänm. Die lsr. Gemeinde (vertreten durch Herrn L. Schöncmann und Lehrer M. Eckmalm) ließ es